Der Gegner hat noch einen allerletzten Versuch. Vier Sekunden zeigt die Spieluhr noch an. Die Haller Fans brüllen was das Zeug hält, es steht 42:34. Frankfurt Quarterback Steven Cluley wirft den Ball durch die Mitte. Doch da steht Cody Pastorino und fängt den Wurf ab. Der Haller Routinier streckt den Ball jubelnd in die Höhe, bevor er in einer riesigen Spielertraube untergeht. Die Unicorns sind nach diesem knappen Sieg wieder Meister der GFL-Süd, zum zehnten Mal in ihrer Geschichte. Damit sichern sich die Haller das Heimrecht in den Playoffs – sowohl für das Viertelfinale als auch im möglichen Halbfinale.

Robitaille gibt Gas

Es ist Pastorinos zweite Interception an diesem Sonntagnachmittag, die den Unicorns den Erfolg sichert. Trotzdem möchte der Safety nach Spielende nicht die imaginäre Kettensäge anwerfen – das Siegesritual der Haller. Er überlässt das dem anderen Spieler des Tages: Nate Robitaille. Drei Touchdowns verbucht der Wide Receiver im Topspiel gegen seinen Ex-Club. Gleich mehrmals entwischt er seinem Gegenspieler für einen satten Raumgewinn. Bei seinem ersten Touchdown zum 14:7 feuert der ebenfalls starke spielende Quarterback Jadrian Clark den Ball Richtung Robitaille durch die Mitte. Der Ball fliegt direkt neben den Helm von Robitaille mit einer hohen Geschwindigkeit. Der Haller Receiver ahnt nur, woher der Ball kommt und greift reflexartig zu. Er fängt ihn tatsächlich und schüttelt dabei auch noch drei Verteidiger ab. „Ich weiß nicht, wie ich den fangen konnte“, gibt Robitaille mit einem Schmunzeln zu. Bei seinen anderen Touchdown setzt er sich mit Tempo ab und enteilt seinem Bewacher.

Nicht nur die Haller Offense weiß an diesem Nachmittag zu überzeugen. Die 3284 Zuschauer im Sportpark sehen einen Frankfurter Angriff, der an diesem Tag ebenbürtig ist. Universe-Quarterback Cluley verteilt die Bälle gut. Vor allem Running Back Justin Rodney drückt dem Spiel seinen Stempel auf, indem er sogar über die Verteidiger springt (ein so genannter Hurdle).

Probleme an diesem Tag bekommen die beiden Abwehrreihen, wobei die Frankfurter in der ersten Halbzeit öfters Fehler machen. Mal sind sie unaufmerksam und lassen Robitaille ungehindert davonziehen (20:7), oft kassieren sie auch wegen Undiszipliniertheiten Strafen. Die Unicorns nutzen das bis zur Halbzeit aus und gehen mit 34:14 in die Pause. Beide Team liefern sich schon da ein Duell auf hohem Niveau mit spektakulären Aktionen. So gut wie gar nicht müssen sich die Teams per Befreiungskick vom Ball trennen.

American Football in Schwäbisch Hall Unicorns holen sich gegen Frankfurt den GFL-Süd-Meistertitel

Dass Universe das Prestigeduell nicht herschenken will, belegen die Gäste mit ihrem zweiten Spielzug nach der Halbzeit.

Justin Rodney lässt alle stehen und sprintet an der rechten Außenlinie zum Touchdown. Hall antwortet zunächst mit einem guten Kick-Return von Robitaille. Danach läuft Quarterback Jadrian Clark über das halbe Feld um am Ende den Touchdown selbst zu machen. Auch die Two-Point-Conversion klappt, sodass Hall Mitte des dritten Viertels 42:21 und damit drei Touchdowns in Front liegt.

Aber auch in dieser Lage zeigt Frankfurt Kampfgeist. Cluley läuft selbst zum 42:27, der Kick geht jedoch daneben. Kurz danach steht Frankfurt bei einem vierten Versuch 30 Yards vor der Haller Endzone. Der lange Ball wird nicht gefangen, weil er eigentlich viel zu hoch angesetzt ist. Die Schiedsrichter entscheiden jedoch auf Passbehinderung. Die Haller Fans buhen, was das stets faire Football-Publikum nur ganz selten macht. Frankfurt bekommt neue vier Versuche. Rodney verkürzt auf 42:34.

Für Aufregung sorgt im letzten Viertel eine weiteren Entscheidung der Referees. Beim vierten Versuch und ein Yard zu gehen schmeißt sich Jadrian Clark mit dem Ball nach vorne. Ein großer Pulk aus Gegner und Mitspielern drückt auf Clark. Hat er das fehlende Yard im Getümmel überbrückt? Die Schiedsrichter sagen nein, also erhält Frankfurt den Ball.

Defense hält spät dagegen

Am Ende rückt die Haller Defense, die sich über lange Zeit schwer tut, in den Mittelpunkt. Bei noch vier Minuten braucht Universe nur einen Touchdown mit Two-Point-Conversion, um auszugleichen. Frankfurt kommt auch wieder nah an die Endzone heran. Die Unicorns-Defense, angetrieben vom Lärm der Haller Fans, schafft es 28 Sekunden vor Schluss, den Touchdown zu verhindern. Da Frankfurt aber noch drei Auszeiten hat und Hall kein First Down schafft, bekommen die Gäste elf Sekunden vor Schluss den Ball an der Mittellinie. Nach einem Pass zur Seite sind es noch 28 Yards und vier Sekunden. Spätestens jetzt spürt man das Kribbeln wie bei einem Playoff-Spiel. Als Pastorino den Sieg sichert, steht die komplette Haupttribüne und beklatscht den neuen Südmeister, der sich mal wieder gegen sehr starke Frankfurter durchgesetzt hat.

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Rothenburg ob der Tauber

So spielten sie


Schwäbisch Hall Unicorns –
Frankfurt Universe

42:34

Punkte für Schwäbisch Hall: 
Jadrian Clark (12), Tim Stadelmayr (4),
Nathaniel Robitaille (18),
Samuel Shannon (6)
und Brandon Kohn (2)

Viertel: 20:7 / 14:7 / 8:13 / 0:7

Alle Punkte: 7:0 – Jadrian Clark – 2-Yard-Lauf (PAT Tim Stadelmayr)
7:7 – Justin Rodney – 8-Yard-Lauf (PAT Marius Duis)
14:7 – Nathaniel Robitaille – 24-Yard-Pass von Jadrian Clark (PAT Tim Stadelmayr)
20:7 – Nathaniel Robitaille – 58-Yard-Pass von Jadrian Clark (PAT missed)
20:14 – Anthony Mahoungou – 16-Yard-Pass von Steven Cluley (PAT Marius Duis)
27:14 – Nathaniel Robitaille – 65-Yard-Pass von Jadrian Clark (PAT Tim Stadelmayr)
34:14 – Samuel Shannon – 10-Yard-Lauf (PAT Tim Stadelmayr)
34:21 – Anthony Brooks – 72-Yard-Pass von Steven Cluley (PAT Marius Duis)
42:21 – Jadrian Clark – 2-Yard-Lauf (CON Brandon Kohn)
42:27 – Steven Cluley – 1-Yard-Lauf (PAT missed)
42:34 – Justin Rodney – 6-Yard-Lauf (PAT Marius Duis)