Wenn an diesem Samstag der zweite Tag des Reit- und Springturniers des RFV Hall ansteht, klingelt bei Jenny Moser früh der Wecker. Sie nimmt an mehreren Wettbewerben teil und das mit drei Pferden. Stress bedeutet das für sie nicht. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die 17-Jährige nicht auf der Anlage des RFV Hall ist.

Jenny, bist du Frühaufsteherin?

Jenny Moser: (lächelt) Zumindest, wenn es um Reitturniere geht, macht mir das frühe Aufstehen nichts aus. Das Heimturnier ist ein Highlight, auch wenn mein erster Wettbewerb schon um 8.30 Uhr beginnt. Ich habe hier alles gleich um die Ecke, es sind Freunde und Verwandte da und ich kann auch anderen zugucken.

Du nimmst an mehreren Springprüfungen teil, bist aber früher mehr Dressur geritten. Warum hast du die Disziplin gewechselt?

Mir macht beides Spaß, aber meinen Pferden liegt das Springen einfach mehr.

Rio und Sweetheart heißen zwei der drei Pferde. Das dritte ist Enzo Ferrari, ein neunjähriger Wallach. Wie kam es zu der Namensgebung, schließlich verbindet man mit Ferrari weit mehr als ein PS?

Er gibt nun mal gerne Gas (lacht)! Mittlerweile habe ich aber den Dreh raus, dass ich ihn wieder einfange. Schon beim ersten Mal, als ich auf Enzo saß, hatte ich ein super Gefühl. Klar brauchen sowohl Pferd als auch Reiter etwas Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen, aber mit Enzo bin ich bereits sehr schnell zu Turnieren gefahren. Zum einen, weil wir ihn mitten in der Saison bekommen haben, zum anderen aber auch, weil wir sofort eine gute Verbindung zueinander hatten.

Du startest beim A- und beim L-Springen, die sich durch unterschiedliche Anforderungen und Hindernishöhen unterscheiden. Wann erfährst du, wie der Parcours bei der Springprüfung aussieht?

Kurz davor. Es gibt dann noch Zeit, um den Parcours abzulaufen, damit man sich die Wege und Hindernisse einprägen kann.

Muss man alles sofort im Kopf haben?

Theoretisch nein. An den Hindernissen sind kleine Schilder mit Zahlen angebracht, zudem gibt es sogenannte „Plastikfähnle“. Rot bedeutet, es geht rechts weiter, Weiß steht für links. Doch man muss den Weg auswendig wissen. Denn wenn ich mich während meines Umlaufs an den Schildern orientieren muss, verliere ich wertvolle Sekunden.

Außerdem kommt es auch auf das Pferd an...

Natürlich. Ohne Vertrauen geht es nicht. Es ist ja kein Sportgerät, sondern ein Freund, der mal eine bessere und mal eine schlechtere Tagesform hat.

Pferde sind genauso angespannt wie die Reiter, wenn es bei einem Turnier in den Parcours geht. Wie schnell beruhigen sich die Tiere wieder?

Das ist wie bei den Menschen unterschiedlich. Manche chillen sofort, wenn man sie lobt und freundlich klopft. Andere sind noch so voller Adrenalin, dass man noch eine ganze Weile mit ihnen austraben muss.

Ein Umlauf dauert maximal zwei Minuten. Wie lange müssen die Pferde „warmgemacht“ werden?

Das sogenannte Abreiten ist extrem wichtig, denn unaufgewärmt besteht für Pferde eine hohe Verletzungsgefahr. Ich reite immer mindestens 15 Minuten Schritt und dann rund 30 Minuten Trab und Galopp, bevor ich in die Prüfung gehe.

Was machst du, wenn du merkst, dass das Pferd beim Warmmachen unaufmerksam ist?

Ich versuche so neutral wie möglich zu bleiben. Denn wenn ich negativ reagiere, verstärkt sich der Effekt beim Pferd weiter – und dann wird auch das Springen nichts.

Einige Pferde werden zu Turnieren besonders schön gemacht, beispielsweise werden Zöpfe geflochten. Mögen das die Tiere?

(lacht) Manche mehr, manche weniger. Es kann schon passieren, dass das Pferd den Kopf wegdreht oder sich schüttelt. Normalerweise macht man das nur zu besonderen Anlässen wie einem Wettbewerb. Dann weiß auch das Pferd, dass es jetzt wieder zu einem Turnier geht.

Du bist im vergangenen Jahr zum RFV Hall gewechselt. Was waren dafür die Gründe?

Die Trainingsbedingungen sind hier einfach mega! Es gibt eine kleine Halle, eine große Halle, den Sandplatz und den Rasenplatz für Turniere. Das ist großartig.

Mitglieder des RFV berichten, dass du nahezu täglich auf der Anlage bist. Stimmt das?

Ja, meistens fahre ich direkt nach der Schule mit dem Bus auf die Anlage. Den ganzen Tag im Stall zu sein ist doch super! (lacht)

Kann deine Familie deine Begeisterung nachvollziehen?

Auf jeden Fall. Meine Eltern reiten beide. Meine Schwester ebenfalls. Zwar nimmt sie an keinen Turnieren teil, aber sie unterstützt mich, wenn ich einen Wettbewerb habe.

Was hast Du Dir für das Heimturnier vorgenommen?

Eine bestimmte Platzierung nehme ich mir nicht vor. Zu viel Druck ist nicht leistungsfördernd. Natürlich hoffe ich darauf, dass sowohl ich als auch meine Pferde eine gute Tagesform haben.

Steckbrief Jenny Moser


Geburtstag: 11. Januar 2001
Geburtsort: Künzelsau
Wohnort: Mainhardt
Familienstand: ledig
Beruf: Schülerin
Hobbys: Reiten, Sport allgemein, Freunde treffen
Bisherige Stationen: 2008 bis 2017 RV Löcherholz, seit 2017 RFV Schwäbisch Hall
Größte Momente: wenn zwischen Reiter und Pferd eine besondere Verbindung entsteht