Frisches Obst und ein bisschen Porridge, mehr möchte Jonas Koch am gestrigen Montag nicht frühstücken. „Man muss auch seinem Magen mal Ruhe gönnen“, sagt der in Schwäbisch Hall geborene Radprofi. Nach neun harten Etappen haben Koch und seine 165 Mitstreiter einen Ruhetag bei der Spanien-Rundfahrt. Die „Vuelta a España“ zählt neben der Tour de France und dem Giro d’Italia zu den drei großen Rundfahrten, die sich über drei Wochen erstrecken. Die Schlussetappe der Vuelta ist am 15. September in Madrid.

An einem normalen Renntag muss Koch viele Kohlenhydrate zu sich nehmen, um den Energiebedarf von bis zu 8000 Kalorien pro Etappe zu decken. Die Radsportler essen daher viel, meist mehrere Portionen Nudeln am Tag. „Ich bevorzuge aber Reis“, sagt Koch, der wie alle anderen darauf achten muss, sich nicht zu „überessen“, weil das den Organismus dann überlastet.

„Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, sagt der 26-Jährige mit einem Lächeln. Nach zwei harten Bergetappen kommt allen Fahrern die Pause gelegen. Das Ziel am vergangenen Sonntag, Cortals d‘Encamp in Andorra, lag auf 2000 Meter Höhe. „Ich konnte zwar Kräfte sparen, weil ich im Gruppetto war, aber ich musste ja trotzdem den Berg noch hochfahren“, erzählt Koch. Unterwegs habe es sogar kurz gehagelt, im Gegensatz zum Beginn der Rundfahrt, als es mit mehr als 30 Grad sehr warm war.

Pause in Lourdes

Den gestrigen Ruhetag verbrachten die Radprofis nicht in Spanien, weil die Vuelta einen Abstecher ins Nachbarland macht. Die Fahrer legten eine Pause im südfranzösischen Lourdes ein, bevor heute das Einzelzeitfahren von Jurançon nach Pau ansteht. Gibt es dann einen Schluck des geweihten Wassers im Wallfahrtsort? Koch lächelt. „Mal sehen. Wir werden uns aber schon Zeit nehmen, Lourdes anzuschauen.“ Dennoch geht es selbst am Ruhetag rauf aufs Rad, rund eine Stunde in „lockerem Tempo“.

Schwäbisch Hall

Jonas Koch, der in seinem ersten Lebensjahr mit seinen Eltern von Schwäbisch Hall wieder in seine Heimatstadt Rottweil gezogen ist, fährt für das CCC-Team. Der namensgebende Hauptsponsor ist ein polnischer Schuh- und Taschenhersteller. Bislang gehörte die Mannschaft zur zweiten Kategorie. Jedoch fusionierte Kochs Mannschaft mit dem BMC-Team aus den USA, das eine Erste-Kategorie-Lizenz für die World Tour besaß. Daher fährt Koch nun in einem Team der ersten Kategorie, welches automatisch garantierte Startplätze zum Beispiel bei den großen Rundfahrten und den Eintagesklassikern erhält. „Das war auch für mich eine Veränderung“, sagt Koch. Die Professionalität in einem Spitzenteam sei noch größer. „Zum Beispiel haben wir hier bei der Vuelta einen Koch dabei. Da weiß ich, dass es mit dem Essen alles sicher klappt“, beschreibt Jonas Koch.

Vier Wochen vor Beginn der Vuelta hat Jonas Koch erfahren, dass er für die Spanien-Rundfahrt nominiert wird. Zum ersten Mal fährt er bei einer dreiwöchigen Tour mit, die in der ganzen Welt auf Interesse stößt. „Vom Niveau her ist es vergleichbar mit anderen Rennen, die ich schon gefahren bin, wie das Criterium du Dauphiné. Aber man merkt, dass hier taktischer gefahren wird.“ Die Teams achten darauf, dass bei einer Bergetappe ihre Gesamtklassementfahrer unterstützt werden, oder bei einer Flachetappe die Sprinter.

Auf Etappensiege aus

Da der Kapitän des CCC-Teams, der Spanier Victor de la Parte, nach einem Sturz aufgeben musste, hat die Mannschaft keinen Mann mehr für eine Top-Platzierung in der Gesamtwertung. Daher wird Jonas Koch auf einzelne Tagessiege aus sein. Etappe 12 und 14 in dieser Woche hat er im Blick. „Das sind mittelschwere Abschnitte, die mir entgegenkommen. Aber man muss auch die richtige Ausreißergruppe erwischen.“ Koch selbst liegt im Gesamtklassement auf Rang 76.

Und wer gewinnt die Vuelta am Ende? Die ersten vier mit Nairo Quintana (Kolumbien), Primoz Roglic (Slowenien) Miguel Angel Lopez (Kolumbien) und Alejandro Valverde (Spanien) liegen nur 20 Sekunden auseinander. „Ich tippe auf Roglic, weil er von diesen vier im Zeitfahren der Stärkste ist und bislang am effektivsten gefahren ist“, glaubt Koch. Mal sehen, ob der gebürtige Schwäbisch Haller damit recht behält und bis zum Ende der Rundfahrt einen Etappensieg erringen kann. Es wäre der größte Erfolg seiner Karriere.

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