Er liegt auf dem Boden, wahrscheinlich sieht er den Ball gar nicht mehr, weil die Platte seine Sicht verdeckt. Eigentlich ist Daniel Horlacher schon geschlagen. Trotzdem klatschen die 50 Zuschauer in der neuen Michelfelder Sporthalle. Gegner Milan Kacnik trifft den Ball nicht, der Punkt geht so an Horlacher. Dass es gleichzeitig Matchball ist, macht den Ballwechsel umso spektakulärer. Nach einem harten Ringen bezwingt Horlacher, die Nummer zwei Gnadentals, sein Neckarbischofsheimer Pendant mit 3:2 nach Sätzen und verkürzt auf 5:6 in der Gesamtwertung.

Noch im vierten Satz hat sich Horlacher wahnsinnig geärgert. Der Grund: Zwei Netzroller kurz hintereinander fallen auf seine Seite. Sein Schläger ist der Leidtragende, den Horlacher aus Frust auf den Boden wirft. „Das war extrem ärgerlich, mir ist sogar ein Stück der Holzplatte abgesplittert. Ich muss den Schläger neu kleben“, sagt Daniel Horlacher nach dem Spiel.

Dass Gnadental die engen Duelle gegen die ausgeglichen besetzten Neckarbischofsheimer für sich entscheiden muss, ist dem TTC von Anfang an klar. Die Mannschaft in den blauen Trikots muss bei der Aufstellung improvisieren. Florian Saljani rückt neben Lukas Kramer ins mittlere Paarkreuz, Jörn Diemer spielt an Position fünf. Gottfried Mahling als sechs bestreitet erst seinen zweiten Oberligaeinsatz, normalerweise ist er für das Verbandsklassenteam eingeplant.

Peng Gao souverän

Nach den Eingangsdoppeln liegt Gnadental mit 1:2 zurück. Lediglich Peng Gao und Lukas Kramer schlagen Michael Frey und Roman Bartlog mit 3:0. Sowohl die Paarung Horlacher/Saljani als auch Diemer/Mahling unterliegt ihren Gegnern klar mit 0:3.

Gnadentals Spitzenmann Peng Gao meistert seine Aufgaben im vorderen Paarkreuz souverän. Die Slowaken Kacnik und Michal Pavolka suchen ihr Glück mal mit Angriffsschlägen, mal lassen sie sich auf Defensivduelle mit dem gebürtigen Chinesen ein. Trotzdem hat Gao immer die passende Antwort parat und gewinnt beide Spiele klar mit 3:0. Horlacher holt gegen Kacnik den knappen Sieg, unterliegt aber der gegnerischen Nummer eins Pavolka mit 0:3.

Im mittleren Paarkreuz gibt es Licht und Schatten aus Gnadentaler Sicht. Lukas Kramer hat zunächst mit Marc Seel wenig Mühe (3:0). Gegen Michael Frey hadert Kramer des Öfteren mit seinem Spiel und verliert am Ende knapp mit 9:11 im fünften Satz. Florian Saljani kommt gegen Frey in den ersten beiden Sätzen nicht in die Gänge und verliert sie klar. Im dritten Durchgang läuft es für den Youngster zwar deutlich besser, aber dennoch holt sich Frey auch diesen Satz mit 13:11. Besser macht es Saljani gegen Marc Seel, den der Gnadentaler mit 3:1-Sätzen bezwingt.

Im unteren Paarkreuz muss Jörn Diemer gegen Roman Bartlog bei vier Sätzen dreimal in die Verlängerung. Die besseren Nerven hat an diesem Tag der Neckarbischofsheimer, der zweimal mit 13:11 und einmal mit 12:10 das Match für sich entscheidet, da Diemer nur den zweiten Satz mit 11:8 gewinnt. Gegen Patrick Oberster hat Diemer mit 0:3 das Nachsehen.

Gottfried Mahling hat in seinem ersten Spiel gegen Oberster Mühe, sich an das höhere Niveau in der Oberliga anzupassen. Die ersten beiden Sätze gehen klar verloren. Im dritten Satz kommt der Gnadentaler auf und verkürzt mit einem 11:6. Den 3:1-Sieg macht Oberster aber mit einem klaren 11:6 seinerseits perfekt.

Als Mahling zu seinem zweiten Duell des Tages gegen Bartlog antritt, lastet der Druck auf ihm. Zu diesem Zeitpunkt liegt der TTC in der Gesamtwertung mit 6:8 hinten. Ein weiteres verlorenes Match würde Gnadentals Heimniederlage besiegeln. Scheinbar unbeeindruckt dessen startet Mahling in den ersten Satz, den er mit 11:4 für sich entscheidet. Auch im zweiten führt er mit 10:6. Nachdem Bartlog auf 10:9 rankommt, nimmt Mahling eine Auszeit. Mit Teamkollge Saljani berät er, wie er den nächsten Satzball angehen soll. Mahling entschließt sich für einen Angriffsball auf Bartlogs Rückhand, den der Neckarbischofsheimer mit einem Reflex abwehrt und selbst punktet. Mit 11:13 gibt Mahling den fast schon eingetüteten zweiten Satz ab. „Das war der Knackpunkt“, so der Gnadentaler. Am Ende steht es 3:1 für Roman Bartlog, der den entscheidenden neunten Sieg für Neckarbischofsheim holt.

„Wir wussten, dass wir die knappen Spiele gewinnen müssen, um zumindest einen Punkt zu holen. Das ist uns nicht gelungen“, bilanziert Daniel Horlacher. Im letzten Spiel der Hinrunde beim Zweiten Bietigheim-Bissingen gelte es, wieder in Bestbesetzung anzutreten.