„Gute Frage, aber die kann ich nicht beantworten.“ Es passiert sehr selten, dass Erich Quenzer etwas aus seinem Fachbereich Leichtathletik nicht weiß. Der 64-Jährige trainierte bis 1998 die Läufer des TSV Crailsheim, wechselte dann zur TSG Schwäbisch Hall, wo er auch heute noch tätig ist. Das Laufen auf Wettkampfniveau ist seine Leidenschaft. Natürlich kennt er auch das Walking. Aber wann er diesen Begriff zum ersten Mal bewusst wahrgenommen hat, da muss er passen.

Früher habe man vom Gehen gesprochen, „aber im sportlichen Sinne“. Diese Art des Wettkampfs ist heute medial höchstens noch bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Sommerspielen präsent. Dabei sehen die Sportler so aus, als watschelten sie durch die Gegend. In der Realität aber sind sie schnell unterwegs. Das Entscheidende: Ein Fuß muss immer den Boden berühren, sonst drohen Verwarnungen, im schlimmsten Falle folgt die Disqualifikation.

Walking und Gehen sind nicht dasselbe

Gehen und Walking sind also nicht dasselbe. „Walking ist im Gesundheitssport sinnvoll“, meint Erich Quenzer. Er arbeitet an der Sportschule Waldenburg, wo es auch Angebote im Nordic Walking – also Walking mit Stöcken – gibt. Dass es nun bei Lauf geht’s auch Walking-Angebote gibt, hält er für passend. Natürlich gibt es auch wieder die klassischen Lauf-Angebote für Anfänger, Wiedereinsteiger und schnellere Läufer. Das Ziel ist es, nach einem halben Jahr einen Halbmarathon (knapp 21,1 Kilometer) absolvieren zu können.

Quenzer selbst war im vergangenen Jahr der „Headcoach“ der Schwäbisch Haller Lauf-geht’s-Gruppe. Was ihm dabei aufgefallen ist, war die Konsequenz, mit der die Teilnehmer an die Sache gingen. Jeder habe im Rahmen seiner Möglichkeiten an sich gearbeitet. Das könne man nicht verordnen. „So etwas muss aus einem selbst kommen.“ Die Stabilitätsübungen zu Beginn einer jeden Einheit seien enorm wichtig, denn die Technik des Laufens sei speziell. „Natürlich gibt es Naturtalente, die so etwas sehr leicht adaptieren. Aber die Technik muss man tatsächlich lernen. Wer schneller läuft, läuft vorne auf dem Fußballen.“ Und dennoch gebe es große individuelle Unterschiede, wenn man die Läufer betrachtet. Die richtige Technik ist für wettkampforientierte Läufer unabdingbar, aber auch Hobbyläufer tun sich einen Gefallen, wenn sie diese anwenden.

Was Erich Quenzer heutzutage seinen Schützlingen lehrt, hat er in seinen Lauf­anfängen nicht erfahren. Er sei relativ spät über Freunde zur Leichtathletik gekommen. „Da war ich bereits 16. Auf das Alter abgestimmte Trainingsinhalte gab es nicht. Der Begriff Kinderleichtathletik existierte weder als Wort noch als Inhalt“, blickt er zurück. Er musste beim Dauerlauf mit der Gruppe mithalten. Und „müssen“ war durchaus wörtlich gemeint. „Ich kannte die Strecken im Wald nicht, musste also Anschluss halten, um mich nicht zu verlaufen“, erinnert er sich und muss dabei auch etwas lächeln. „Im Grunde hieß es damals: Friss, Vogel, oder stirb.“

Hinweise habe er höchstens zum Bereich des Atmens erhalten. „Eine Lauftechnik gab es nicht, wenn überhaupt, dann gab es etwas für Sprinter.“ Das sogenannte Lauf-ABC sei ursprünglich ein Sprint-ABC gewesen. „Irgendwann hat man das für den Laufbereich übernommen.“ Skippings gehören beispielsweise dazu. Dabei handelt es sich um Fußgelenksarbeit. Ansonsten habe man mit der Hand den Puls gemessen. Heutzutage gibt es viele kleine elektronische Helfer auch für den Hobbyläufer, damit sie nicht überpowern.

Technik ist das eine, aber jeder Läufer müsse sich auch selbst motivieren. Das betrifft sowohl den Freizeit- als auch den Wettkampfläufer. Erich Quenzer verweist auf Christian Döring. Dieser sei der beste Athlet hinsichtlich der Motivation.

„Früher war er ein ordentlicher Läufer, aber fast schon so etwas wie das fünfte Rad am Wagen im Vergleich zu Florian Bader oder Timo Trakis. Aber er ist immer drangeblieben und hat sich letztlich selbst belohnt“, lobt er seinen Schützling.

Info-Vorträge zur Aktion Lauf geht’s


Lauf geht’s gibt es an den Standorten Schwäbisch Hall, Crailsheim und Gaildorf. Gemeinsam trainiert wird jeweils zum Abschluss einer Trainingswoche im Lauftreff (in Schwäbisch Hall und Crailsheim) beziehungsweise im Walkingtreff (in Gaildorf). Beim Vortrag „Lauf geht’s – gesund und mit Freude in sechs Monaten zum Halbmarathon“ erklärt Erfinder Wolfgang Grandjean das Programm. Zudem stellen sich die Trainer und das Organisationsteam vor: in Crailsheim am 17. Februar um 19 Uhr im HT-Forum (Ludwigstraße 6–10), in Schwäbisch Hall am 18. Februar um 19 Uhr in der Hospitalkirche (Am Spitalbach 8), in Gaildorf am 4. März um 19 Uhr in der Limpurghalle (Schloss-Straße 11). Fragen beantwortet Christine Hofmann (c.hofmann@swp.de oder 0 79 51 / 40 93 16).