Moment mal, bitte! „Immer bereit für Top-Spiele“

Raheem Wilson ruht sich in einer Spielunterbrechung aus. Der Amerikaner tritt am Sonntag mit den Unicorns im Spitzenspiel bei Frankfurt Universe an.
Raheem Wilson ruht sich in einer Spielunterbrechung aus. Der Amerikaner tritt am Sonntag mit den Unicorns im Spitzenspiel bei Frankfurt Universe an. © Foto: Manfred Löffler
Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 04.08.2018

Cornerback Raheem Wilson ist im Sommer 2017 zu den Unicorns gestoßen und hat sich sofort als Eckpfeiler der Haller Defense etabliert. Im Interview spricht er über das Topspiel in Frankfurt, was er aus seiner Heimat Texas vermisst und warum er vor den Spielen den Kontakt nach ganz oben sucht.

Herr Wilson, die Unicorns hatten jetzt vier Wochen Pause. Wie schwierig ist es, wieder rechtzeitig in Tritt zu kommen?

Raheem Wilson: Es könnte schwierig werden. Aber wir haben schon zwei Wochen vor dem nächsten Spiel das Training wieder aufgenommen. Das gab uns genug Zeit, den Rhythmus wieder aufzunehmen. Unsere Trainer haben einen guten Job gemacht, uns früh genug auf das kommende Spiel vorzubereiten. Aber natürlich ist die Trainingsintensität nicht die gleiche wie im Spiel. Deswegen kann es sein, dass man erst ein paar Spielzüge braucht, bis man wieder voll da ist.

Frankfurt hat letzte Woche schon gespielt gegen München. Ist das ein Vorteil für sie?

Ich weiß nicht. Sie haben gegen München hoch gewonnen und ein paar Spieler geschont. Sie wissen nach dieser Partie schon, wo sie zurzeit stehen. Aber andererseits hatten wir länger Pause. Unsere Angeschlagenen konnten so ihre Verletzungen besser auskurieren. Von daher hebt sich beides wahrscheinlich auf.

Warum ist Frankfurt aus Ihrer Sicht so stark?

Wegen ihrer Defense. Ich habe großen Respekt vor ihrer Verteidigung. Jetzt haben sie auch noch neue Leute in der Offense, unter anderem einen neuen Quarterback. Sie haben eben ein gut besetztes Team. Ich glaube, sie sind stärker als letztes Jahr.

Ist es ein unglücklicher Zeitpunkt, dass das entscheidende Spiel um die Süd-Meisterschaft nach so einer langen Pause ausgetragen wird?

Wir sehen es als Herausforderung. Als Mannschaft muss man immer bereit für die großen Spiele sein und dieses ist quasi wie ein Play-off-Spiel. Egal, ob vor oder nach der Pause, es ist immer schön, solche Topspiele zu absolvieren. Da zeigt sich, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.

Wird es wieder eine Defense-­Schlacht wie im Hinspiel?

Könnte sein, aber vielleicht wird’s auch ein Punktefestival. Man kann bei solchen Spitzenspielen nicht vorhersagen, was passiert.

Sie haben schöne Erinnerungen an das Hinspiel, weil Sie als Verteidiger den ersten Touchdown erzielt haben. Wie ist das Gefühl, wenn man als Defense-Spieler punktet?

Ich liebe es (lacht). Ich genieße es jedes Mal, wenn ich einen Touchdown machen kann. Es hilft ja auch der Mannschaft, wenn die Defense Punkte beisteuert. Wenn die Verteidigung Punkte macht, dann kann der Angriff schon beruhigter aufspielen.

Haben Sie an Spieltagen spezielle Rituale oder Abläufe?

