Seit dieser Saison führt Jadrian Clark die Offense der Schwäbisch Hall Unicorns als Quarterback an. Der 25-Jährige, der sowohl US-Amerikaner als auch Ire ist, wirkt vor dem German Bowl an diesem Samstag ruhig, aber konzentriert. Die Unicorns sind seine dritte Station in Deutschland. In Hall, das macht er deutlich, fühlt er sich sehr wohl. Nun trifft er auf seine ehemaligen Teamkameraden.

Herr Clark, 2018 spielten sie für die New Yorker Lions. Wie groß ist noch der Kontakt?

Jadrian Clark: Ich habe nach wie vor mit einigen Spielern und einigen aus dem Management Kontakt. Klar gab es jetzt im Vorfeld ein paar Frotzeleien. Auch einige Fans der Lions haben mich angeschrieben.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen den Lions und den Unicorns?

Gute Frage. Bei den Unicorns geht es vor allem um eine positive Einstellung, immer und überall. Das passt sehr gut, finde ich. Die Spieler haben alle ein besonderes Gefühl des Stolzes, für ein solch gutes Team in einer vergleichsweise kleinen Stadt zu spielen. In Braunschweig lief alles ein Stück weit professioneller ab.

Headcoach Jordan Neuman betonte bei Ihrer Verpflichtung, dass Sie der einzige Quarterback waren, mit dem er ernsthaft verhandelt hätte. Was hat Sie damals dazu bewogen, ihm zuzusagen?

Ich hatte das Gefühl, dass es passen kann und dieses Gefühl hat mich nicht getäuscht. In Europa ist der Headcoach meist auch der Offense Coordinator, so dass ich mit Jordan über seine Vorstellung gesprochen habe. Jetzt kann ich sagen, dass es eine nahezu perfekte Verbindung zwischen uns gibt.

In den USA haben sie schon vor vielen Zuschauern gespielt. Wie hoch ist die Bedeutung des German Bowls für Sie?

Das kann ich schnell beantworten: Es ist das bislang größte Spiel meines Lebens!

In Deutschland haben Sie auch schon in Kirchdorf gespielt, sind mit den Wildcats vor zwei Jahren in die GFL aufgestiegen. Warum hatten Sie sich für eine Station in Europa entschieden?

Nach dem College war ich beim Pro-Day der Universität in Utah und auch auf einem Combine in Seattle. Ich fragte mich, was mein nächster Schritt sein könnte. Dann erhielt ich eine Nachricht der Munich Cowboys. Doch ich hatte nicht das Gefühl, dass das passen könnte. Bei der Anfrage von Kirchdorf war das anders. Deren Programm wirkte auf mich sehr gut strukturiert und da entschloss ich mich, zumindest für ein Jahr nach Europa zu gehen.

German Bowl 2019 Jadrian Clark - Quarterback der Unicorns für Verteidigung der Meisterschaft

Football ist in Europa und in Deutschland bei weitem nicht so groß wie in den Vereinigten Staaten...

Oh, das war kein Problem, das wusste ich. Überraschend war ich eher über Kirchdorf oder besser dessen Lage. Mir wurde gesagt, dass es in der Nähe von München liegt. Nun, es liegt ja eher in der Mitte von gar nichts (lacht). Aber die Zeit dort war dennoch sehr schön.

Nach einer Saison wechselten Sie nach Braunschweig.

Das war ein großer Schritt für mich und es fühlte sich auch groß an, nicht nur sportlich. In Braunschweig war es eher ein Großstadtgefühl. Jetzt hier in Hall ist es so etwas wie eine Mischung aus beidem. Und das weiß ich besser zu schätzen, weil ich die Erfahrungen in Kirchdorf und Braunschweig gemacht habe.

Stimmt es, dass Sie in den USA in nahezu jedem Bundesstaat bereits waren?

Ja, das ist richtig. Geboren bin ich in Indianapolis im Bundesstaat Indiana. Wir haben dann eine Zeitlang in Florida gelebt und sind im Laufe der Zeit nahezu die gesamte Ostküste hoch bis Maine gezogen. Als ich auf dem College in Utah war, spielte ich mit meinem Footballteam auch in vielen anderen Staaten, beispielsweise Norddakota oder Süddakota. Zudem bin ich viel mit dem Auto umhergefahren, sodass ich bis jetzt in 48 von 50 Bundesstaaten gewesen bin.

Welche beiden fehlen?

New Mexico und Alaska. New Mexico habe ich schon fest eingeplant, da will ich in meinem nächsten Urlaub hin. Für Alaska habe ich noch keine konkreten Pläne, vielleicht klappt es mal mit einem Skiausflug.

Sie haben für die Zeitung USA Today über die NFL-Mannschaft der Tennessee Titans geschrieben. Wie kam es dazu?

Ein Onkel von mir war in die Pre-Game-Show der Titans involviert. Ich half mit und wurde dann gefragt, ob ich beim ESPN Podcast mitmachen wollte. Einige Menschen sahen das und das ergab die Anfrage der USA Today. Ich habe das auch aus Europa gemacht, mittlerweile aber aufgehört. Ich will mich auf die Unicorns konzentrieren.

Verlief die Woche vor dem German Bowl anders als sonst?

Nein. Ich habe versucht, alles so normal wie irgend möglich durchzuziehen, als wäre es eine normale Woche mit einem Spiel zum Abschluss.

Werden Sie auch in der kommenden Saison Quarterback der Unicorns sein?

Zu 99 Prozent ja. Football war immer meine Leidenschaft. Ich bin 25 und habe hoffentlich noch einige Jahre vor mir.

Steckbrief Jadrian Clark


Geburtstag: 22. April 1994
Geburtsort: Indianapolis
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: ledig
Hobbys: American Football
Bisherige Stationen: Weber State University of Utah, 2017 Kirchdorf Wildcats, 2018 New Yorker Lions Braunschweig, seit 2019 Schwäbisch Hall Unicorns
Größte sportliche Erfolge: zweimalige Wahl in die A-Conference-Auswahl im College, Aufstieg mit den Wildcats in die GFL (2017)