Schach Doppeltes Glück und Aufregung

Hamburg / Hartmut Ruffer 14.03.2018

Es war für uns das bisher spannendste Wochenende in der Bundesliga“, berichtet ein immer noch merklich mitgenommener Harald Barg. Der Mannschaftsführer des SK Schwäbisch Hall erlebte zwei 4,5:3,5-Siege seines Teams, obwohl an beiden Tagen Niederlagen wahrscheinlich waren. „Zuletzt hatten wir häufiger Pech, diesmal aber hatten wir richtig Dusel“, bekannte Barg.

Angetan zeigten sich die Spieler und Betreuer vom neuen Spiel­ort der Hamburger. Der HSK bat erstmals in der Schule für Medien und Kommunikation an die Bretter. „Wir spielten in einem riesengroßen Saal“, freute sich Barg, „alles war perfekt organisiert.“

Der Hamburger SK, der erste Gegner des SK Schwäbisch Hall am vergangenen Wochenende, wollte eigentlich mit so ziemlich der stärksten Aufstellung antreten. Schließlich befindet sich der Traditionsklub in Abstiegsgefahr. Aber es kam anders: Am Freitag brach sich Jan-Krysztof Duda, polnischer Großmeister mit mehr als 2700 Elo-Punkten (siehe Stichwort), den Fuß. Damit fiel Hamburgs Nummer 1 aus, die Gastgeber mussten notgedrungen umstellen.

Postny verwirrt den Gegner

Dennoch hätte es beinahe zum Sieg gegen Schwäbisch Hall gereicht. Der Niederländer Sipke Ernst stand gegen Evgenij Postny, den Israeli in Haller Diensten, klar besser. Der Computer zeigte aus Sicht von Postny eine -6. Normalerweise bedeutet das eine Niederlage. „Doch durch schnelle Züge hat Postny seinen Gegner verwirrt und doch noch das Remis geschafft“, berichtet Harald Barg. Durch Postnys unverhofftes Unentschieden gewinnt Hall doch noch mit 4,5:3,5 gegen den Hamburger SK.

Tags darauf gegen das sieglose Schlusslicht Norderstedt ist Postny nicht mehr dabei. „Er hatte einen dringenden Termin“, so Barg. Davon wussten die SK-Verantwortlichen und überlegten, ob sie einen weiteren Spieler einfliegen lassen, „aber wir haben schon mit allen gespielt, die zur Verfügung standen“. So blieb Postnys Platz unbesetzt beziehungsweise so wollten es die Haller handhaben, erklärt Barg. Das erlauben aber die Statuten nicht. So stand doch Postnys Name auf der Liste. Das wiederum überraschte den israelischen Großmeister. Er schrieb eine Stellungnahme, die auf der Webseite der Schachbundesliga veröffentlicht wurde. „Ich habe zum ersten Mal in meiner Laufbahn eine Partie kampflos verloren. Die Führung meines Vereins SK Schwäbisch Hall wusste im Vorfeld, dass ich an diesem Spiel nicht würde teilnehmen können, stellte mich aber am Sonntag dennoch auf, ohne hierzu meine Zustimmung erhalten zu haben. Dahinter stand keine Absicht, damit das Team des SK Norderstedt oder insbesondere meinen Gegner Fide-Meister Benedict Krause zu beleidigen.“ Barg räumt den Fehler ein. „Ja. Mist.“

Glück für Gharamian

So gingen die Schwäbisch Haller gegen Norderstedt mit einem 0:1-Rückstand in die Partie. Erneut haben sie Glück. Diesmal gerät der Franzose Tigran Gharamian in eine Verluststellung, aus der er sich gerade noch herauswinden kann. So schafft es Hall, doch noch mit 4,5:3,5 zu gewinnen. „Wir sind saufroh“, bekennt Harald Barg. Denn angesichts der schwierigen Gegner bei der zentralen Endrunde in Berlin (Solingen, Deizisau und Aachen) hätte Hall noch in Abstiegsgefahr geraten können. So kann der SK relativ entspannt in die letzten drei Saisonspiele gehen.

Das gilt nicht für den Titel- und den Abstiegskampf. Die SG Solingen verlor gegen den Tabellendritten Hockenheim und musste damit die Tabellenführung an die OSG Baden-Baden abgeben. Im Tabellenkeller überraschte die MSA Zugzwang mit dem Sieg über Berlin.

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