Mittlerweile ist der Empfang im Rathaus für die Schwäbisch Hall Unicorns eine lieb gewonnene Tradition. Seit 2011 sind sie zum achten Mal dort. Die Stimmung ist ungezwungen, selbst Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim verzichtet auf allzu förmliche Kleidung, trägt unter seinem Jacket ein grünes Unicorns-Shirt. Auf dem Marktplatz genießen rund 1200 Fans die Abendsonne, das Freibier und die Ein-Euro-Würste. Besseres Wetter gab es bei einem Unicorns-Empfang noch nie. Doch eine bessere Stimmung, vor allem bei den Spielern, sehr wohl.

„Was kann man sagen, ohne in ein Fettnäpfchen zu treten?“, beginnt Hermann-Josef Pelgrim seine kurze Ansprache. Die Enttäuschung über den verpassten Titel ist auch gestern noch Spielern, Trainern und Betreuern anzumerken. Trotz des 7:10 gegen Braunschweig sei die Saison der Unicorns aber stark verlaufen, „deshalb Dank und Glückwunsch“. Und dann sorgt Hermann-Josef Pelgrim für ein Raunen sowohl im Ratssaal als auch auf dem Marktplatz, wo die Fans die Rede via Übertragung mitverfolgen. „Es hat ein Quäntchen Glück gefehlt. An der Defense jedenfalls hat es nicht gelegen.“

Nach dem Raunen folgt ein Lachen, wissen doch alle Beteiligten, dass Pelgrim damit nicht falsch liegt. Dieser schließt seine Worte mit der Bedeutung der Unicorns für Schwäbisch Hall. „Sie haben es mittlerweile geschafft, das Image der Stadt mit dem American Football so zu verknüpfen, dass daraus wieder etwas Neues entwickelt werden kann.“

Dass die Unicorns Botschafter der Stadt Schwäbisch Hall sind, ist keine Frage mehr. Das ist in Deutschland etwas Besonderes, dessen sind sich die Unicorns bewusst. „Wir stellen eine Ausnahme dar“, unterstreicht Center Moritz Schreiber. Die Unterstützung der Fans sei auch beim Finale in Frankfurt grandios gewesen, betonen Headcoach Jordan Neuman und Vorstand Jürgen Gehrke gleichermaßen. Letzterer berichtet davon, dass er heute noch mit Vertretern der Braunschweig Lions gesprochen hätte. Die hätten nach dem gegen Hall verlorenen Finale 2017 auch eine Feier im Stadion gemacht. „Da sind 300 Leute gekommen, das interessiert da kaum jemanden.“

Badetasche als Geschenk

Der Empfang ist vergleichsweise kurz, schließlich kann die Mannschaft diesmal nicht den Pokal präsentieren. „Die vergangenen 24 Stunden waren sehr schwierig, für uns alle“, berichtet Jordan Neuman. Denn allen ist bewusst, dass sie die Chance auf den dritten Meistertitel in Folge hatten. Der Grundtenor: „Wir haben es selbst vermasselt.“

Dann erklärt Jordan Neuman, warum dieser Empfang dennoch außergewöhnlich ist. „In den vergangenen beiden Jahren hatten wir den Pokal dabei. Da haben wir den Fans sozusagen etwas mitgebracht. Diesmal aber sind die Menschen gekommen, um uns etwas zu geben. Das tut der Seele gut.

Nach Pokalen und Badehandtüchern in den vergangenen Jahren hat die Stadt diesmal eine Badetasche als Geschenk organisiert. Vorne ist das Einhorn-Emblem der Unicorns aufgestickt. „Wir hoffen auf eine weitere tolle Saison“, gibt Hermann-Josef Pelgrim den Unicorns mit auf den Weg. Jordan Neuman verspricht, „dass wir uns im nächsten Jahr hier wiedersehen“.

Die Unicorns mischen sich im Anschluss unter die Fans, geben Autogramme. Auf der Leinwand sind die von Sven Löffler über Nacht zusammengestellten Höhepunkte der Saison und des Finals zu sehen.

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Bonn/Crailsheim