Moment mal, bitte! Nick Kinstler startet in die Ringer-Saison

Nick Kinstler ringt für den ASV Schwäbisch Hall. Zusammen mit Wüstenrot wollen die Haller in der Landesliga wieder eine gute Rolle spielen. Die Saison beginnt am Samstag.
Nick Kinstler ringt für den ASV Schwäbisch Hall. Zusammen mit Wüstenrot wollen die Haller in der Landesliga wieder eine gute Rolle spielen. Die Saison beginnt am Samstag. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 08.09.2018

Der 19-jährige Nick Kinstler bereitet sich intensiv auf die Landesliga-Saison vor, die für den ASV Schwäbisch Hall an diesem Samstag mit einem Auswärtskampf in Winzeln beginnt. Kinstler spricht im Interview über seine lange Kampfpause und worauf er nur schwer verzichten kann.

Herr Kinstler, dieses Wochenende startet die Landesliga-Saison. Merkt man die Vorfreude schon im Training?

Nick Kinstler: Ja, die Spannung steigt jetzt langsam an, vor allem bei mir, weil ich zwei Jahre lang nicht dabei war. Da ist man schon etwas nervöser.

Warum haben Sie eine so lange Pause eingelegt?

Ich habe leider eine Hautkrankheit bekommen, weswegen ich zwei, drei Monate aussetzen musste. Und danach hat es sich so ergeben. Die Lust ist einfach verloren gegangen.

Und warum stehen Sie jetzt wieder auf der Matte?

Ich habe daran gedacht, wie es wäre, wenn ich wieder anfangen würde. Die Motivation war dann wieder da. Das Ringen hat mir in der Pause schon gefehlt. Ich habe es vor allem körperlich gemerkt. Ich war nicht mehr so gut in Form. Auch die Ausdauer war nicht mehr so da. Als Karosseriebauer brauche ich auch in meinem Beruf körperliche Stärke, wenn man zum Beispiel eine Heckklappe oder eine Autotür einbaut.

Wie war das erste Training nach einer zweijährigen Auszeit?

Die Ausdauer war komplett weg. Auch die Stellung war nicht mehr so da, der Rücken hat angefangen zu schmerzen, weil ich die gebeugte Grundhaltung nicht mehr gewohnt war. Und die schnellen Bewegungen musste ich mir wieder aneignen.

Haben Sie sich die Rückkehr einfacher oder schwerer vorgestellt?

Auf jeden Fall einfacher (lacht). Ich habe wirklich kämpfen müssen, den Anschluss wieder zu finden. Aber an das erneute Aufhören habe ich nicht gedacht.

Welchen Stil bevorzugen Sie, Freistil oder griechisch-römisch?

Weil ich mit 1,70 Meter zu den kleineren Kämpfern zähle, mag ich Freistil mehr. Ich mag es auch mehr, mit den Beinen zu arbeiten. Ich komme eben mehr über die Technik als über die Kraft. In der Saison werde ich wahrscheinlich schon im Freistil eingesetzt. Aber wenn jemand ausfällt in einer Gewichtsklasse bei griechisch-römisch, dann kann es sein, dass ich dort kämpfe.

Haben Sie sich ein persönliches Ziel gesetzt in der neuen Landesliga-Saison?

Ich will mein Bestes geben. In meiner ersten Runde nach der Pause muss ich mich erst wieder reinfinden. Wir werden sehen, was kommt.

Manche Ringer müssen bis zum Kampftag noch ihr Gewicht reduzieren, damit sie das Limit einhalten. Wie schafft man das innerhalb einer kurzen Zeit?

Normalerweise sollte man das nicht in einer kurzen Zeit machen. Besser ist es, wenn man bewusst schon ein paar Wochen vorher damit anfängt. Es gibt zum Beispiel die Gewichtsklassen 75 Kilo und 80 Kilo. Wenn ich jetzt 77 Kilo wiege, dann ist es klüger, auf 75 Kilo abzunehmen. Zum einen wiegen die Gegner auch weniger und wenn man leichter ist, dann ist man auch beweglicher. Wenn man mit 77 Kilo in der Gewichtsklasse 80 antreten muss, dann sind die Gegner meistens schwerer und man ist im Nachteil.

Worauf müssen Sie verzichten, wenn sie abnehmen müssen?

Süßigkeiten und süße Getränke wie Fanta oder Cola.

Fällt das schwer?

Manchmal schon. Bei sind es die Energydrinks (lächelt). Bei den Süßigkeiten geht´s. Aber nach dem Kampf, also nach dem Abwiegen, geht man meistens noch zu McDonalds oder einen Döner essen (lacht). Dann ist so was wieder drin.

Wie behalten Sie einen kühlen Kopf bei ihren Kämpfen? Meistens herrscht ja eine hitzige Atmosphäre in der Halle …

Ich atme die ganze Zeit tief durch. Man atmet sowieso wie ein Stier während des Kampfes, deswegen bekommt man das, was außen passiert, gar nicht mit. Nur wenn mein Trainer Woldemar Wolf reinschreit, dass höre ich dann doch während des Kampfes, weil er meistens der Lauteste in der Halle ist.

Wer wird Sie bei den Heimkämpfen im Publikum unterstützen?

Meine Freundin und meine Eltern werden bestimmt immer da sein. Auch meine Kumpels haben vor, sich mal ein paar Kämpfe anzuschauen.

Stammen Sie aus einer Ringerfamilie?

Nein, ganz und gar nicht. Aber meine Brüder Alex (16) und Kevin (15) ringen auch so wie ich seit 2010 beim ASV. Beide werden auch in dieser Saison für Hall ringen, Alex in der zweiten Mannschaft und Kevin soll in der ersten eingesetzt werden.

Zur neuen Saison sind die Regeln geändert worden. Vor allem das „negative Ringen“ steht jetzt im Mittelpunkt. Wie finden Sie die Regeländerung?

Als ich damals noch gerungen habe, konnte man eher noch den Gegner auf Abstand halten. Dann hat der Schiedsrichter noch nicht so schnell was gesagt. Aber wenn man jetzt mal 20 Sekunden nichts macht, dann wird man schon vorgewarnt. Wir achten im Training jetzt darauf, dass wir die neuen Regeln einhalten. Unser Trainer weist uns jetzt mehr an, aktiver zu sein und Angriffe auszuführen. Aber generell finde ich die Regeländerung nicht so gut. Ich finde, jeder sollte so kämpfen, wie er möchte.

Steckbrief Nick Kinstler

Geburtstag: 25. Januar 1999
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Hessental
Familienstand: ledig
Beruf: Karosseriebauer
Hobbys: Ringen, Schwimmen, Fußball
Bisherige Stationen: ASV Hall seit 2011 (Pause von 2016 bis 2018)
Größte sportliche Erfolge: Fünfter deutsche Meisterschaft B-Jugend (2013), Neunter deutsche Meisterschaft A-Jugend (2014)

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