Mit dem Sport ist Doris König schon früh verbunden. Einst schwamm und ritt sie. Vor sieben Jahren wandte sie sich dem Triathlon zu und ist seitdem fasziniert von dem Sport, der aus Schwimmen, Radfahren und Laufen besteht. Vor Kurzem absolvierte sie in Frankfurt ihren zweiten Ironman-Triathlon. Den hat sie erfolgreich beendet, trotz erschwerter Bedingungen.

Frau König, in Frankfurt war es sehr heiß. Hat Sie das gestört?

Doris König: Nein, das war mein Wetter (lacht)! Ich mag es, wenn es warm ist.

Auf der Radstrecke hat ein Fahrer eine Triathlonregel missachtet. Windschattenfahren ist verboten. Dass so etwas vorkommt, überrascht, schließlich sollte man bei einem Ironman mit den Regeln vertraut sein.

Das mag man so glauben, aber dem ist leider nicht so. Ich würde mich als eine sehr defensive Fahrerin bezeichnen. Es gibt selbst beim Ironman viele Fahrer, die ihr Rad nicht im Griff haben. Ich werde häufig zu eng überholt oder Fahrer scheren viel zu dicht vor einem ein. Ich schimpfe sehr oft (lächelt).

Was ist in Frankfurt passiert?

Ich bin gerade auf den Heartbreak Hill zugefahren, ein Hotspot des Frankfurter Triathlons, wo immer sehr viele Zuschauer stehen. Ich bin einem Gullydeckel ausgewichen. Dieser kleine Schlenker hat schon gereicht. Denn auf einmal war direkt neben mir ein Fahrer. Aus den Augenwinkeln habe ich ihn noch gesehen, im nächsten Moment lagen wir beide am Boden.

Wollten Sie sofort weiter?

Ja, natürlich. In solchen Momenten denkt man an nichts anderes. Ich hatte auch keine starken Verletzungen, bin aufs Fahrrad und merkte, dass die Schaltung blockiert war. Das Schaltauge hatte sich in der Speiche verklemmt. Alleine hätte ich das kaum wieder herausgebracht, ein Zuschauer half mir, was eigentlich verboten ist (lächelt).

War die Schaltung dann wieder in Ordnung?

Nein, die Kette lag auf dem kleinsten Ritzel. Ich hatte also nur noch zwei große Gänge zur Verfügung. Ich musste noch zweimal den Heartbreak Hill hoch. Die Zuschauer schrien: Schalten! Schalten! Das hätte ich ja gerne (lacht). Oben bin ich fast umgefallen, weil ich so langsam war. Zwei Kilometer später hörte ich ein Zischen.

Der Reifen war platt …

Genau. Ich hatte einen Ersatzschlauch dabei, war aber so voller Adrenalin, dass ich kaum imstande war, den kaputten zu wechseln. Wieder bekam ich Hilfe. Das hätte sonst noch viel länger gedauert. Aber den Reifen konnte ich natürlich nur mit einer Handpumpe aufpumpen.

Wie weit waren Sie?

Vor mir lagen noch rund 95 Kilometer auf der Radstrecke und der Marathonlauf.

Haben Sie nie ans Aufhören gedacht?

Nein, meine Beine haben sich noch gut angefühlt. Außerdem nimmt man ja für einen Ironman einiges auf sich. Ich habe im November angefangen zu trainieren, habe auf vieles verzichtet. Auch die Familie musste zurückstecken. Und ich hatte in Frankfurt eine super Unterstützung. Da gibt man nicht so einfach auf. Schlimmer war etwas anderes.

Was?

Da ich nicht mehr schalten konnte, war mein ganzer Körper verspannt. Ich habe beim Laufen schlecht Luft bekommen. Als ich um 21.17 Uhr im Ziel war – wo immer noch sehr viele Zuschauer die Triathleten empfingen –, lösten sich die ganzen Emotionen. Ich wurde bejubelt, als ob ich die Erste wäre.

Dies war Ihr zweiter Ironman. Waren die Erfahrungen des ersten so gut, dass Sie erneut diese Herausforderung suchten?

Nein, gar nicht. Beim ersten Ironman hatte ich im Vorfeld viel zu hart trainiert. Beim Marathonlauf war ich nach 28 Kilometern fertig. Ich hatte eine riesige Blase am Fuß, mein Magen rebellierte. Ich bin die letzten 15 Kilometer ins Ziel gewandert. Deshalb fühlte es sich für mich auch nicht wie ein richtiges „Finish“ an.

Ist es vor allem Ehrgeiz, den man braucht, um einen Ironman zu bestehen?

Ohne Ehrgeiz geht es nicht. Wichtiger sind aber Zielstrebigkeit und Disziplin, denn in der letzten Vorbereitung verzichtet man auf Feiern, Süßes und Alkohol.

Nachdem Sie bei Ihrer Premiere zu hart trainiert hatten – wer hat Ihnen diesmal geholfen, das richtige Maß zu finden?

Der ehemalige Triathlon-Bundestrainer Ralf Ebli. Ich hatte ihn im Trainingslager auf Lanzarote kennengelernt und fragte ihn, ob er mich unterstützen kann. Er meinte, dass er eigentlich schon ausgebucht sei, aber die vier Monate würden wir schon hinbekommen (lächelt).

Was hat er anders gemacht?

Das Training war anders dosiert. Ich fühlte mich wesentlich fitter.

Wenn man so eine Höchstleistung wie in Frankfurt bewältigt, was lernt man daraus?

Man lernt sehr viel über den eigenen Körper. Man muss den Weg dahin langsam angehen. So etwas dauert mehrere Jahre.

Das heißt, dass Sie es zu Beginn gar nicht auf den Ironman abgesehen hatten?

Richtig. Ich hatte das Glück, dass ich auf der Sprint-, Mittel- und der Olympischen Distanz fast immer in meiner Klasse vorne platziert war. Da wird man schon mal angesprochen: Willst du nicht mal die Langdistanz ausprobieren? Mit meinem Mann war ich in Roth als Zuschauer. Da war dann die Entscheidung gefallen, auch wenn ich wegen der Laufstrecke nicht dort starten wollte.

Nachdem Sie nun regeneriert sind – was sind die nächsten Wettkämpfe?

Ich werde in drei Wochen mit meinem Mann beim Mittel­distanz-­Triathlon in Prag starten.

Das könnte dich auch interessieren:

Hakro Merlins Crailsheim Frank Turner geht, Jan Špan kommt

Crailsheim

Steckbrief Doris König


Geburtstag: 12. Dezember 1968
Geburtsort: Marl
Wohnort: Ilshofen
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Verwaltungsfachangestellte
Hobbys: Triathlon, Skifahren, Sport allgemein
Bisherige Stationen: SV Delphin Dorsten, seit 2012 TSV Ilshofen
Größte sportliche Erfolge: diverse zweite und dritte Plätze in der Altersklasse bei Triathlons der Mittel- und der Olympischen Distanz