Moment mal, bitte! Tilman Kühner fliegt für den SFC

Tilman Kühner gehört zu den Piloten des Haller Segelfliegerclubs. Der SFC ist kürzlich von der zweiten in die erste Liga aufgestiegen.
Tilman Kühner gehört zu den Piloten des Haller Segelfliegerclubs. Der SFC ist kürzlich von der zweiten in die erste Liga aufgestiegen. © Foto: Privat
Mainhardt/Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 01.09.2018
Der 29-Jährige Tilman Kühner aus Mainhardt hat mit den Haller Segelfliegern die Rückkehr in die erste Liga geschafft.

Nach vier Jahren hat der SFC Schwäbisch Hall den Wiederaufstieg in die erste Liga geschafft. Teammitglied Tilman Kühner, der in Mainhardt aufgewachsen ist und am Haller Erasmus-Widmann-Gymnasium sein Abitur abgelegt hat, spricht über Probleme mit den GPS-Daten und die Feinheiten seiner Sportart.

Herr Kühner, in der vorletzten Runde der zweiten Segelflug-Bundesliga hat der SFC Hall den Aufstieg perfekt gemacht. Sie sind an diesem Tag auch fürs Team geflogen. Richtig aufregend wurde es aber erst nach der Landung …

Tilman Kühner: Das stimmt. Es gab Probleme mit der Auswertung meines Fluges. Die GPS-Daten konnten zunächst nicht auf die Website der zweiten Liga hochgeladen werden. Normalerweise geht das über das Kollisionswarngerät, aber ein Softwareproblem ließ das diesmal nicht zu. Mein Navigationsgerät war nicht zugelassen. Für den dritten Logger hat mir das Kabel gefehlt. Zum Glück hatte jemand ein passendes Kabel dabei.

Aber damit war die Kuh noch nicht vom Eis ...

Ja. Nach der Datenübermittlung haben Wegpunkte gefehlt, die ich abgeflogen habe. Die Webseite hat deswegen die Wertungsstrecke falsch gewählt, was die Schnittgeschwindigkeit gesenkt hätte. Ich konnte das Problem aber manuell beheben. Das war für den Aufstieg sehr wichtig, obwohl wir noch ein Polster hatten.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie wieder erstklassig sind?

Das war am Tag danach. Ich habe die Nachricht in unserer Whatsapp-Gruppe gelesen. Ich bin diese Saison zwar nicht so oft für den SFC in der zweiten Liga geflogen, aber natürlich habe ich mich sehr gefreut, dass es geklappt hat.

Wie ist das Gefühl, im engen Cockpit eines Segelfliegers mehr als zwei Stunden zu verbringen?

Eigentlich fühlt es sich gar nicht eng an, weil die Position für den Segelflug-Piloten fast liegend, wie in einem Liegestuhl, ist. Über einem ist dann die Plexiglashaube, durch die man die Wolken sehen kann.

Wird es nicht heiß unter dem Plexiglas?

Am Boden vielleicht. Aber je höher man steigt, desto kälter wird es. Deswegen wird es im Cockpit an der Wolkenuntergrenze bei ungefähr 2500 Metern eher zu kalt.

Fliegen Sie auch in die Wolken rein?

Nein. Wir machen keinen Instrumentenflug. In der Wolke könnte man leicht die Orientierung verlieren. Wir dürfen nicht nach Gefühl fliegen, sondern immer nach Sicht. In der Wolke könnte man das Gefühl haben, dass alles in Ordnung ist, dabei fällt man rückwärts vom Himmel.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Flugroute aus?

Ein Faktor dabei sind die Lufträume. In bestimmte Lufträume, wie zum Beispiel in den Luftraum Stuttgart, darf man nicht einfach so einfliegen. Der zweite wichtige Aspekt ist das Wetter. Man schaut, in welche Richtung die besten Wolken stehen.

Was sind denn gute Wolken?

Das sind die klassischen Schönwetterwolken, Schäfchenwolken oder auch Cumuluswolken genannt. Am besten quellen sie nach oben auf. Das bedeutet viel Aufwärtsbewegung und damit eine gute Thermik fürs Segelfliegen.

Warum haben Sie sich Segelfliegen als Hobby ausgesucht?

Ich habe mich schon als Kind für Flugzeuge interessiert. Mein Onkel war auch schon bei den Segelfliegern in Öhringen. Als ich 15 Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal beim SFC Hall vorbeigeschaut. Ich bin danach gleich Mitglied geworden und seitdem dabei. Es ist eben die einfachste und die günstigste Art, mit dem Fliegen in Kontakt zu kommen. Und die schönste (lacht).

Sie haben Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart studiert und sind jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter für Maschinenbau an der Uni Karlsruhe. Hilft Ihnen Ihr akademisches Wissen beim Segelfliegen?

Nein, eigentlich nicht. Kenntnisse über das Wetter sind da wichtiger, aber die Meteorologie war nicht Teil meines Studiums. Da ging es hauptsächlich ums Technische. Das hilft mir eher am Boden, wenn es beispielsweise um Reparaturen geht.

Welche Rolle spielt der technische Fortschritt in Ihrer Sportart?

Seit den 1960er-Jahren gab es eigentlich keinen großen Leistungssprung mehr bei den Segelflugzeugen. Damals hat man die Bauweise von Holz auf Faserverbund umgestellt. In den letzten 15 Jahren, seitdem ich dabei bin, hat sich kaum etwas bei der Technik getan. Die Flugzeugtypen sind technisch alle schon so ausgereizt, dass da kaum noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Natürlich deckt man die Spalten, wo die Tragflächen am Rumpf befestigt sind, mit Klebeband ab, aber das machen alle Piloten. Nach jedem Einsatz muss man das Flugzeug auch putzen, also von Staub und Insekten befreien. Der Schmutz kann die Leistungsfähigkeit sehr beeinträchtigen.

Wie groß ist der Leistungsunterschied zwischen erster und zweiter Liga?

Das kann ich schwer beurteilen, ehrlich gesagt. Aber der Verein hat vier Jahre gebraucht, um wieder in die erste Liga zurückzukehren. Das zeigt schon, wie hoch das Niveau ist. Wir werden uns im Oberhaus auf jeden Fall anstrengen müssen.

Steckbrief Tilman Kühner

Geburtstag: 29. Juli 1989
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Karlsruhe
Familienstand: ledig
Beruf: wissenschaftlicher Mitarbeiter (Uni Karlsruhe, Maschinenbau)
Hobbys: Segelfliegen, Volleyball
Bisherige Stationen: SFC Schwäbisch Hall (seit 2005)
Größte sportliche Erfolge: Aufstieg in die erste Liga (2018)

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