Moment mal, bitte! „Wir können es auch“

Lukas Petermann konzentriert sich auf seinen Aufschlag.
Lukas Petermann konzentriert sich auf seinen Aufschlag. © Foto: Achim Köpf
Michelfeld / Hartmut Ruffer 07.04.2018

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Dass Lukas Petermann für den TTC Gnadental wieder in der Oberliga am Tisch steht, war bei seiner Rückkehr vor vier Jahren nicht geplant. Nun will der 34-Jährige mit dem TTC an diesem Wochenende den Klassenerhalt auch rechnerisch klarmachen.

Herr Petermann, an diesem Sonntag ist Ettlingen zu Gast. Holt Gnadental mindestens einen Punkt, hat es die Klasse gehalten. Ist es Ihnen wichtig, ob sie Ober- oder doch Verbandsliga spielen?

Lukas Petermann: Oh ja, das ist für mich schon ein Unterschied. Ich bin noch nicht der Älteste von uns Spielern und möchte schon so hochklassig wie möglich spielen. Und ich gehe davon aus, dass es bei den anderen Jungs ganz ähnlich aussieht.

Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass der TTC gegen Ettlingen, momentan als Fünfter einen Platz vor Gnadental, erfolgreich ist?

Wir haben gute Chancen, denn wir sind alle sechs aktuell gut drauf. Valeriy (Rakov, Spitzenspieler beim TTC, Anm. d. Red.) ist gerade richtig super und auch ich spiele meine beste Rückrunde seit langer Zeit. Wir können diesen einen Punkt holen.

Beinahe hätte es im Derby gegen Satteldorf schon geklappt, am Ende stand aber eine 7:9-Niederlage. Inwieweit lag es am Schlussdoppel?

Daran lag es ganz sicher nicht, denn das Satteldorfer Duo Gabriel Stephan/Heiko Bärwald ist das stärkste Doppel, das es in der Oberliga gibt. Es lag eher an meinem Doppel mit Lukas Kramer. Wir führten im fünften Satz schon mit 9:6, haben aber noch verloren. Hätten wir gewonnen, hätten wir schon 3:1 geführt, so mussten wir immer ein bis zwei Punkten Rückstand hinterherlaufen.

Sie haben in der Rückrunde von fünf Fünf-Satz-Partien lediglich eine verloren. Woher kommt die Nervenstärke?

Ich kann den aktuellen Spielstand ausblenden, schaue auch gar nicht auf die Anzeige. Klar weiß ich im Unterbewusstsein, wie es steht, aber ich habe damit kein Problem. Prinzipiell mag ich es, wenn der Spielstand eng ist. Aber es ist auch angenehm, bei einer 6:2-Führung der Mannschaft an den Tisch zu gehen.

Sie sind vor einigen Jahren zum TTC zurückgekehrt, waren damals aber gar nicht für die Oberliga eingeplant.

Das stimmt. Klaus Mack rief mich an, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm in der zweiten Mannschaft zu spielen. Damals war sie in der Bezirksliga, das Ziel war aber, dass sie höher spielte. Ich sagte zu, da mit Uwe Zeisberger viele der ehemaligen ersten Mannschaft in der zweiten aktiv waren. Das reizte mich, zudem sind die Trainingsbedingungen beim TTC einfach gut.

Der Plan ging auf, die zweite Mannschaft stieg zweimal in Folge auf, spielt nun in der Verbandsklasse. Wie kam es dazu, dass Sie wieder in der Oberliga spielen?

Zunächst war es so, dass die Position 6 im Wechsel mit Klaus, Uwe und mir besetzt wurde. Dann aber hörte Nick Westendorf auf Die Rotation war nicht mehr möglich, denn bei mehreren Einsätzen in der ersten Mannschaft darf man nicht mehr für die zweite spielen. Wir mussten also etwas ändern.

Sie wurden gefragt, ob Sie dauerhaft in der Oberliga spielen wollen. Haben Sie gezögert, ja zu sagen?

Nein. Klar spielt man Oberliga nicht einfach so aus der Hosentasche. Ich habe mehr trainiert, schließlich kommen bei den Heimspielen ja auch ein paar Zuschauer (lacht). Da wollte ich schon Leistung bringen.

Dann verließ Peng Gao den Verein. Der TTC stand vor dieser Saison ohne seinen langjährigen Spitzenspieler da. Gnadental galt als Abstiegskandidat. Doch nach außen hin wirkt es so, als sei die Mannschaft zusammengerückt. Stimmt der Eindruck?

Ja, früher haben wir uns viel zu sehr auf Peng verlassen. Wir wussten, dass er Punkte holt. Jetzt können wir in keinem Paarkreuz mit „sicheren“ Punkten rechnen. Jeder schaut auf sich, will Leistung zeigen. So sind wir zusammengerückt.

Mit Valeriy Rakov scheint es auch menschlich zu stimmen. Daniel Horlacher meinte, auf „Vale“ lasse er nichts kommen.

Das unterschreibe ich. Vale ist ein starker Spieler, aber auch ein Mensch, der Spaß versteht – und das muss man, wenn man bei uns spielt (lacht). Er ist keiner, der nur zum Spielen herkommt, sondern geht beispielsweise auch mit uns essen. Was Daniel angeht: Er stand immer im Schatten von Peng, das ist nicht mehr so. Früher gab es nur Peng, Peng, Peng. Wo auch immer wir angetreten sind, hieß es: Da kommt Peng Gao mit seinem Team. Jetzt heißt es: Es kommt der TTC Gnadental. Und wir stellen fest, dass wir es auch können. Wir müssen zwar kämpfen, aber das tun wir bis zum Schluss.

Sie waren früher auch ein guter Fußballer, haben mit dem späteren Profi Marco Sailer (der u.a. zwei Jahre Bundesliga mit Darmstadt 98 gespielt hat; Anm. d. Red.) in der Jugend in Heilbronn gespielt. Wurmt Sie das, dass Sie es im Gegensatz zu ihm nicht geschafft haben?

Nein, spätestens nach der vierten Knie-Operation war das kein Thema mehr für mich.

Werden wir Sie auch in der kommenden Saison beim TTC Gnadental sehen?

Aber sicher. Zumindest, solange ich kein Angebot aus der Bundesliga bekomme (lacht).

Steckbrief Lukas Petermann

Geburtstag: 5. September 1983
Geburtsort: Zabrze (Hindenburg)
Wohnort: Öhringen
Familienstand: verheiratet
Beruf: Lagerist
Hobbys: Tischtennis, Fußball, Familie
Bisherige Stationen: (Tischtennis) TSG Öhringen, SpVgg Satteldorf, TTC Gnadental
Größter sportlicher Erfolg: Aufstieg mit dem TTC Gnadental in die Oberliga