Schach SK Hall zeigt zwei Gesichter

Jean-Pierre Le Roux (Hall, links) verliert gegen den früheren U-16-Weltmeister Roven Vogel.
Jean-Pierre Le Roux (Hall, links) verliert gegen den früheren U-16-Weltmeister Roven Vogel. © Foto: Frank Zeller
Deizisau / Frank Zeller 28.02.2018

 Premiere in Deizisau: Halls Reisepartner trug sein erstes Heimspiel aus. Der Aufsteiger vom Neckar gilt als „Farmteam“ des deutschen Meisters Baden-Baden, weil er denselben Sponsor aufweist (Grenke-Leasing). Deizisau gibt jungen deutschen Talenten eine Chance, sich in der Bundesliga mit veritablen Großmeistern zu messen, und gehört mittlerweile schon zu den besten Teams in der Liga. Deizis­au und Hall trafen überkreuz auf Berlin und Dresden.

Die Haller bekamen es zunächst mit den Hauptstädtern zu tun. Diese verzichteten ganz auf ausländische Profis und traten größtenteils mit Ersatzspielern an, während die Sachsen so ziemlich ihr bestmögliches Team ans Brett brachten. Somit lag die Favoritenrolle gegen Berlin auf Haller Seite.

Jakovenko spielt stark

Dieses Match wurde dann auch zu einer deutlichen Angelegenheit. Kein Haller Spieler kam in Gefahr, während sich schnell an einigen Brettern Vorteile abzeichneten. Am Spitzenbrett zeigte Weltklassespieler Dmitri Jakovenko seine besondere Stärke: Der russische Nationalspieler übernahm trotz der schwarzen Steine die Initiative mit dem Opfer eines Bauern am Brettrand, und spielte den deutschen Großmeister Martin Krämer schwindlig.

Einen anderen Stil pflegte Halls Viktor Laznicka an Brett zwei: Der Tscheche, der dieses Jahr als Einziger alle Ligaspiele bestritt und zugleich Topscorer im Haller Team ist, zog seinen Gegner in langsamer Manier im Endspiel über den Tisch. Auch Peter Michalik und Anthony Wirig zeigten denselben Ansatz: Sie sammelten kleine Vorteile an und brachten langsam, aber stetig den Sieg unter Dach und Fach.

Wirkte alles noch souverän, entwickelten sich die Dinge tags darauf gegen Dresden andersherum. Die Sachsen hatten die deutsche Nummer eins der Männer, Liviu-Dieter Nisipeanu, sowie die deutsche Nummer eins der Frauen, Elisabeth Pähtz, aufgestellt. Hinzu kam mit dem früheren U-16-Weltmeister Roven Vogel einer der besten deutschen Jugendlichen.

Laznicka gerät in Bedrängnis

An manchen Brettern bekamen die Haller schon aus der Eröffnung heraus Probleme. So wollte Jean-Pierre Le Roux seinen jugendlichen Gegner Vogel überraschen, doch dieser ließ sich nicht irritieren, sondern deckte die Nachteile dieser Spielweise auf. Bald geriet der Franzose in Haller Diensten ins Hintertreffen und konnte die Partie nicht halten.

Als dann auch noch der sonst so umsichtige Laznicka gegen Nisipeanu immer mehr in Bedrängnis geriet und Michalik gegen Pähtz ein Remis zulassen musste, sprach die Tendenz klar gegen Hall.

Die letzte Hoffnung, eine Wende herbeizuführen, lag bei Frank Zeller, dessen Stellung vielversprechend aussah. Doch mittlerweile wurde die Partie immer komplizierter, während bei beiden Kontrahenten die Zeit auf der Uhr runtertickte und das Geschehen hektischer wurde. In der angespannten Situation opferte Zeller seine Dame, um im Angriff gewinnen zu können, doch das erwies sich als zu riskant. Sein Gegner Jens-Uwe Maiwald entdeckte das Loch in der Kombination und kam zur Gegenattacke. Zeller musste resignieren, damit war der Mannschaftskampf entschieden.

Dass es beim Schach immer auch auf die Tagesform ankommt, zeigten die Parallelspiele von Gastgeber Deizisau: Überraschenderweise endeten diese gerade anders herum als bei Hall: Die Hausherren schlugen sicher die starken Dresdner, verloren dann aber völlig unerwartet gegen die ersatzgeschwächten Berliner. Der SK Schwäbisch Hall bleibt nach 11 von 15 Runden damit auf Rang 7 im Verfolgerfeld, wird es aber sehr schwer haben, nun noch unter die ersten fünf vorzudringen.

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