Daniel McCray und Marco Ehrenfried haben als Erste die Hände dran. Der goldene Pokal für den deutschen Meister im American Football. Die Schwäbisch Hall Unicorns haben diese Trophäe gejagt. Drei verlorene German Bowls in den vergangenen drei Jahren haben am Selbstvertrauen genagt. Aber am Ende dieses verregneten Oktoberabends in Berlin ist das alles vergessen. Am Ende bleibt der Jubel und die Freude, dass die Haller den Angstgegner Braunschweig in die Knie zwingen können. Am Ende steht das Resultat von 14:13 und der Pokal geht mal wieder in den Süden. Nach 2011 und 2012 heißt der deutsche Meister im American Football erneut Schwäbisch Hall Unicorns.

Doch bis der dritte Titelgewinn für die Unicorns feststeht, müssen einen wahren Krimi überstehen. Defense Tackle Devin Benton ist es zehn Sekunden vor Schluss vorbehalten, mit einem geblockten Fieldgoal den Schlusspunkt unter dieses Finale vor offiziell 13000 Zuschauern zu setzen. Ein Endspiel, das nicht nur wegen seiner Dramatik, sondern auch wegen der schwierigen Bedingungen in Erinnerung bleiben wird. Die drei Stunden zuvor haben allen Beteiligten alles abverlangt. Die Spieler haben mit dem nassen Ball und dem aufgeweichten Rasen ihre Probleme. Den Zuschauern auf der Haupttribüne, wo die rund 600 Unicorns-Fans untergebracht sind, weht der Wind unaufhörlich den Regen ins Gesicht.

Nach Bentons Block löst sich die Anspannung in der Unicorns-Teamzone. Sie weicht der puren Ekstase. Manche Spieler in Weiß schreien erstmal ihre Freunde laut heraus. Andere fangen zu tanzen an, einige wenige haben auch Tränen in den Augen. Beim obligartorischen Gruppenbild strahlen die Gesichter um die Wette, während die Queen-Hymne „We are the champions“ aus den Lautsprechern tönt. Ein kurzer Knall, und das Feuerwerk für den neuen deutschen Meister schießt in der nassen Luft empor.

„Jede Zelle freut sich gerade in meinem Körper. Wir kannten bislang nur das Verlierer-Gefühl nach den Endspielen gegen Braunschweig, aber das ist jetzt überragend“, fast es Unicorns-Quarterback Marco Ehrenfried noch auf dem Spielfeld zusammen. Der Haller Quarterback macht an diesem Abend quasi sein persönliches Meisterstück. Es ist seine erste deutsche Meisterschaft als Starting Quarterback. Die anderen beiden Titel haben die Unicorns mit US-amerikanischen Spielmachern gewonnen.

Genauso wie Ehrenfried hat auch sein Gegenüber Casey Therriault Probleme, ins Spiel zu finden. Beiden Quarterbacks unterlaufen in der Anfangsphase je zwei Interceptions. Therriault finden danach jedoch früher seinen Rhythmus. Bis zur 15-Yard-Linie bringt er sein Team nach vorne. Den Drive bringt Running Back David McCants zu Ende und erzielt Mitte des ersten Viertels den ersten Touchdown für die Lions. Die Haller Antwort lässt aber nicht lange auf sich warten. Mit einem spektakulären Fang krallt sich Receiver Nate Robitaille den Ball zum 7:7 (Extrapunkt Tim Stadelmayr).

Die favorisierten Braunschweiger beeindruckt der Ausgleich zunächst überhaupt nicht. Immer wieder gibt Therriault den Ball an McCants ab, der sich geschickt nach vorne tankt. Anfang des zweiten Viertels gelingt Braunschweig so der zweite Touchdown, wiederum durch McCants. Was jedoch nicht klappt, ist der Snap beim Extrapunkt-Versuch. Ein Missgeschick, der den Lions am Ende teuer zu stehen bekommt. Zum Ende des zweiten Viertels kommen die Braunschweiger wieder gefährlich nahe an die Haller Endzone, schaffen es aber nicht weitere Punkte zu erzielen. Die Haller retten den Sechs-Punkte-Rückstand in die Pause – ein psychologisch wohl entscheidender Aspekt, da Hall so nur einen Score hinten liegt.

Im dritten Viertel kommt der Auftritt von Ehrenfried. 5:30 Minuten stehen auf der Uhr, als er einen langen Ball in den Lauf von Receiver Tyler Rutenbeck feuert, der auf und davon zieht. Die Haller Fans flippen auf der Tribüne aus und feiern dieses Big Play mit großem Jubel. Der Extrapunkt nach dem Touchdown gelingt, so dass Hall sogar mit 14:13 in Führung geht.

Dass danach keine Scores mehr auf der Anzeigentafel verbucht werden, liegt in erster Linie an der Haller Verteidigung. „Unsere Defense war heute entscheidend“, lobt auch Ehrenfried seine Kollegen. Insbesondere in der Red Zone, also im Bereich 20 Yards vor der eigenen Endzone, gelingt es der Unicorns-Defense vordie Braunschweiger zu stoppen. Mehrmals rücken die Braunschweiger tief in die Haller Hälfte vor, um dann doch zu scheitern. Einmal verliert McCants zwei Yards vor der Endzone den Ball, einmal gerät ein Fieldgoal von Lions-Kicker Tobias Goebel viel zu kurz. Und die letzte Chance auf den Sieg verhindert eben Devin Benton, der mit unbändiger Kraft und noch mehr Willen seinen Weg bahnt und Goebels letzten Versuch blockt.

Der goldene Pokal tritt damit wiedermal den Weg in die Siedersstadt an. Nach drei Finalniederlagen gegen den gleichen Gegner haben die TSG-Footballer dieses Trauma überwunden. Die Rechnung ist nun beglichen.

So spielten sie


Schwäbisch Hall Unicorns –
New Yorker Lions

14:13

Punkte für Hall: Nathaniel Robitaille (6), Tyler Rutenbeck (6), Tim Stadelmayr (2)