Schwäbisch Hall / Frank Zeller  Uhr
Bei der zentralen Endrunde in Berlin bleibt der SK Schwäbisch Hall ohne Sieg. Er zieht seine Männermannschaft nach vier Jahren in der höchsten deutschen Klasse zurück.

Alle 16 Bundesliga-Teams weilten vor Ort und absolvierten die drei Schlussrunden, in denen die Entscheidungen über Meisterschaft und Abstieg im großartigen Ambiente des Hotels Maritim fielen.

Für das Haller Herrenteam bedeutete dies den Höhepunkt der Saison. Zugleich war es aber auch ein wehmütiger Abschied von der großen Bühne: Kurz vor der Schlussrunde annoncierte die Vereinsführung die Abmeldung der ersten Mannschaft – somit war es der letzte Auftritt des Haller Herrenteams in der höchsten deutschen Spielklasse. Das Kapitel Weltklasseschach in Hall ist, zumindest, was die Männer betrifft, somit Geschichte.

Sportlich ging es somit in Berlin um nicht mehr viel. Hall erreichte in den drei vergangenen Spielzeiten stets den vierten Tabellenrang. Auch in dieser Saison rangierte man ohne Abstiegsprobleme im vorderen Mittelfeld. Dabei wurde größtenteils bereits ein Sparkurs gefahren: Die Weltklassespieler kamen nur sporadisch zum Einsatz. Vermehrt wurde auf die regionalen Kräfte aus Deutschland, Tschechien und Frankreich gesetzt, die bereits seit Jahren zum Stamm des Teams gehörten und mit vier Aufstiegen in Folge den Verein von der Landesliga bis ins Oberhaus führten.

Drei Niederlagen

Vor beeindruckender Kulisse nahe des Berliner Sony-Centers warteten nun mit Solingen, Deizisau und Aachen drei starke Gegner auf die Haller, und unterm Strich kam es nicht unerwartet, dass alle drei Begegnungen verloren gingen. Vor allem Solingen war mindestens eine Nummer zu groß. Die Klingenstädter lieferten sich ein Duell um die deutsche Meisterschaft mit Baden-Baden. Beide holten 27 von 30 möglichen Mannschaftspunkten. Da verlangen die Regularien der Schachbundesliga ein Entscheidungsspiel über den Titel, das in den nächsten zwei Wochen über die Bühne gehen muss. Gegen die beinahe in Bestbesetzung angetretenen Solinger ging Hall mit 0,5:7,5 unter. Nur Spitzenspieler Ernesto Inarkiev konnte einen halben Achtungspunkt erbeuten.

Chancen hatte sich Halls Teamchef Harald Barg eher gegen die beiden anderen Gegner Deizisau und Aachen ausgerechnet, die in der Tabelle in Halls unmittelbarer Nähe angesiedelt lagen. Letztlich gingen beide Matches knapp mit 3,5:4,5 verloren.

Beim Duell gegen den Reisepartner aus Deizisau, der sich als Aufsteiger bereits als neue Kraft der Liga etabliert hat, schien zwischendurch ein 4:4 durchaus drin. 3:3 stand es, als das Match in die Verlängerung ging. Doch zum Unentschieden hätten die beiden verbliebenen Haller ihre schwierig stehenden Endspiele noch halten müssen, was nur einem gelang: Alexander Raykhman wehrte sich erfolgreich mit allen Kräften gegen den neuen Stern am deutschen Schachhimmel, den 13-jährigen Vincent Keymer. Senior Pavel Zpevak hielt fast sechs Stunden gegen Großmeister Schlosser stand, ließ aber dann mit schwindenden Kräften den Tausch der Damen zu, wonach sein Gegner seinen Vorteil technisch routiniert umsetzen und den knappen Deizisauer Sieg sichern konnte.

Auch am Schlusstag gegen Aufwärts Aachen wollte keine Resultatsverbesserung mehr gelingen, letztlich war der knappe Sieg der Domstädter verdient. Vorentscheidend war die überraschende Niederlage Inarkievs gegen die holländische Nachwuchshoffnung Jorden Van Foreest an Brett 1. Die Bretter 2 bis 6 endeten allesamt mit Remis, wobei die Partie von Mathias Womacka spektakulär mit einem Dauerschach endete. Wiederum war es Pavel Zpevak nicht vergönnt, das schlechtere Endspiel zu halten, womit der Sieg für Aachen sicherstand.

Somit beendet der SK Schwäbisch Hall seine vierte und vorerst letzte Spielzeit in der Bundesliga auf dem achten Platz. Aufgrund des Rückzugs der Haller hält der erste Absteiger MSA Zugzwang aus München doch noch die Klasse.

Nach dem Rückzug spielt der SK Hall in der Bezirksliga

Die Mannschaft des SK Hall wird komplett abgemeldet, es erfolgt also kein Rückzug in die 2. Bundesliga. sodass die jetzige zweite Mannschaft des SK Hall die Rolle der ersten übernehmen wird. Diese ist gerade aus der Landesliga abgestiegen.

Präsident Michael Riedel begründet den gravierenden Schritt mit dem Wegfall der Sponsoren. Das Team war sehr von Privat­sponsoren abhängig, nachdem mehrfache Versuche, langfristig Sponsoren aus der Wirtschaft an den Verein zu binden, misslangen. Intern führte die Konkurrenz mit dem erfolgreichen Haller Frauenteam schon seit geraumer Zeit zu schwelenden Konflikten, die sich nicht mehr lösen ließen. Der jetzige Vorstand des SK Schwäbisch Hall will deshalb in großen Teilen zurücktreten.

Im Juni wird voraussichtlich eine außerordentliche Hauptversammlung zur Neuwahl des Vorstands einberufen, bestätigte Michael Riedel dieser Zeitung. Er rechnet mit einigen Austritten aus dem Verein, der momentan rund 100 Mitglieder hat. fz/ruf