Moment mal, bitte! Ein Bühlertanner fährt für Deutschland

Nico Schwingenschlögl vom MSV Bühlertann trägt das Trikot der deutschen Mannschaft. Im November wird er in Chile sein Heimatland bei der Enduro-Team-WM vertreten.
Nico Schwingenschlögl vom MSV Bühlertann trägt das Trikot der deutschen Mannschaft. Im November wird er in Chile sein Heimatland bei der Enduro-Team-WM vertreten. © Foto: Ufuk Arslan
Bühlertann / Viktor Taschner 25.08.2018
Motocrosser Nico Schwingenschlögl aus Bühlertann startet im November bei der Team-Enduro-WM in Chile für Deutschland.

Schon im vergangenen Jahr vertrat der Bühlertanner Motocrosser Nico Schwingenschlögl die deutschen Farben bei der Enduro-Team-WM, den „ISDE Sixdays“. Auch für den diesjährigen Wettbewerb ist er nominiert worden. Allerdings braucht er für die Reise nach Chile noch finanzielle Unterstützung.

Herr Schwingenschlögl, Sie sind schon lange Mitglied beim MSV Bühlertann, aber zum Motocross-Sport sind sie auf der arabischen Halbinsel gestoßen. Wie kam es dazu?

Nico Schwingenschlögl: Als mein Vater 1997 in Abu Dhabi eine Arbeit bekam, ging die ganze Familie mit. In Bühlertann hatte ich zuvor schon Motocross ausprobiert, aber ein ernsthaftes Hobby wurde es dann erst in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Aber es ist schon was anderes, in der Wüste zu fahren als in Bühlertann auf Wiesen und in Wäldern …

Ja, natürlich. Das erste Jahr in den Emiraten war ziemlich schlimm für mich. Der Sand in den arabischen Ländern ist eine komplett andere Welt und die riesigen Dünen der größten Wüste der Welt, der Rub al-Chali, sind nicht mit Sand in Deutschland zu vergleichen. Aber schon in der zweiten Saison konnte ich dort von Sieg zu Sieg fahren.

Wann kamen Sie zurück nach Deutschland?

Das war 2003. Ich habe hier meine Ausbildung bei der Firma Würth angefangen, nachdem ich die deutsche Schule in Abu Dhabi beendet habe.

Wie ging es mit der Motocross-Karriere weiter?

Schnell habe ich gemerkt, dass Motocross nicht so meine Stärke ist und mit 1,94 Meter bin ich wohl etwas zu groß dafür. Deshalb wechselte ich in die Enduro-­Szene. Beim Enduro sind lange Beine öfter mal sehr hilfreich.

Im vergangenen Jahr sind Sie dann für die deutsche Mannschaft bei den „ISDE Sixdays“ in Frankreich gestartet, der offiziellen Team-Weltmeisterschaft …

Ja, das stimmt. Dieser Wettbewerb ist wie die Fußballweltmeisterschaft für Enduro-Fahrer. Leider habe ich mir am vierten Tag die Mittelhand gebrochen. Bis dahin lag ich in der Privatfahrer-­Wertung auf einer Silber- oder Bronzeplatzierung.

Wie kam es zu der Verletzung?

Ich saß schon einige Stunden auf dem Motorrad. Die Strecke führte in einen Feldweg. Ich weiß nicht genau, wie es passierte. Ich erwischte im Vorbeifahren einen Baum und merkte sofort, dass die Hand nicht mehr so richtig funktionierte.

War es die schlimmste Verletzung Ihrer Karriere?

(überlegt kurz) Ich hatte zum Glück noch nie was richtig Schlimmes. Aber es war mit Sicherheit die ärgerlichste Verletzung, die ich je hatte.