Nein, es sind eigentlich die Sachen, die ich sowieso jeden Tag mache. Ich stehe früh auf, höre mir Audiobeiträge auf Podcast über Psychologie an und mache Yoga. Vor dem Spiel schaue ich mir vielleicht noch eine Comedy-Serie an oder höre Musik, die mich in eine positive Stimmung versetzt. Nach dem Spiel kommt es dann darauf an. Wenn wir gewonnen haben, dann feiere ich mit dem Team. Aber normalerweise ist man nach der Partie ziemlich geschlaucht.

Können Sie nach dem Spiel abends gleich einschlafen?

Kommt drauf an. Nach manchen Spielen ist das kein Problem. Aber manchmal bin ich dann noch stundenlang wach und denke über die Spielzüge nach.

Was waren Ihre Erwartungen, als Sie letztes Jahr nach Deutschland kamen, um Football zu spielen?

Ich war einfach glücklich, dass ich weiter Football spielen konnte. Mein Trainer in den USA, Sean Cooper, hat in Marburg gespielt. Er hat mir natürlich sehr viel über Deutschland erzählt. Ich hatte eigentlich keine festen Vorstellungen, als ich ankam. Ich wollte offen sein und alles auf mich zukommen lassen. Und ich denke, es hat sich ausgezahlt. Ich war zum Beispiel von der Landschaft hier beeindruckt. So grün und hügelig. Bei mir in Texas gibt es nur flache Ebenen. Und der Sommer hier ist nicht so lang. Zurzeit ist es hier auch sehr warm, aber sonst sind die Temperaturen übers Jahr angenehmer verteilt.

Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Heimat?

Das Essen. Die Burger hier sind auch sehr gut. Aber manchmal wäre ich gerne wieder in einem amerikanischen Fastfood-Restaurant (lächelt). Ich weiß, es klingt verrückt, aber es gibt hier zum Beispiel kein Chick-fil-A (Fastfood-Kette für Hühnerfleisch, Anmerkung der Redaktion). Ich vermisse auch mexikanisches Essen. In Amerika haben wir eben viele verschiedene Essensrichtungen um auszuwählen. Und Klimaanlagen fehlen hier auch (lächelt). Und Wasser für umsonst in den Restaurants beziehungsweise Nachschenken umsonst. Das ist hier auch anders.

Spielen Europäer anders American Football als Amerikaner?

(Überlegt kurz) Nein, der Stil ist gleich. Es ist eben Football. Was anders ist, ist die Tatsache, dass wir in Deutschland Spieler aus unterschiedlichen Altersgruppen haben. Zum Beispiel kommen aus der U 19 Spieler hoch, die noch jung sind. Es gibt aber auch Ältere, die vielleicht schon eine Familie haben. Das gibt es in den USA so nicht. In der Highschool spielt man mit und gegen Gleichaltrige, im College genauso und wenn man danach professionell weiterspielt, ist der Altersunterschied zwischen den Spielern weiterhin gering. Im Prinzip ist es unvorstellbar in der NFL, dass dort 18- oder 19-Jährige mitspielen, weil man nicht weiß, ob ihre Körper schon stark genug wären, um die Hits einzustecken.

Sie sind einer der Spieler, die vor den Partien beten. Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?

Eine sehr große Rolle. Das Beten ist meine Art auszudrücken, wie dankbar ich bin. Ich danke den Leuten, die so viel geopfert haben, damit ich Football spielen kann. Zudem hoffe ich immer, dass alle gesund vom Platz gehen. Und ich hoffe, dass die Fans eine gute Show zu sehen bekommen. Das sind die drei Dinge, die ich in mein kurzes Gebet vor dem Spiel einschließe.

Steckbrief Raheem Wilson

Geburtstag: 30. Oktober 1993
Geburtsort: Honolulu (Hawaii)
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: ledig
Beruf: Footballer, College-Abschluss (Hauptfach Bewegungswissenschaft)
Hobbys: Lesen, Yoga, Musikhören
Bisherige Stationen: College Southeastern Oklahoma State, seit 2017 Schwäbisch Hall Unicorns
Größte sportliche Erfolge: German Bowl (2017), Auswahl All-American-Team im College (2016)

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