Schwäbisch Hall Pleite für die Haller Schachdamen

Spaß vor dem offiziellen Beginn: Sabrina Gutierrez, Halls Nummer 4, mit den Schachfiguren.
Spaß vor dem offiziellen Beginn: Sabrina Gutierrez, Halls Nummer 4, mit den Schachfiguren. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 11.02.2019
Die Frauen des SK Schwäbisch Hall unterliegen am Sonntag nach zähem Ringen dem SC Bad Königshofen mit 2,5:3,5. Dieser profitiert von der Niederlage des Bundesliga-Spitzenreiters Hamburger SK.

Ich hab’ es doch gewusst, dass wir uns noch in den Arsch beißen.“ Mario Meinel, zweiter Vorsitzender des SK Schwäbisch Hall neigt zu deutlichen Worten kurz nachdem die Haller Niederlage feststeht. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte verliert Hall gegen den SC Bad Königshofen. Wie in den Vorjahren ist es knapp, sehr knapp. Diesmal aber hat Bad Königshofen das bessere Ende für sich und unverhofft beste Titelchancen.

Meinel und die Spielerinnen des SK Schwäbisch Hall fluchen deshalb, weil zeitgleich der bisherige Spitzenreiter Hamburger SK eine überraschende 2,5:3,5-Niederlage gegen Lehrte hinnehmen muss. Hätte Hall gewonnen, wären die Chancen auf den zweiten deutschen Meistertitel bei der Endrunde in Berlin hoch gewesen.

Zunächst läuft alles wie erhofft bei der Spieltagspremiere des SK Hall im Foyer der Bausparkasse. Die Frauen setzen sich am Samstagnachmittag souverän mit 5:1 gegen den SV Hofheim durch. Die Niederlage der Spanierin Sabrina Neide Vega Gutierrez gegen Ulrike Rößler fällt nicht ins Gewicht, da alle anderen Hallerinnen gewinnen.

Am Sonntag allerdings verliert Gutierrez erneut. Recht früh liegt Hall in Rückstand. Um die Mittagszeit spitzt sich die Lage zum ersten Mal zu. „Zeitnot“ ist ein Begriff aus der Schachsprache. Das deutsche Wort wird von nahezu allen Schachspielern auf der Welt verwendet. Es bezeichnet die Bedrängnis eines Spielers, wenn nur noch wenig Bedenkzeit auf der Schachuhr zur Verfügung steht. In der Frauenbundesliga haben die Spielerinnen für die ersten 40 Züge 90 Minuten Zeit, danach gibt es noch einmal 30 Minuten dazu. Außerdem erhalten die Spielerinnen pro gemachtem Zug 30 Sekunden.

Hall früh im Rückstand

Halls Spielerinnen wissen um den ungünstigen Zwischenstand. Immer wieder stehen sie von ihrem Brett auf, schauen den Kolleginnen über die Schulter. Karina Ambartsumova macht dies auch, um die Zuschauer um sich herum zu vertreiben. Sie mag es nicht, wenn zu viele Beobachter um den Tisch herumstehen. Die aber sammeln sich dort, wo interessante Stellungen zu sehen sind. Bei Ambarstumovas Partie gegen Bad Königshofens Dina Belenkaya ist das der Fall. „In Zeitnot habe ich einmal nicht den besten Zug gemacht. So habe ich mir die Siegchance genommen“, analysiert die 29-jährige Russin hinterher.

Halls Nummer vier, Ekaterina Atalik, hat zwar im Endspiel gegen Anastasia Savina einen Bauern mehr, doch das hilft ihr nicht viel. „Endspiele mit einem Turm sind nur schwer zu gewinnen“, meint SK-Mitglied Thomas Marschner und sollte Recht behalten. Savina rutscht zwar auf ihrem Stuhl nervös hin und her, behält aber den Überblick. Maximilian Müller zeigt sich erleichtert. Er vertritt seinen Vater Jürgen. Der Vorsitzende des SC Bad Königshofen kann wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht in Hall sein. Sein Sohn hat seine eigene Taktik, um die Situationen an den Brettern einzuschätzen. „Ich schaue auf die Füße“, verrät er mit einem Lächeln. Wenn eine seiner Spielerinnen besonders intensiv wippt, sei das meist ein Zeichen für eine schlechte Stellung auf dem Brett.

Niederlage für Batsiashvili

Diese zeichnet sich vor allem für Nino Batsiashvili ab. Halls Nummer zwei, die vor einem Jahr gegen Weltmeister Magnus Carlsen ein Remis erreichte, geht gegen Polina Shuvalova volles Risiko. Doch ihre russische Kontrahentin kontert und hat bald einen Läufer mehr. „Ja, das sieht gut aus. Aber ich glaube erst an den Sieg, wenn wir 3,5 Punkte haben“, unkt Maximilian Müller. Vor einem Jahr hatte Shuvalova eine ähnliche Situation, die sie aber zum Entsetzen ihrer Kolleginnen und ihres Kapitäns noch verspielte.

Diesmal aber siegt Shuvalova über die Georgierin Batsiashvili, die heftig enttäuscht auf ihrem Stuhl sitzt. Am Nebentisch nimmt Tatjana Melamed die Unruhe mit einem wissenden Lächeln zur Kenntnis. Sie hält Deimante Cornette lange hin, obwohl es keine reelle Remischance mehr gibt. So hält sie ihrer Kollegin Shuvalova den Rücken frei, da diese dann nicht den Druck des Unbedingt-Gewinnen-Müssens hat. Kaum hat Shuvalova gewonnen, reicht Melamed ihrer Haller Gegnerin die Hand und gratuliert.

Da weiß Shuvalova noch nicht, dass sie den wahrscheinlich entscheidenden Punkt zur Meisterschaft für Bad Königshofen geholt hat. Denn zeitgleich verliert der bisherige Spitzenreiter Hamburg gegen Lehrte. Als die Hallerinnen das erfahren, rauscht die ohnehin schon nicht gute Stimmung noch weiter in den Keller.

Vor der Endrunde in Berlin, an der drei Spieltage ausgetragen werden, hat Bad Königshofen nun 14 Punkte und führt die Bundesliga an. Dahinter folgen Hamburg und Baden-Baden mit je 13 Zählern und Schwäbisch Hall mit 12. Das Restprogramm von Bad Königshofen erscheint machbar. Wenn die Nerven mitspielen, könnte der Titel nach Franken gehen. Der SK Hall muss noch gegen Baden-Baden ran, will möglichst Rang drei holen. Mit mehr rechnen die Vereinsvertreter nicht mehr.

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