Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer  Uhr
Erstmals spielt der SK Schwäbisch Hall im Optima-Sportpark. Zu Gast sind an diesem Wochenende der SV Werder Bremen und der SV Mülheim Nord.

Der Name SV Werder Bremen ist vielen Sportinteressierten bekannt, vor allem natürlich wegen seiner Fußballer. Noch stärker gilt das für den FC Bayern München. Was beide Vereine eint: Sie haben auch ein Team in der Schach-Bundesliga. Was sie unterscheidet: Der Umgang mit den Denksportlern. Den Münchnern haftet immer noch der Ausspruch des Fußball-“Kaisers“ Franz Beckenbauer an, der leicht despektierlich von den „Klötzchenschiebern“ sprach. Beim SV Werder dagegen geht die Wertschätzung so weit, dass die grün-weißen Schachspieler ihre Heimpartien in einer Loge des Weserstadions austragen dürfen.

Der SK Schwäbisch Hall war bereits dort zu Gast, Mannschaftsführer Harald Barg geriet bei der Atmosphäre in der Hansestadt ins Schwärmen – und das, obwohl die Haller regelmäßig keine Punkte aus dem Norden mitnahmen. Nun kommen die Bremer in die Kocherstadt. Passenderweise findet diesmal der Doppelspieltag im Haller Stadion statt. In der Business-Lounge des Optima-Sportparks wird mit Blick auf den Rasen gespielt. „Natürlich sind wir auch aufgeregt, wie wir alles im Stadion hinkriegen“, gibt Barg zu. Schließlich muss in der Schach-Bundesliga auch technisch einiges im Vorfeld erledigt sein, da die Spiele im Internet übertragen werden.

Ziel sind zwei Punkte

Sportlich ist es ein richtungsweisendes Wochenende. Bremen hat bislang 6:2 Punkte, Hall 4:4, der SV Mülheim Nord 3:5. Würde Hall beide Partien gewinnen, hätte der SK wieder Tuchfühlung zur Spitzengruppe. Doch Barg dämpft die Erwartungen: „Ziel sind am Wochenende zwei Punkte . Alles andere wäre Überraschung.“

Es gibt gute Gründe dafür, dass der Mannschaftsführer dies sagt. Zum einen ist Werder per se ein starker Gegner, zum anderen kann Hall nicht seine Top-Mannschaft aufbieten. Das ist auch dem Gegner nicht verborgen geblieben. Auf der Werder-Homepage heißt es dazu: „Auf Ernesto Inarkiev und Maxim Matlakow kann Schwäbisch Hall nicht zurückgreifen, weil beide bei den zeitgleich stattfindenden russischen Meisterschaften am Start sind.“ Wichtige Einzelturniere oder Meisterschaften laufen häufiger parallel zu den Bundesliga-Terminen, so dass die Mannschaften gezwungen sind, ihre Aufstellung zu verändern.

Auch wenn Harald Barg wie üblich die Aufstellung nicht verraten möchte, lässt er durchblicken, dass sein Team tatsächlich nicht in Bestbesetzung spielen wird. Er baut auf seine süddeutschen Regionalspieler. „Sie bekommen die Chance, gegen deutlich stärkere Spieler etwas zu zeigen.“ Gegen Hockenheim führte das zu einer Niederlage, diesmal orientiert sich Barg an Franz Beckenbauer. Statt „Schaun mer mal“ meint er „Mal sehen...“

Am Sonntag geht es gegen den SV Mülheim Nord. Dort rechnet sich Hall die besseren Chancen aus. Der Gegner habe zwei Gesichter, so Barg. „Die spielen mal bärenstark, mal mit ihrer Jugendabteilung.“ Bekanntester Akteur bei den Mülheimern ist David Navara. Der tschechische Großmeister (Elo-Zahl 2737) gilt als ein Spieler, der mit kreativen Lösungen überrascht, so Barg. Darüber wird sich Navara in seiner Muttersprache austauschen können, denn Schwäbisch Hall, Bremen und Mülheim haben einige Tschechen in ihren Reihen. So könnte es in Schwäbisch Hall zu einem wahren „Tschechen-Treffen“ kommen.

Info SK Schwäbisch Hall – SV Werder Bremen, Samstag, 14 Uhr
SK Schwäbisch Hall – SV Mülheim-Nord, Sonntag, 10 Uhr, jeweils im Optima-Sportpark
Alle Spiele live unter www.schachbundesliga.de