Schach  Schachdamen bleiben auf Titelkurs

Sabrina Vega Gutierrez grübelt über den nächsten Zug in der Partie gegen Leipzig. Die Schachdamen der SK Hall haben in der Bundesliga die Tabellenführung verteidigt.
Sabrina Vega Gutierrez grübelt über den nächsten Zug in der Partie gegen Leipzig. Die Schachdamen der SK Hall haben in der Bundesliga die Tabellenführung verteidigt. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 19.02.2018

Das Fußballfeld im Optima-Sportpark liegt unter einer Schneedecke. Für die weiße Pracht haben die Spielerinnen heute aber keinen Blick. „Es herrscht perfektes Schachwetter“, sagt Thomas Marschner mit einem Schmunzeln in der Business-Lounge des Stadions. Marschner betreut zusammen mit Gregor Krenedics und Mario Meinel das Damen-Bundesligateams des SK Schwäbisch Hall. Der amtierende deutsche Meister ist in dieser Saison auf dem Weg zur Titelverteidigung. Am Samstagnachmittag haben sich die Hallerinnen gegen die Schachmiezen Rodewisch einen 4:2-Sieg erkämpft. Am Sonntag folgt ein souveränes 5,5:0,5 gegen Leipzig.

Es herrscht eine konzentrierte Atmosphäre in der Buisness-Lounge. Rund 20 Kiebitze, zum Großteil ältere Herren, spicken auf die zwölf Bretter, die im Raum stehen. Parallel zum Duell zwischen Hall und Rodewisch spielen die Mannschaften Deizisau und Leipzig im Optima-Sportpark. Die Deizisauer Spielerin Simona Gheng hat Glück, als sie erst 25 Minuten nach Spielbeginn eintrifft. „Nach 30 Minuten hätte sie das Spiel automatisch verloren“, klärt Marschner auf.

Der SK Hall hat für den Doppelspieltag wieder eine gut besetzte Aufstellung aufgeboten. An Tisch 1 zieht Ekaterina Atalik für den SK Hall die Figuren. Die gebürtige Russin, die mittlerweile für den türkischen Verband startet, hat mit der Rodewischer Spitzenspielerin Anastasia Bodnaruk eine Gegnerin auf Augenhöhe: Mit Atalik und Bodnaruk treffen dort die Weltranglisten 28. und die 38. aufeinander. Etwas besser platziert ist sogar Halls Nummer 2. Alina Kashlinskaya steht weltweit auf Position 26. Mit Deimante Cornette (Litauen) an Tisch 3 und der Spanierin Sabrina Vega Gutierrez an Brett 4 hat der SK noch zwei weitere Spielerinnen aus den Top 50 in seinen Reihen. Zudem sind auch Karina Ambartsumova (Russland) und Iva Videnova (Bulgarien) an den hinteren Brettern leicht favorisiert.

Münze als Glücksbringer

Keine Miene verzieht Iva Videnova in ihrer Partie gegen die Tschechin Magdalena Miturova. „Iva war im Krankenhaus. Eine Sehnenverletzung im Arm macht ihr zu schaffen“, erzählt Mario Meinel. Am Ende muss Videnova eine Niederlage hinnehmen, sodass Hall mit 0:1 in Rückstand gerät.

Die Führung für die Gäste aus Sachsen währt aber nicht lange. Zunächst verteidigt sich Ambartsumova lange Zeit geschickt gegen Martina Korenova. Schon früh gerät Ambartsumova zwar in Zeitnot. In der Endphase des Spiels wippen beide Spielerinnen jeweils mit einem Fuß auf dem Boden, um die Anspannung abzubauen. Die Zuschauertraube wird an diesem Tisch größer, jeder ist gespannt, welche Züge die beiden als nächstes wählen. Trotz des turbulenten Verlaufs und der knappen Zeit behält Ambartsumova als geübte Blitzschachspielerin die Nerven und holt sich am Ende den Sieg. „Vielleicht hat ihr auch der Talisman geholfen“, sagt Mario Meinel. Ambartsumova trägt eine alte chinesische Münze von Meinels Vater bei sich.

Für den zweiten Haller Punkt sorgt Alina Kashlinskaya an Tisch 2. Die Russin gewinnt souverän gegen die Polin Joanna Majdan-Gajewski. Sabrina Vega Gutierrez erspielt gegen Melanie Lubbe das 3:1 für Hall. „Ich habe einen Fehler mit dem Pferd gemacht. Da haben meine Berechnungen nicht gestimmt. Meine Intuition hat mir auch von diesem Zug abgeraten. Aber am Ende bin ich froh, dass ich gewonnen habe“, sagt Vega Gutierrez. „Alle in der Bundesliga spielen komplexe Stellungen, das Niveau ist sehr hoch“, sagt die amtierende spanische Meisterin, die von der Insel Gran Canaria stammt.

Cornette spielt fünf Stunden

Spannung kommt noch einmal auf, als Ekaterina Atalik ihrer Gegnerin Bodnaruk gratulieren muss und die Rodewischer Schachmiezen auf 2:3 verkürzen. Die Entscheidung fällt daher an Tisch 3, wo Deimante Cornette gegen die Österreicherin Regina Theissl-Pokorna schon ein Remis reicht, um den Haller Sieg Gesamtsieg perfekt zu machen. Alle Augen, auch die der Haller Teambetreuer, richten sich nun auf dieses Brett. Nach fünf Stunden Spielzeit holt Cornette nach einer schwierigen Partie sogar noch den Sieg zur Erleichterung der Haller Mannschaftsleitung.

Das Duell gegen Allianz Leipzig verläuft am Sonntag nervenschonender. Mit 5,5:0:5 setzen sich die Hallerinnen in der gleichen Besetzung wie am Vortag durch. Lediglich Sabrina Vega Gutierrez spielt Remis. Nach diesen beiden Siegen wird ein „Endspiel“ um die deutsche Meisterschaft gegen den Tabellenzweiten Baden-Baden immer wahrscheinlicher. Nur ein Punkt trennt die Teams in der Tabelle. Das direkte Duell steigt am 25. März in Schwäbisch Hall.