Ehemaliger Unicorn im Interview Dresden-Trainer Ulz Däuber vor dem Playoff-Halbfinale

Ulz Däuber ist seit November 2017 Headcoach bei den Dresden Monarchs.
Ulz Däuber ist seit November 2017 Headcoach bei den Dresden Monarchs. © Foto: Stefan Brock
Dresden/Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 01.10.2018
Ulz Däuber ist aus Schwäbisch Hall über eine Trainerstation in den USA kam er zu den Dresden Monarchs. Im Interview spricht er über das anstehende Halbfinale

Er ist der Haller, der die Haller stoppen will: Ulz Däuber. Der 48-Jährige ist der Deutsche mit der wohl längsten College-Erfahrung im Football. 18 Jahre war er in den USA, aber die Bindung zur Kocherstadt und zu den Unicorns war trotz der geografisch großen Entfernung immer stark. Nun aber steht er auf der anderen Seite. In seiner ersten Saison als Headcoach der Dresden Mo­narchs will er an diesem Samstag in den German Bowl einziehen.

Herr Däuber, dieses Spiel kann doch nur ein besonderes sein, oder?

Ulz Däuber: Natürlich. Das ist nicht nur Nostalgie. Ganz fremd ist mir das Gefühl, auf der anderen Seite zu stehen aber nicht. Ich habe zweimal mit Platteville Freundschaftsspiele gegen die Unicorns absolviert. Aber es ist außergewöhnlich, dass ich vom Gegner die Hälfte des Coaching Staff sehr gut kenne. Es ist schön, dass sich diese Menschen so gut entwickelt haben. Deshalb freue ich mich auch auf diese Partie.

Gab es Reaktionen, als bekannt wurde, dass sie Headcoach der Monarchs werden?

Es gab einige. Beispielsweise bekam ich von Christian Rothe eine Nachricht. Ihn kenne ich schon seit der Zeit, als er bei mir in der Unicorns-Jugend Spieler war. Er schrieb, dass wir Braunschweig schlagen sollen und wir uns dann in Berlin bei seinem mutmaßlich letzten Spiel treffen. Nun begegnen wir uns eben zwei Wochen früher.

Sie sagten, dass Sie gar nicht damit gerechnet haben, in dieser Saison auf Hall zu treffen. Das überrascht, schließlich sind die Monarchs ein regelmäßiger Play-off-Teilnehmer.

Als ich nach Dresden kam, haben wir einiges neu gemacht. Und so etwas umzusetzen, braucht Zeit. Es wäre vermessen von mir gewesen, zu sagen, wir kommen auf jeden Fall ins Halbfinale. Ich bin niemand, der irgendwo nur ein Jahr ist und dann wieder weg. Ich möchte kontinuierlich etwas aufbauen. Und deshalb habe ich damals nicht an die Play-offs gedacht, sondern tatsächlich ausschließlich von Spiel zu Spiel.

Sie kennen Jordan Neuman gut und Johannes Brenner noch besser, der bei Ihnen ein halbes Jahr Teil des Coaching Staff an der Platteville University war. Macht man sich an der Seitenlinie da noch mehr Gedanken darüber, was der gute Bekannte gegenüber für einen Spielzug plant?

Das kann schon passieren. Johnny war ein halbes Jahr bei uns, ein Teil der Familie. Aber es war jetzt nicht so, dass wir uns über die Playbooks intensiv ausgetauscht haben. Aber wenn sich Jordan und Johnny am Samstag etwas mehr Gedanken als üblich machen, soll es mir recht sein (lächelt).

Inwieweit unterscheiden sich die Playbooks eines deutschen Teams von einem Division-III-College-­Team?

So weit sind sie nicht auseinander, zumindest wenn man die besten deutschen Teams damit vergleicht. Es gibt zwar in den USA noch etwas mehr Spielzüge, aber der größte Unterschied ist, dass man besser und intensiver auf Feinheiten achten kann. Schließlich wird in den USA deutlich häufiger trainiert.

In einem Interview mit Red Zone TV sagten Sie, dass sich der Football in Deutschland in den Jahren, in denen Sie in den USA waren, enorm entwickelt habe. Allerdings nicht im Bereich der Zuschauer und Sponsoren. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um das zu verbessern?

Wir benötigen eine Professionalisierung. Hier in Dresden haben wir einen hauptamtlichen Geschäftsführer. Football darf kein Küchentisch-Sport sein, wo sich am Abend der ehrenamtliche Vorstand zusammensetzt. Das soll keine Rede gegen das Ehrenamt sein – im Gegenteil. Das benötigen wir. Aber wenn wir weiterkommen wollen, brauchen wir Menschen, die auch tagsüber Termine wahrnehmen können – um nur ein Beispiel zu nennen.

Was muss sich sportlich tun?

Wir müssen die Jugendarbeit intensivieren. Die Unicorns haben mit der Academy in Michelbach einen großen Schritt gemacht. So etwas schwebt mir auch in Dresden vor. Aber die Förderung sollte auch von Verbandsseite kommen und darf nicht den Vereinen alleine überlassen werden. Zudem könnte man die GFL für zwei, drei Jahre „abschließen“.

Was meinen Sie damit?

Wenn es für einige Jahre keinen Abstieg gäbe, könnten die Vereine wesentlich stärker in die Infrastruktur investieren, da sie nicht Gefahr laufen könnten, in die zweite Liga zu müssen. Letztlich geht es darum: Wollen wir weiter so dahinplätschern oder wollen wir etwas erreichen?

Sie waren 18 Jahre in den USA. Was hat Sie dazu bewogen, wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Wir hatten als Familie immer wieder mal daran gedacht, zurückzukommen. Zuletzt hat sich das politische Klima in Wisconsin deutlich verschlechtert. Natürlich waren Sigi (Siegfried Gehrke, Sportdirektor der Unicorns, Anm. d. Red.) und Johnny meine ersten Anlaufstellen. Doch abgesehen davon, dass die Unicorns mit Jordan auf der Headcoach-Position hervorragend besetzt sind, darf man nicht vergessen: Es ging nicht nur um mich, sondern es musste für uns als Familie passen. In Baden-Württemberg hätte meine Frau trotz erfolgreicher Doktorarbeit noch eine Nachprüfung absolvieren müssen, um im Lehrberuf zu arbeiten. In Dresden passt es für uns alle.

Steckbrief Ulrich „Ulz“ Däuber

Geburtstag: 31. März 1970
Geburtsort: Würzburg
Wohnort: Dresden
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Beruf: Footballtrainer
Hobbys: Familie, Skifahren, Lesen
Bisherige Stationen: Schwäbisch Hall Unicorns, San Francisco State University, University of Wisconsin-Platteville, seit August 2017 Dresden Monarchs, seit November 2017 Headcoach
Größte sportliche Erfolge: deutscher Vizemeister mit der Jugend der Unicorns (1997), zweimaliger Europameister mit Deutschland, Erreichen der Play-offs mit der Wisconsin-Platteville University (2014), GFL-Halbfinale mit den Monarchs (2018)

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