Schach Hall erneut auf Titelkurs

Blick in die Zehntscheuer in Deizisau: Im Vordergrund spielt die Hallerin Deimante Cornette (links) gegen die Erfurterin Doreen Troyke.
Blick in die Zehntscheuer in Deizisau: Im Vordergrund spielt die Hallerin Deimante Cornette (links) gegen die Erfurterin Doreen Troyke. © Foto: Foto: Thomas Marschner
Thomas Marschner 19.12.2017

In Deizisau wurde am Freitagabend zunächst die Einzelrunde gegen Reisepartner Deizisau nachgeholt. Aufgrund des freitäglichen Berufsverkehrs startete der Kampf mit geringfügiger Verspätung, ausgerechnet der Schiedsrichter war im Stau hängengeblieben. Nachdem es Ende April beim Bundesligafinale einen knappen Sieg für Schwäbisch Hall gegeben hatte, der den Weg zur Meisterschaft frei machte, wurde wieder ein enges Match erwartet. Doch es kam anders. An den ersten vier Brettern saßen die erwarteten Gegnerinnen, doch an den hinteren Brettern war Deizisau deutlich schwächer aufgestellt als vermutet. Noch dazu war die Deizisauer Spielerin an Brett 6 gesundheitlich ziemlich angeschlagen.

Matt übersehen

Die erste Entscheidung fiel an Brett 5: Petra Papps Gegnerin übersah nach 20 Zügen ein zweizügiges Matt, auf diesem Niveau noch dazu ohne Zeitprobleme passiert so etwas ganz selten. Jovana Rapport erhöhte kurz danach an Brett 6 auf 2:0, und Irina Bulmaga, gehandicapt durch einen steifen Nacken, kurz danach auf 3:0. Glücklicherweise muss man im Schach den Kopf nicht so oft drehen, vielleicht lag es daran, dass Irina sich auf den Königsflügel konzentrierte und gegen die starke Hanna Marie Klek, immerhin die aktuelle deutsche Nummer 5, einen überzeugenden Sieg einfuhr. Als danach Deimante Cornettes Partie im Dauerschach endete, war schon nach 3 Stunden die Entscheidung gefallen. Lela Javakhishvili erhöhte auf 4,5:0,5, und in der letzten Partie gelang Deizisau nur noch der Ehrenpunkt zum 4,5:1,5-Endstand.

Am Samstag und Sonntag ging es gegen Erfurt und Lehrte, beides Mannschaften aus dem hinteren Tabellendrittel. Und die Hallerinnen wurden ihrer Favoritenrolle voll gerecht und gewannen jeweils 6:0. Erfurt konnte nur fünf Spielerinnen ans Brett bringen, daher hatte Ekaterina Atalik an Brett 1 einen freien Nachmittag. Auch die anderen Partien liefen alle in die gleiche Richtung, sodass relativ schnell die Entscheidung gefallen war.

Kleinen Vorteil genutzt

Die Mannschaft aus Lehrte wehrte sich am Folgetag mehr, nach zwei Stunden waren die meisten Partien noch im Gleichgewicht. Aber dann kippte doch eine Partie nach der anderen. Gerade nach längerer Spielzeit kommt im Schach ein deutlicher Spielstärkevorteil häufig zum Tragen. Den Schlusspunkt setzte Lela Javakhishvili, die ein Turm­endspiel mit mikroskopischem Vorteil gegen die U16-Europameisterin Fiona Sieber am Ende noch zum Sieg führte. Sie zeigte eindrucksvoll, was aus vermeintlich ausgeglichenen Stellungen noch herauszuholen ist. Lela Javakhishvili hat alle bisherigen fünf Saisonpartien gewonnen und ist damit Top­scorerin sowohl von Schwäbisch Hall als auch in der Liga.

In der nächsten Runde kommt es am Wochenende 27./28. Januar in Hamburg zum Spitzenspiel gegen den ebenfalls verlustpunktfreien Hamburger SK, außerdem geht es gegen den Tabellendrittletzten Doppelbauer Kiel. Mitfavorit OSG Baden-Baden kam in Bad Königshofen nicht über ein 3:3 hinaus und hat so bereits einen Zähler Rückstand.

Blitz-WM der Männer und Frauen in Saudi-Arabien

Die meisten Spielerinnen sind in den folgenden Wochen bei allerlei Turnieren im Einsatz. Den Anfang macht die Weltmeisterschaft im Blitz- und Schnellschach der Männer und der Frauen, die – man höre und staune – ab dem 25. Dezember in Saudi-Arabien ausgetragen wird. Den Spielerinnen wurde zugesichert, dass sie im Saal unverschleiert spielen dürfen, und das in einem Land, in dem es Frauen gerade erst erlaubt wurde, Auto zu fahren und ins Kino zu gehen. Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob gerade ein Frauenturnier in solch ein Land vergeben werden sollte, aber vielleicht leistet es ja einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Rechte der Frauen in Saudi-Arabien. tm

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