Pferde ziehen viele Menschen magisch an. Am Wochenende konnte man auf der Anlage des Haller RFV (Reit- und Fahrverein) wieder hunderte Reitsportbegeisterte beobachten, wie sie über Pferde fachsimpeln. Mal für eine halbe Stunde beim Springen, dann wieder bei der Dressur. Manche schaffen es sogar noch kurz, einen Blick auf den großen Flachbildschirm neben der Meldestelle zu werfen und den Spielstand bei der Fußball-EM zu erhaschen.

Die Bedingungen unterscheiden sich an jedem der drei Tage erheblich. Am Freitag liegt brütende Hitze über der Reitanlage. Aber nur wenige Sportler, vorwiegend mit jungen Pferden, sagen deshalb ab. Für alle anderen hat der RFV einen Abspritzplatz eingerichtet, auf dem die Pferde (und manche Reiter) sich mit Wasser abkühlen. Um die Tiere zu schonen, finden die Siegerehrungen ohne Pferde statt.

Die Prüfungen am Samstagnachmittag sind vom sich ständig verstärkenden Wind beeinflusst. Kurz vor 17 Uhr fallen dann die ersten Hindernisse im Springparcours um. „Das hat es so noch nicht gegeben“, wundert sich Thomas Fellner vom Organisationsteam, der auf der Meldestelle Dienst schiebt. „Wir sind die Anlaufstelle für alles – zum Beispiel, wenn es Verschiebungen im Terminplan gibt.“ Doch die vier Mitglieder des RFVs müssen sich auch um Außergewöhnliches kümmern. Aufgrund der teils starken Regenfälle müssen Autos und LKW aus den sumpfigen Parkplatz-Wiesen herausgezogen werden.

Pferd Donnersberg 6 zeigt Angst im Dressurviereck

Am Sonntagnachmittag ist die Reithalle gut gefüllt. 80 Zuschauer beobachten gespannt, wie sich Sabine Klenk geborene Reber in der Dressur M** schlagen wird. Ihr Pferd Donnersberg 6 macht seine Sache gut, nur wenige Fehler führen bei den drei Preisrichtern zu Abzügen. „Das Pferd ist nicht einfach. Donnersberg hat oft furchtbare Angst“, sagt Klenk, nachdem sie auf Platz 5 gelistet wird. „Im vergangenen Jahr lief es in Hall überhaupt nicht.“ Die gebürtige Hallerin lächelt: „Ich bin gespannt, wann er mal gelassen außen herum gehen wird.“ Damit meint sie, wann es Donnersberg schaffen wird, sich gelassen im Dressurviereck zu bewegen. Klenk ist Betriebsleiterin im Ludwigsburger Reitverein. Ihre Familienangehörigen aus Gailenkirchen und Umgebung nutzen den Heimatbesuch der Tochter beziehungsweise Schwester zu einem kurzen Plausch. Klenk hat das Reiten im RFV Hall gelernt, nun lebt sie bei Neuenstein.

Schmerzlich vermisst haben viele Pferdesportfans einen weiteren Lokalmatador: Bernd Hohl hatte sich vor längerer Zeit erneut am Rücken verletzt und konnte nicht starten. Dafür macht eine andere Hallerin ihre Sache gut. Regina Nefzer verpasst am Samstag als Zweite den Sieg in der M*-Dressur auf „First Choice“ nur knapp. Ihre Tochter Janna reitet ebenfalls auf diesem Pferd und wird in der Dressur A** Dritte, in der Klasse L wird sie Fünfte.