Schach Matlakow postiert Läufer ins Nirgendwo – und nimmt Remis an

Matthieu Cornette (links) grübelt über die Stellung auf dem Brett. Der Franzose im Dienst des SK Hall spielt gegen den Trierer Benjamin Gledura Remis.
Matthieu Cornette (links) grübelt über die Stellung auf dem Brett. Der Franzose im Dienst des SK Hall spielt gegen den Trierer Benjamin Gledura Remis. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Frank Zeller 19.10.2016
Bei den beiden Auftaktspielen der neuen Saison bleiben die Haller Spieler unbesiegt. Dennoch muss der SK gegen Trier einen Punkt abgeben.

Eine spannende Frage war, ob Wassily Iwantschuk zum Bundesligaauftakt in Hall auflaufen würde. Der Ukrainer gehört seit einem Vierteljahrhundert zu den Besten seiner Zunft, gilt als launisches Genie. Doch ihr Star blieb fern, dafür traten die Trierer, bei denen Iwantschuk die Liste anführt, ansonsten in Bestbesetzung auf. Da bei Hall ebenfalls einige Weltklassespieler fehlten, lagen beide Mannschaften auf Augenhöhe. Das 4:4 ist ein Resultat, mit dem Hall zufrieden in die Saison starten konnte.

Auch die Aachener verzichteten auf ihre neuen Aushängeschilder wie den peruanischen Biobauern Julio Granda Zuniga, und traten mit der Truppe an, die den Aufstieg aus der 2. Bundesliga West geschafft hatte. Nominell war Hall an jedem Brett überlegen, doch lange Zeit verliefen die Partien sehr ausgewogen. Nach hartem Kampf gewann Hall mit 5:3.

Ein Neuzugang bei Hall präsentierte sich am Spitzenbrett: Der 25-jährige russische Großmeister Maxim Matlakow hat bereits einen Weltmeistertitel aufzuweisen: den der Junioren 2009. Matthias Womacka war im internationalen Haller Team diesmal der einzige Deutsche.

Maxim Matlakow verblüfft

Im Auftaktspiel gegen die Trierer war die Anspannung zu spüren. Die Haller Truppe legte ihre Spiele solide an, ging kein unnötiges Risiko. Selbiges traf auch auf die Trierer zu, weshalb sich in einigen Partien die Gegner bald neutralisierten und die Spiele unentschieden endeten. Spitzenspieler Matlakow gab sich zunächst kämpferisch, verblüffte zwischendurch, indem er seinen Läufer auf ein perspektivloses Feld abstellte, und nahm dann  das Remisangebot seines Gegners an, bevor es zu zweischneidig geworden wäre.

Auch nachdem immer mehr Partien unentschieden endeten, durfte Hall auf den Sieg hoffen: Womacka stand besser, während es sich bei Matthieu Cornette, dem aktuellen französischen Meister, immer mehr zuspitzte. Cornette, seit Jahren Haller Stammspieler, kam dem Sieg sehr nahe. Doch in beiderseitiger Zeitnot wählte er anstatt des Gewinnzuges eine Abwicklung, in der sich sein Gegner, der hoffnungsvolle ungarische Nachwuchsspieler Benjamin Gledura, ins Dauerschach retten konnte. Cornette ärgerte sich. Auch Womacka musste sich in der 6. Stunde ins Remis fügen, wonach alle acht Partien unentschieden endeten – eine Seltenheit.

Am Sonntag gegen Aachen wirkten die Haller Spieler entschlossener, legten die Partien schon deutlich riskanter an. Doch der Aufsteiger hielt gegen. Zwischendurch war nicht abzusehen, zu welcher Seite das Pendel ausschlagen würde. Erleichterung unter den Haller Fans machte sich breit, als Peter Michalik endlich den ersten Sieg für die Gastgeber einfuhr. Wichtig war zudem, dass Pavel Zpevak seine leicht schlechtere Stellung hielt. Trotz großer Zeitnot rettete der Senior des Teams den halben Punkt, und das gegen den jüngsten Spieler des Wochenendes: Der 14-jährige Italiener Edoardo di Benedetto ist einer der jüngsten Spieler, die jemals in der Bundesliga zum Einsatz kamen.

Nach vier Stunden Spielzeit war der Mannschaftssieg so gut wie gesichert. Einem zweiten Prager, Viktor Laznicka, gelang die Entscheidung zugunsten Halls. Damit liegt Hall auf dem 5. Platz in Tuchfühlung zur Spitze.

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