Mountainbiker aus Braunsbach Wenn die Beine „geil“ sind

Niklas Schehl bei einem Sprung während des Weltmeisterschaftsrennens in Lenzerheide.
Niklas Schehl bei einem Sprung während des Weltmeisterschaftsrennens in Lenzerheide. © Foto: Armin Küstenbrück
Braunsbach / Hartmut Ruffer 12.09.2018
Der Braunsbacher Niklas Schehl fährt bei der WM im schweizerischen Lenzerheide in der U23-Altersklasse von Startplatz 85 auf Rang 26 vor. Dafür erhält er viel Lob der Bundestrainer.

Als „alpine Oase im Herzen Graubündens“ bezeichnet sich das schweizerische Dorf auf rund 1600 Metern Höhe. Das Bergpanorama sei „unglaublich“, berichtet Niklas Schehl. Doch am vergangenen Wochenende spielte das für den 20-jährigen Braunsbacher keine Rolle. Schehl startete im deutschen Nationaltrikot bei der U23-Weltmeisterschaft.

Die Strecke hatte viele kurze, steile Anstiege und gilt als technisch anspruchsvoll. Das kommt Schehl entgegen. „Ich mag es, wenn es unrhythmisch ist“, bekennt er. Zwar war er im Vorjahr schon mal in Lenzerheide, doch kannte er den Kurs kaum. Also fuhr er mit einem Freund und einer Kamera die Strecke ab. „Den Film habe ich mir oft angesehen und versucht, mir jede Wurzel einzuprägen.“ Denn nur wer auf der Ideallinie fährt, kommt schnell voran.

Stau nach dem Start

In den Tagen vor der WM hatte es etwas geregnet, doch an den Renntagen war die Strecke nahezu abgetrocknet. Beim Start wird Niklas Schehl auf Rang 85 gestellt. 100 Fahrer sind dabei. Bei dieser großen Anzahl bedeutet das für Fahrer im hinteren Teil des Feldes, dass sie zu Beginn im wahrsten Sinne des Wortes im Stau stehen. „Gleich nach dem Start gab es nach 400 Metern einen Anstieg, der nur vier Meter breit war“, berichtet Schehl. Fahren war nur für die Spitzengruppe möglich. „Ich hatte keine Chance zu überholen und habe mich halb gelangweilt“, meint Schehl mit einem Augenzwinkern.

Doch dann nutzt der Braunsbacher jede sich bietende Gelegenheit, auch auf unkonventionelle Art. „Ich bin bis zum Absperrband rausgefahren oder auch an manchen Stellen abgestiegen.“ In Querfeldein-Manier überholt er einige Fahrer. 46 sind es allein in der ersten Runde. Danach hat Schehl etwas freiere Fahrt und fühlt sich wohl. „Ich hatte zwar in der Nacht schlecht geschlafen, doch beim Einfahren am Vormittag haben sich meine Beine geil angefühlt.“ Das steigert das Selbstvertrauen und der Braunsbacher fährt die insgesamt sieben Runden konstant gut und schnell. „Ich habe jeden Zentimeter zum Überholen genutzt“, freut er sich.

Dass er gut unterwegs ist, merken auch die Zuschauer, die an der Strecke stehen. Mehrere Tausend sind es schon beim U23-Rennen, beim Rennen der Elite werden es Zehntausende sein. Angefeuert wird er auch von seiner Familie. „Wenn da neben dir jemand den Berg mit raufrennt und dich unterstützt, fährt man gleich ein paar km/h schneller.“

Auf Platz 26 kommt Schehl ins Ziel und erhält für seine Aufholjagd 20 Weltranglisten-Punkte. Diese sind wichtig, weil nach der Anzahl der von den Fahrern jeweils gesammelten Punkte die Startaufstellung festgelegt wird. Den Sieg holt sich Alan Hatherly (Südafrika). Bester Deutscher ist Luca Schwarzbauer als Zehnter.

Nach dem Rennen folgt die Analyse mit den Bundestrainern Peter Schaupp (Elite und U23) und Marc Schäfer (Junioren). „Sie sagten, dass ich ein super Rennen gefahren bin und sehen noch viel Potenzial“, freut sich Niklas Schehl.

Für den Braunsbacher stehen nun noch zwei Bundesliga-Rennen in Freudenstadt (22./23. September) sowie in Titisee-Neustadt (29./30. September) an, ehe er im Oktober sein polyvalentes Studium in Freiburg beginnen wird. Dort wird Niklas Schehl in einer Vierer-WG eines Sportler-Wohnheims wohnen. Die Voraussetzungen sind gegeben, Studium und Sport gleichermaßen zu verfolgen.

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