Seit fünf Jahren ist Frank Habermann Cheftrainer des STC Schwäbisch Hall. Er ist ein vielbeschäftigter Mann. Im vergangenen Jahr hat der Verein nach eigenen Angaben seine Mitgliederzahl um zehn Prozentpunkte auf mehr als 600 gesteigert. „Wir haben fünf Trainer, drei davon hauptberuflich. Die Zahl der Trainingsstunden hat sich, seitdem ich hier bin, um 150 Prozent gesteigert.“ Teilweise mussten Stunden auf die Plätze der Post-SG ausgelagert werden. Um die Nachfrage zu befriedigen, baut der Verein momentan zwei weitere Plätze.

Das alles klingt nach einer Erfolgsgeschichte in Zeiten, in denen Tennis nicht gerade boomt. Einerseits ist es das auch, andererseits spricht Frank Habermann von einem „schleichenden Problem“. Denn obwohl es neue STC-Mitglieder gibt und darunter auch viele Kinder sind, will ein Verein wie der STC auch dem ambitionierten Nachwuchs die Chance geben, höherklassig zu spielen. „So etwas braucht ein Verein schon“, glaubt Habermann. Talentierte Jugendliche gebe es einige, „aber nur wenige, die die Richtung Leistungssport einschlagen oder einschlagen wollen.“ Die Ursachen tangieren nicht nur Tennis: Ganztagsschule ist nur eines von mehreren Stichworten. „Viele Jugendliche probieren auch einfach mehrere Sportarten aus“, so Habermann. Und nur selten erfolgt dann die Konzentration auf eine.

Neue Nummer 1

Deshalb spricht Habermann von einer „ganz, ganz schwierigen Saison“ für die Frauen des STC, die in der Oberliga zum Auftakt beim TV Reutlingen 2 spielen. Mit der Tschechin Petra Rohanova präsentiert der STC eine neue Nummer 1. Die 23-Jährige war zu ihrer besten Zeit (Dezember 2014) auf Rang 634 der Weltrangliste notiert. Da sie an diesem Wochenende verhindert ist, springt noch einmal die langjährige Nummer 1 Martina Sucha ein. Nominell gibt es beim Frauenteam keine Veränderungen, allerdings werden Alexandra-Michelle Drechsler und Laura Rupp studienbedingt nur wenige Partien absolvieren können. Da beginnt für den STC das Problem. Die Spielerinnen auf den Nachrückerpositionen haben momentan nicht die Leistungsstärke, als dass der STC auf regelmäßige Punkte hoffen könnte. „Es muss ein Umbruch kommen, deshalb ist das nicht ganz so dramatisch“, so Frank Habermann. „Wir hoffen, dass die Nachrückerinnen mit den Aufgaben wachsen.“ In der Oberliga spielen diesmal sechs statt sieben Teams. Der Klassenerhalt wäre ein großer Erfolg für den STC.

STC 2 in der Bezirksoberliga

Bei den Männern sieht es etwas besser aus, zumindest im Unterbau. Die zweite Mannschaft, die fast ausschließlich aus 17- oder 18-Jährigen besteht, spielt in der Bezirksoberliga und damit nur eine Ligastufe unter der ersten Mannschaft. Diese erwartet zum Auftakt der Verbandsligarunde den TC Weißenhof. „Wir haben eine ziemlich starke Gruppe erwischt“, meint Habermann. Mit Torben Stein gibt es einen jungen Zugang aus der zweiten Mannschaft von Bad Friedrichshall, sonst ist der Kader unverändert.

Doch auch bei den Männern muss Habermann einiges kompensieren. Tobias Albig kommt erst heute aus den USA zurück, hat dort berufsbedingt zwei Monate kaum einen Tennisschläger in der Hand gehabt. Michel Hrevus, Halls Nummer 2, hat geheiratet und wird nicht mehr so oft wie in der Vergangenheit zu den Spielen anreisen. Immerhin ist Habermann selbst nach zwei Knie-Operationen wieder richtig fit, hat zuletzt einige Turniere spielen können und wird auch für den STC aufschlagen.

Doch leicht wird es auch für die Haller Männer nicht, die Liga zu halten. Sieben Teams umfasst die Verbandsliga, mindestens die letzten beiden müssen nach Rundenende absteigen.

Im Breitensportsegment ist der STC hervorragend aufgestellt. Im Leistungsbereich hofft man, auch in Zukunft in der Ober- beziehungsweise Verbandsliga spielen zu können.

Info


STC Schwäbisch Hall (Männer) – STC Weißenhof, Sonntag, 10 Uhr, STC-Anlage am Schenkensee