Moment mal, bitte! „Mehr Spaß in der Gruppe“

Christian Döring (rechts) läuft für die TSG Schwäbisch Hall. Der zurzeit in München wohnende Haller geht am Wochenende bei den süddeutschen Meisterschaften an den Start.
Christian Döring (rechts) läuft für die TSG Schwäbisch Hall. Der zurzeit in München wohnende Haller geht am Wochenende bei den süddeutschen Meisterschaften an den Start. © Foto: Ralf Görlitz
Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 10.02.2018

Er gehört seit vielen Jahren zu den konstantesten Leichtathleten der TSG Schwäbisch Hall. Christian Döring, der mittlerweile in München wohnt, erzählt unter anderem, warum er lieber im Freien läuft und in der Gruppe trainiert.

Herr Döring, an diesem Wochenende starten Sie bei den süddeutschen Hallenmeisterschaften in Sindelfingen. Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Christian Döring: Eine Medaille wäre schon eine schöne Sache. In meiner Klasse sind nur sechs Läufer gemeldet. Daher denke ich, dass ein Platz unter den ersten Drei realistisch ist. Ich möchte natürlich auch an meine Bestzeit in der Halle rankommen und sie möglichst verbessern. Sie liegt bei 1:55 Minuten.

Sie sind mittlerweile schon ein erfahrener Läufer. Sind Sie trotzdem vor einer solchen Meisterschaft nervös?

Ja, immer noch. Aber das gehört irgendwie dazu, sonst kann man keine 100 Prozent bringen. Mit dieser Anspannung weiß ich aber umzugehen, damit ich nicht zu nervös werde.

Was macht den Unterschied zwischen Halle und Freiluft aus?

In der Halle ist eine Runde nur 200 Meter lang, also um die Hälfte kürzer als draußen. Außerdem gibt es in der Halle zwei Steilwandkurven. Das sorgt zunächst mal für ein ungewohntes Laufgefühl. Man muss zudem sehr aufpassen, dass man in diesen Kurven nicht auf die Linien tritt, sonst wird man disqualifiziert. Ein weiterer Unterschied ist die Luft in der Halle. Sie ist deutlich schlechter. Nach einem Hallenwettkampftag merke ich es in der Lunge. Am Tag danach muss ich dann oft husten. Aus diesen Gründen ist meine Freiluftzeit mit 1:52:58 Minuten deutlich schneller als meine Hallenbestzeit. Ich glaube, bei der Mehrheit der Läufer ist dies auch so.

Sie sind vor Kurzem bei den bayerischen Meisterschaften angetreten, obwohl sie für die TSG Hall laufen …

Ja, ich bin außer Konkurrenz mitgelaufen. Ich wohne ja zurzeit in München. Hier habe ich auch eine Trainingsgruppe gefunden. In Schwäbisch Hall musste ich immer alleine trainieren. Aber selbst in einer so großen Stadt wie München ist es schwer, andere 800-Meter-Athleten zu finden, weil kaum noch jemand über diese Distanz läuft. In der Gruppe sind wir fünf Jungs und nochmal die gleiche Anzahl an Mädels.

Wie kam der Kontakt zur Trainingsgruppe zustande?

Einen der jetzigen Trainingspartner kannte ich schon von früheren Wettkämpfen. Ich habe ihn dann gefragt, ob ich bei ihnen mittrainieren darf. Das war dann kein Problem. Ich bin sehr froh darüber, weil ich so zum einen speziell in der Halle trainieren kann. Zum anderen macht es in der Gruppe viel mehr Spaß. Man motiviert sich gegenseitig. Und es gibt immer jemanden, der bei den Trainingsläufen das Tempo machen kann. Wenn man alleine auf der Bahn ist, dann ist es ein komisches Gefühl. Es fällt dann viel schwerer, sich am Ende noch zu pushen. Ein fester Trainer und ab und an auch ein bayerischer Landestrainer betreuen uns.

Haben Sie daran gedacht, den Verein zu wechseln?

Nein, die TSG ist mein Verein. Ich wohne nur vorübergehend noch in München. Und es war keine Bedingung, sich einem Münchener Verein anzuschließen, um bei der Trainingsgruppe dabei sein zu dürfen. Mein TSG-Trainer, Erich Quenzer, hat sich ebenfalls gefreut, dass ich hier in München in der Gruppe trainieren kann. Er kennt den Landestrainer persönlich. Mit der TSG haben wir ja zudem eine gute Staffel, deswegen möchte ich auch nicht wechseln.

Schon in der Jugend haben Sie Erfolge verbucht. Auch jetzt im Erwachsenenalter laufen Sie weiter, viele andere hören dann irgendwann auf. Woher beziehen Sie Ihre Motivation?

Es macht mir viel Spaß zu laufen. Ich trainiere gern und bleibe so in Form. Der Sport ist zwar für mich eine Freizeitbeschäftigung, mit der ich nicht mein Geld verdiene. Aber das Laufen möchte ich trotzdem nicht missen.

Wann haben Sie eigentlich gemerkt, dass die 800 Meter Ihre Distanz ist?

Das weiß ich noch genau. Es war Anfang 2010. Ich bin damals noch mehr die 1500 Meter gelaufen. Ich wollte mich eigentlich über diese Strecke für die deutschen Jugendmeisterschaften qualifizieren. Aber ich habe die Quali-Zeit um eine Sekunde verpasst. Ich habe es dann noch über die 800 Meter versucht. Dabei habe ich meine Bestzeit um sechs Sekunden verbessert und die Quali geschafft. Seitdem bin ich bei den 800 Metern und habe es nicht bereut.

Diese Distanz gilt aber als „mörderisch“, weil man viel Tempohärte braucht …

Stimmt. Neulich bei den bayerischen Meisterschaften bin ich zu schnell angegangen. Nach 700 Metern bin ich dann „weggestorben“ (lacht). Wenn der Muskel übersäuert, dann kann man die Beine nicht mehr richtig lupfen. Das kommt relativ plötzlich, aber im Ziel ist es dann meistens schnell wieder weg.

Haben Sie einen Traum im Bereich des Sports, den Sie sich erfüllen möchten?

Ja, ich würde mich gerne mal zu den deutschen Meisterschaften im Freien qualifizieren. Mit der Staffel hat es schon mal geklappt, aber im Einzel noch nie. Dazu müsste ich eine Zeit von ungefähr 1:51:50 Minuten laufen. Ich hoffe, dass ich es dieses Jahr schaffe.

Steckbrief Christian Döring

Geburtstag: 15. Juli 1992
Geburtsort: Filderstadt
Wohnort: München
Familienstand: ledig
Beruf: Industriemechaniker
Hobbys: Freunde, Sport allgemein
Bisherige Stationen: SC Steinbach (bis 2004), seit 2005 TSG Hall
Größte sportliche Erfolge: 5. Platz deutsche Jugendmeisterschaften 800 Meter (2010 und 2011), süddeutscher Juniorenmeister 800 Meter (2011), deutscher Jugendmeister in der 3x1000-Meter-Staffel, baden-württembergischer Meister in der 3x1000-Meter-Staffel, baden-württembergischer Vizemeister über 1500 Meter

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