Es sollte die dritte perfekte Saison der Schwäbisch Hall Unicorns in Folge werden, doch diesmal war der große Konkurrent aus dem Norden stärker. Die Lions feierten ausgelassen in der Commerzbank-Arena ihren Triumph.

Dieses Finale lässt sich mit zwei Szenen zusammenfassen, geben diese doch fast das gesamte Spiel in konzentrierter Form wider. Die Haller bekommen im Schlussviertel beim Stand von 0:10 den Ball. Mühsam kommen sie übers Feld, aber immerhin schaffen sie einen First Down. Dann aber ist die Braunschweiger Defense wieder einmal stark, im vierten Versuch brauchen die Unicorns noch zwei Yards, um wieder vier neue Versuche zu erhalten. Angesichts des Spielstands und der fortgeschrittenen Zeit hat Headcoach Jordan Neuman keine andere Option, als diesen vierten Versuch auszuspielen. Der Spielzug wird angezeigt, der Snap erfolgt, Quarterback Jadrian Clark macht einen Schritt zur Seite – und rutscht dann auf dem immer seifiger werdenden Rasen aus.

German Bowl XLI in Frankfurt Das Finale der GFL in der Commerzbank-Arena

Was immer auch die Unicorns in der Offense versuchten, es klappte wenig. „Wir sind nie in den Rhythmus gekommen“, meinte Headcoach Jordan Neuman.

Ein sichtlich tief enttäuschter Jadrian Clark musste mit zur Pressekonferenz: „Wir haben heute nicht das gezeigt, was wir können, vor allem aber ich habe es nicht gezeigt.“ Es waren zu viele kleine Fehler bei den Spielzügen, verbunden mit großer Nervosität in der ersten Hälfte .

Die zweite Szene liefert 1:40 Minuten vor dem Ende Lions-Quarterback Brandon Connette. Er musste eine Woche nach dem Halbfinale pausieren, konnte aber genau wie Receiver Christian Bollmann spielen. Und Connette agierte die meiste Zeit über souverän. Kurz vor Schluss hat Braunschweig einen dritten Versuch, muss noch sieben Yards überwinden. Wäre dieser Versuch schief gegangen, hätten die Haller noch einmal den Ball erhalten.

Lions-Quarterback Cornette bricht zwei Tackles

Connette erhält den Ball und läuft selbst. Sofort hängt ein Haller Verteidiger an ihm dran, doch diesen kann Connette abschütteln und bricht sogar noch einen zweiten Tackle. Er schafft viele Yards Raumgewinn, und geht dann freiwillig auf dem Boden. Jubelnd, weil damit klar ist, dass seine Lions sich den Titel zurückgeholt haben. In einer wichtigen Situation hat Braunschweig das bessere Ende für sich.

Das galt in dieser Szene für die Offense, doch geprägt haben das 41. deutsche Footballfinale die beiden Defense-Reihen. Zur Pause stand es 0:0, ein ungewöhnliches Ergebnis für ein Footballspiel. Die Haller bekamen selbst den überragenden Lions-Runningback Christopher McClendon häufig zu fassen. Braunschweig kam sechsmal in die Red Zone also bis auf mindestens 20 Yards an die Haller Endzone heran. Doch nur zweimal reichte es für Punkte, weil die Haller Defense dem enormen Druck standhielt. So musste Braunschweig sich viermal mit einem Fieldgoalversuch begnügen, dreimal scheiterte Kicker Tobias Goebel. Der Kick geriet jeweils zu kurz. „Noch nie haben wir die Lions bei nur zehn Punkten gehalten“, stellte Linebacker Simon Brenner nach seinem letzten Spiel für die Unicorns fest. Braunschweigs Headcoach Troy Tomlin analysierte: „Eins von vier Fieldgoals, nur zweimal gepunktet, obwohl wir sechsmal in der Red Zone waren. Das ist eigentlich zu wenig.“ Und doch hat es gereicht.

Denn erst als die Haller Offense in den Alles-oder-nichts-Modus schaltete, bekam die Braunschweiger Defense Probleme. Bis dahin schien sie nahezu jedes Mal zu wissen, welchen Spielzug die Haller geplant hatten. Tyler Rutenbeck und der angeschlagene Nate Robitaille wurden hervorragend gedoppelt. Dann fing Rutenbeck einen schwierigen Ball mit nur einer Hand. Die Haller stellten auf die „Air-Raid-Offense“ um, verzichteten auf einen Runningback in der Grundaufstellung. Das Unicorns-Laufspiel war bis dahin sowieso kaum vorhanden. Mit nun fünf möglichen Passempfängern brachte Hall die Braunschweiger Abwehr durcheinander, kam schnell über das Feld. Symptomatisch war, dass Braunschweig wieder Herr der Lage war, als Schwäbisch Hall kurz vor der Endzone mit Laufspielzügen die noch fehlenden wenigen Yards überbrücken wollte. Letztlich sorgte ein Pass Clarks auf Joshua Haas für den einzigen Schwäbisch Haller Touchdown.

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So spielten sie


Schwäbisch Hall Unicorns –
NewYorker Lions Braunschweig

7:10

Punkte für Hall: Joshua Haas (6) und Tim Stadelmayr (1)

Viertelergebnisse: 0:0/0:0/0:10/7:0

Alle Punkte:
7:0 – Christopher McClendon – 190-Yard-Lauf (PAT Tobias Goebel)
10:0 – Tobias Goebel – 28-Yard-Fieldgoal
10:7 – Joshua Haas – 2-Yard-Pass von Jadrian Clark (PAT Tim Stadelmayr)