Als STC-Cheftrainer Frank Habermann, seine Sporttasche geschultert, gestern Mittag von seiner Partie Richtung Umkleidekabine geht, läuft er an zufriedenen Oberliga-Spielerinnen des STC vorbei, die noch das Duell von Alexandra-Michelle Drechsler verfolgen. „Wie, ihr habt schon gewonnen?“, fragt er ungläubig. Als er eine knappe Stunde früher selbst auf den Platz muss, liegen die Haller Frauen gegen Schwenningen zwar schon in Führung, doch dann haben sie es eilig.

Julia Junker hat mit einem 6:2 und 6:0 gegen Nina Eisele vorgelegt, ihre Mitspielerinnen haben das wohl als Ansporn verstanden. Dorothee Berreth gewinnt mit 6:1 und 6:0 gegen Jasmin Vorih. Helena Kucera bringt ihrer Kontrahentin Anja Nießner gar die Höchststrafe bei: 6:0 und 6:0. Nach den Einzeln ist die Partie gegen den TC Schwenningen bereits entschieden. Die Resultate entsprechen auch den Spielverläufen. Die Hallerinnen sind besser und variabler. Dorothee Berreth spielt trotz Nieselregens immer wieder mal Serve-and-Volley, hat aber auch bei den Duellen von der Grundlinie häufig das bessere Ende für sich.

Der Gast beweist Fair Play

Nur das Duell der beiden Spitzenspielerinnen ist umkämpft: Monika Keller setzt sich trotz einer am Freitag erlittenen Zerrung im Match-Tie-Break gegen Schwenningens Rebecca Kaineder durch. Eigentlich ist das Spiel dieser beiden erst in der zweiten Runde der Einzel angesetzt. Doch Alexandra-Michelle Drechsler hat Probleme mit ihrem Auto, kommt erst nach 10 Uhr auf die Anlage. Die Regeln besagen, dass alle Einzelspielerinnen eine Viertelstunde vor Spielbeginn anwesend sein müssen. Doch die Schwenningerinnen, die als Tabellenletzte jeden Zähler gebrauchen können, zeigen Fair Play. Sie akzeptieren, dass Drechsler später ankommt und verzichten somit auf einen kampflosen Punkt. „Respekt! So etwas gibt es nur ganz selten“, kommentiert Sportwart Frank Mugele. Letztlich steht ein souveräner 7:2-Erfolg des STC Hall, der damit eine 2:2-Bilanz aufweist. Somit bleibt er im Mittelfeld der Oberliga-Tabelle und hat etwas Abstand zur Abstiegsregion. Zudem wurde die Matchbilanz nach der 0:9-Niederlage beim Spitzenreiter Waiblingen durch den deutlichen Sieg teilweise ausgeglichen.

Die Männer des STC Schwäbisch Hall haben deutlich mehr zu kämpfen. Als Frank Habermann von seinen Spielerinnen über den Sieg unterrichtet wird, stellt er fest: „Wir liegen 2:3 hinten.“ Dabei ist der Gast, der TC Hechingen II, kein Übergegner. Aber Matthias Schnaudigel, Halls Nummer 6, verliert im Match-Tiebreak gegen den schwächer eingestuften Tommy Schempp. Die Haller Männer wirken angespannt. Die Personalsituation ist es auch, da Michael Hrevus verhindert ist. Allerdings aus gutem Grund: Er heiratet. So muss Frank Habermann spielen, obwohl er eine Handgelenksverletzung hat. „Richtig aufschlagen kann ich nicht“, bekennt er vor seinem Einzel gegen Samuel Schiano. Die Verletzung ist auch für die Zuschauer bemerkbar. Habermann macht ungewöhnlich viele Vorhandfehler. Diese kommentiert er lautstark. „Wie eine Bratpfanne hacke ich hier rum!“ Frühzeitig signalisiert er Matthias Bertolini, der auf dem angrenzenden Platz Matthias Schnaudigel coacht, dass er nach dem ersten Satz aufgeben werde, um sich für das Doppel zu schonen. So kommt es auch. Die extrem emotionale Art des STC-Cheftrainers stellt einen krassen Gegensatz zur Haller Nummer 1 dar. Filip Brtnicky spielt souverän seine Partie. Der Tscheche, vor zwei Jahren noch in den Top 800 der Welt, beeindruckt die Zuschauer. „Der kann was“, raunen einige. Stephan Krüger, Spieler und Trainer beim STC, schätzt ihn sogar noch etwas stärker ein als die letztjährige Nummer 1, den Ukrainer Danylo Kalenishenko.

Da der STC Schwäbisch Hall alle drei Doppel gewinnt, siegt er mit 6:3 gegen Hechingen II und hat nun wie die Frauen eine 2:2-Bilanz. Der angestrebte Klassenerhalt ist damit aus eigener Kraft erreichbar.