Vergangene Woche hat Sie der „Deutsche Motor Sport Bund“ wieder für die „ISDE Sixdays“, diesmal in Chile im November, nominiert. Aber es gibt eine große außersportliche Hürde …

Das stimmt. Alles in allem kostet die Teilnahme für einen Privatfahrer zwischen 8000 bis 10 000 Euro, die man selbst aufbringen muss. Chile ist nicht Frankreich, wo wir mit dem eigenen Auto anreisen konnten. Die ersten Zahlungen für Startgebühr und Transport belaufen sich schon auf 2500 Euro – alles noch ohne die Flüge, Material, Betreuerkosten. Deswegen suche ich noch dringend Sponsoren. Auf meiner Website isde2018.com ist beschrieben, wie mich Firmen aus der Region und Freunde unterstützen können.

Wie läuft ein Renntag bei den „ISDE Sixdays“ ab?

Am Start stehen drei Fahrer, meistens aus unterschiedlichen Ländern und Teams, welche gleichzeitig wegfahren. Erst eine Verbindungsetappe mit vorgeschriebener Fahrzeit, dann irgendwo eine Sonderprüfung, die in Motocross-Tempo gefahren wird. Jeden Abend hat man dann etwa 300 Kilometer und acht Stunden Fahrzeit auf dem Buckel.

Und wie setzen sich die Teams zusammen?

Drei Fahrer bilden ein Team und werden nur gewertet, wenn alle drei nach sechs Tagen ins Ziel kommen. Ich bilde ein Team mit zwei Fahrern aus Norddeutschland. Insgesamt werden vier deutsche Privatfahrer-Teams an den Start gehen. Das komplette Teilnehmerfeld bilden dann 650 Fahrer aus rund 30 Nationen.

Wie hält man es acht Stunden auf dem Motorrad aus?

Ich fahre ja nicht den ganzen Tag Vollgas. Ein Fußballspieler sprintet auch nicht 90 Minuten lang. Beim Enduro kann man sich auf der Verbindungsetappe meistens etwas erholen, falls es sich nicht um technisch schwierige Teilstücke handelt. Man muss aber in der vorgeschriebenen Zeit bleiben, sonst gibt es Zeitstrafen. Jede der sechs Sonderprüfungen pro Tag wird aber mit Vollgas gefahren. Erschwerend dabei ist, dass man schon müde ankommt, die Strecke vor vier oder fünf Tagen zum letzten Mal gesehen hat und nicht wie beim Motocross zuvor abfahren darf.

Wie sieht die Vorbereitung bis November aus?

Das ist für Fahrer aus dem Süden schwierig. Enduro fahren kann man eigentlich nur im Norden Deutschlands. Wegen der Trockenheit sind kürzlich zwei Läufe zur deutschen Enduro-Meisterschaft wegen Waldbrandgefahr abgesagt worden. Ich fahre jetzt vermehrt GCC-Rennen, die über zwei Stunden gehen. Ich kann aber jetzt nicht stundenlang durch den Wald fahren – die Jäger würden das nicht mögen und deswegen lässt sich Enduro an sich bei uns gar nicht trainieren.

Fahren Sie eigentlich auch im Straßenverkehr Motorrad?

Nein, wir haben nur einen Roller. Meine Mutter meint, dass sie sich an den Wochenenden schon genug Sorgen machen muss. Mir selbst ist es auf der Straße auch zu gefährlich. Und aufgrund meiner Körpergröße würde ich auf einem Straßenbike sowieso ziemlich doof aussehen (lacht).

Steckbrief Nico Schwingenschlögl

Geburtstag: 22. Oktober 1984
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Bühlertann
Familienstand: ledig
Beruf: Groß- und Einzelhandelskaufmann
Hobbys: Motocross, Radfahren, Laufen, Snowboarden
Bisherige Stationen: MSV Bühlertann (seit rund 30 Jahren)
Größte sportliche Erfolge: deutscher Enduro-Pokal Platz 3 (2016), GCC-Meisterschaft Platz 3 (2016), Teamfahrer Deutschland bei den „ISDE Sixdays“ in Frankreich (2017), momentan Platz 7 in GCC-Cross-Country in der Pro-Klasse

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel