Moment mal, bitte! „Wie bei einem Computer“

Friedrich Burkert beim Training in Eckartshausen.
Friedrich Burkert beim Training in Eckartshausen. © Foto: Ufuk Arslan
Ilshofen / Hartmut Ruffer 08.12.2018

Seit mehr als 40 Jahren schießt Friedrich Burkert für den SV Eckartshausen. Der 57-Jährige ist immer noch eine feste Größe der Luftpistolenschützen in der 2. Bundesliga. An diesem Wochenende will er dazu beitragen, dass beim Heimwettkampf die Weichen für den erneuten Klassenerhalt des SVE gelegt werden – auch wenn er der Regionalliga einiges abgewinnen kann.

Herr Burkert, an diesem Sonntag sind die SGi Ludwigsburg II und der SV Oberkirch zu Gast. Ludwigsburg hat wie Eckartshausen 2:4 Punkte, Oberkirch 0:6. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Friedrich Burkert: Beide Gegner sind machbar für uns. Gegen Oberkirch treten wir zum ersten Mal an, Ludwigsburg II ist ebenfalls aus der Regionalliga heraufgekommen. Vor einigen Jahren haben wir mal gegen Ludwigsburgs Erste geschossen, die mittlerweile in der 1. Bundesliga ist.

Die Gegner kennen also die Anlage in Eckartshausen kaum. Ist das ein Problem?

Fremde Schießbahnen können ihre Tücken haben. Als Schütze muss man sich an die Lichtverhältnisse gewöhnen. Dazu kommen noch spezielle Faktoren. Als wir in Oberkirch geschossen haben, gab es dort eine Fangruppe mit Trommeln. Das war ziemlich laut. Auch damit muss man klarkommen.

Das hört sich vielleicht einfach an. Wie schwer fällt es Ihnen, so etwas auszublenden?

Ich schaue nicht auf meinen Nachbarn und auch nicht auf den Bildschirm. Ich konzentriere mich nur aufs Schießen. Wie der Gegner geschossen hat, weiß ich erst, wenn ich fertig bin. Wenn es bei mir nicht läuft, schließe ich die Augen und rede mit mir selbst.

Das ist im Prinzip autogenes Training. Wann haben Sie sich das angeeignet?

Günter Wüstemeyer, der Teamchef des Bundesligisten Waldenburg, hat vor vielen Jahren ein Seminar mit einem Weltmeister aus den USA organisiert. Dort habe ich das mitgenommen.

Nicht jedem fällt es leicht, dies auch so konsequent anzuwenden.

Das ist schon richtig, aber für mich gilt: Wenn ich auf den Gegner schaue, dann geht der Puls hoch. Und das soll nicht sein.

Mancher Schütze hat einen erhöhten Puls, weil er seine 40 Schuss nicht für sich abgibt, sondern sich mit einem Gegner duelliert. Wer mehr Ringe erzielt, gewinnt. Was sagen Sie zu dieser Wettkampfform?

Früher ist mir das leichter gefallen. Je älter ich werde, desto schwieriger wird es (lächelt). Die Konzentration lässt nach. Vieles ist zudem abhängig von der Tagesform.

Spüren Sie schon beim Einschießen, ob es ein guter Wettkampf werden kann?

Nein. Ich kann die beste Probe schießen und dann läuft es doch nicht. Erst im Wettkampf spürt man, in welche Richtung es gehen wird.

Wer noch nie einen Schieß-Wettkampf beobachtet hat, könnte glauben, dass Schützen mit ihren 40 Schuss schnell fertig sind. Doch diese müssen jeden Schuss neu ansetzen. Das verlangt Kondition und Konzentration. Und nicht bei jedem Anlegen wird auch geschossen, oder?

Bei weitem nicht! Bei 40 Schuss muss man bestimmt doppelt so häufig ansetzen. Es kann passieren, dass mir drei, vier Schüsse in Serie sauber gelingen und dann setze ich beim nächsten drei- oder viermal an. Ich brauche die Konzentration für den richtigen Moment zum Abdrücken. Dauert es zu lange, geht der Schuss daneben.

Dabei geht es um Millimeter-Bruchteile, ob der Schuss eine 10 oder eine 8 wird.

Das ist in der Tat so. Deshalb bin ich der Meinung, dass so ein Bewegungsablauf wie bei einem Computer eingespeichert sein muss. Wenn ein Schütze das verinnerlicht hat, kann er es immer wieder abrufen, alles läuft dann automatisiert ab.

Der Kopf spielt also eine wichtige Rolle.

Genauso ist es. Ich darf nicht denken: Oh, ich habe bis jetzt noch keinen Achter geschossen. Wenn ich diesen Gedanken habe, dann treffe ich beim nächsten Schuss ziemlich sicher die 8. Man denkt daran und der Kopf setzt es um.

Sie schießen in dieser Runde an Position 1, treten also immer gegen den besten der gegnerischen Mannschaft an. Werden Sie auch bei beiden Duellen an diesem Sonntag antreten?

Zwei Wettkämpfe hintereinander sind für mich sehr hart. Eventuell verzichte auf das zweite Duell. Andererseits wäre das taktisch schwierig, da dann alle anderen unserer Schützen um eine Position nach vorne rutschen. Schieße ich dagegen auch das zweite Duell, verliere ich vielleicht, bilde aber damit auch einen Puffer für die anderen.

Der SV Eckartshausen hält sich mittlerweile seit sechs Jahren in der 2. Bundesliga – und das, ohne Schützen einzukaufen. Wie schwer wöge ein Abstieg?

Natürlich schießt man eine Ligastufe niedriger „leichter“. Und der Spaßfaktor ist sicher auch höher, wenn man öfter gewinnt (lacht). Aber dennoch sind wir gerne in der 2. Bundesliga.

Gibt es Jugendliche, die in das Team hineinwachsen?

Das ist momentan ein Problem. Früher hatten wir mehrere, die deutsche Meistertitel, ob im Einzel oder im Team, geholt haben. Es gab Zeiten, da war unsere zweite Mannschaft, in der unser Nachwuchs geschossen hat, stellenweise besser als wir. Wir hatten talentierte Junge, doch wegen des Berufs oder des Studiums haben sie aufgehört. Das ist schade. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sie später zurückkehren werden.

Steckbrief Friedrich Burkert

Geburtstag: 22. Mai 1961
Geburtsort: Ilshofen
Wohnort: Eckartshausen
Familienstand: ledig
Beruf: Flaschner, Installateur
Hobbys: Schießsport, Kochen
Bisherige Stationen: seit 1977 SV Eckartshausen
Größte sportliche Erfolge: mehrfache Teilnahme an deutschen Meisterschaften, Landesmeister

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel