Segelfliegen Haller Segelflieger wieder erstklassig

Dirk Windmüller bei einem Landeanflug mit seinem Segelflieger.
Dirk Windmüller bei einem Landeanflug mit seinem Segelflieger. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Aurel Butz 25.08.2018
Nach vierjähriger Abstinenz steigt Schwäbisch Hall wieder in die erste Bundesliga auf.

August, Urlaubszeit – es war schon schwierig genug, drei Piloten zu finden, die sich bei brütender Hitze mehr liegend als sitzend mit fünf Gurten unter einer Plexiglashaube verzurren, um mindestens zweieinhalb Stunden für die zweite Segelflug-Bundesliga Kilometer zu schrubben. Und dann noch das: Das Internetportal, das die automatische Wertung errechnet, wollte in der vergangenen Bundesligarunde die aufgezeichneten GPS-Daten des Bordcomputers einfach nicht schlucken. Tilman Kühners Flug (240 Kilometer, 83 km/h) hätte somit niemals offiziell stattgefunden, und damit wäre es für die Haller Segelflieger extrem knapp mit dem Aufstiegsplatz geworden.

Upload funktioniert

Zwei Stunden vor Wertungsschluss Entwarnung: Der erneute Upload hat funktioniert, die Datei ist in Ordnung, Punktklarheit. Und somit steht eine Woche vor dem offiziellen Ende der Ligasaison fest: 2019 wird der Segelfliegerclub Schwäbisch Hall (SFC) – nach vier Jahren Pause – wieder als einer von 30 Erstligisten starten.

Gerade jene 18., von insgesamt 19 Liga-Runden, hatte es besonders in sich. Dirk Windmüller legte mit 127 km/h Liga-Schnittgeschwindigkeit auf seinem 475-Kilometer-Flug den viertschnellsten Schnitt überhaupt hin, der am Wochenende in der Zweitliga geflogen wurde. Und weil Windmüllers Segelflugzeug mit 18 Metern Spannweite eine echte Leistungskanone ist, wird er in der Wertung künstlich langsamer gerechnet, damit die Chancengleichheit stimmt. „Ich bin die 2,5 Stunden lang für die Ligawertung sogar mit einem echten Schnitt von fast 150 km/h geflogen. Das kann locker mit der Reisefluggeschwindigkeit von einmotorigen Sportflugzeugen mithalten”, sagt der Pilot aus Schwäbisch Hall.

Die Leistungsdichte in der Erstliga ist eine Nummer höher. Was dem SFC momentan zum fünften Tabellenplatz reicht, entspricht in der Erstliga lediglich Mittelmaß. Um dort 2019 mitzuschwimmen, sieht Dirk Windmüller nur eine Möglichkeit: „Die Bundesliga ist nichts für Einzelkämpfer. Das hat sich klar herauskristallisiert: Wir brauchen eine breite Basis, also viele Piloten, die vielleicht seltener fliegen, aber wie jetzt einspringen, wenn’s knapp wird.”

Immerhin, der Nachwuchs steht schon bereit: So ist Taylan Güler, 16, aus Schwäbisch Hall, momentan der Jüngste im SFC-Bundesligateam. Seinen Flugschein bekam er dieses Jahr. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine erste Ligawertung – und damit auch seinen ersten weiten Überlandflug überhaupt – bereits zurückgelegt. Eine 200-Kilometer-Strecke hat er schon, kommendes Jahr will er die 300 knacken. „Nur um den Platz fliegen wird irgendwann langweilig. Die Bundesliga liefert dir den Vergleich, du siehst, wie du abschneidest und wo du schneller werden kannst. Und nächstes Jahr will ich noch mehr Tricks von den erfahrenen Streckenflugpiloten lernen”, sagt Güler.

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