FDP-Fraktionsvorsitzender im Haller Gemeinderat, Kreistagsmitglied, Vorsitzender der Haller Bürgerstiftung. Thomas Preisendanz ist auch als ehemaliger Schulleiter am Gymnasium bei St. Michael ein vielbeschäftigter Mann. Vor kurzem hat er auch den ehrenamtlichen Vorsitz beim Stadtverband für Sport übernommen.

Herr Preisendanz, seit Ihrer Wahl zum Vorsitzenden des Stadtverbands für Sport ist rund ein Monat vergangen. Sind Vereine schon auf Sie zugekommen und haben Ihre Wünsche und Sorgen geäußert?

Thomas Preisendanz: Nein, bisher hat man sich nur gemeldet, um mir zur Wahl zu gratulieren und sich eine gute Zusammenarbeit zu wünschen.

Werden Sie auf die Vereine zugehen und nach ihren Problemen fragen?

Beim Haller Dreikönigslauf sollte man sich zeigen, ebenso wie bei den Stadtmeisterschaften im Tischtennis und Fußball. Dazu kommen die Winterfeiern beziehungsweise Neujahrsempfänge der einzelnen Vereine. Soweit ich kann, werde ich da auch zu allen hingehen.

Was glauben Sie, in welchem Bereich drückt bei den Vereinen der Schuh am meisten?

Ich habe im Vorfeld meiner Kandidatur nicht nur mit Herrn Mohr gesprochen, sondern auch mit einigen Vereinsvorsitzenden. Eine typische Antwort von ihnen war, dass sie auch gefragt wurden, den Verbandsvorsitz zu übernehmen. Dann hätten sie aber den Vereinsvorsitz aufgeben müssen. Und dafür eine Nachfolge zu finden ist sehr schwer. Daraus ergibt sich, dass eines der Hauptprobleme der Vereine ist, Menschen zu finden,  die bereit sind, in Führungspositionen den Staffelstab zu übernehmen.

Das Thema Ehrenamt also …

Ja, wobei wir nicht ungerecht sein dürfen. Wir haben, glaube ich, in Baden-Württemberg die höchste Anzahl an Ehrenamtlichen im ganzen Bundesgebiet. Meines Wissens gibt es in Schwäbisch Hall noch keinen Verein oder Förderverein, der sich auflösen musste, weil niemand die Führung übernehmen wollte. Deswegen stehen wir wohl noch recht gut da. Aber ich beobachte schon, dass es in der Altersgruppe der heute 30-Jährigen schwierig ist, Leute über einen längeren Zeitraum zu gewinnen. Jedoch wären sie genau diejenigen, die den Staffelstab übernehmen sollten.

Haben Sie eine Idee, wie man dem Herr werden könnte?

Diese Frage habe ich befürchtet (lächelt). Ich habe sie schon oft gehört und sie mir selbst gestellt. Ich habe keine abschließende Antwort darauf. Aber es nützt nichts, immer darüber zu klagen. Ich finde, dass im Bereich des Sports die Vereine eine Task Force bilden sollten. Diese Arbeitsgruppe sollte sich ganz konkret und konsequent überlegen, wie man den Nachwuchs stärker an die Vereine bindet. Es sollte nicht immer eine spontane Diskussion sein, die mal im Stadtverband, mal bei der Vereinsjahreshauptversammlung geführt wird.

Helmut Mohr hat eine Weile suchen müssen, bis er einen Kandidaten für den Verbandsvorsitz gefunden hatte. Wie hat er sie überzeugt?

Er kam im September bei einem Spiel der Sportfreunde auf mich zu. Ich habe zunächst nein gesagt. Ich wollte eigentlich nicht noch mehr machen. Meine Frau sagt, dass wir beide nun im Ruhestand sind und wir endlich Zeit hätten, spontan irgendwohin zu fahren. Aber das gehe nicht, weil ich so viele Termine habe. Und jetzt auch noch zusätzlich Sportverband? Ich wusste, da kriege ich zu Hause Probleme. Aber Herr Mohr hat nochmals gefragt, ob ich es mir überlegen könne. Nachdem Herr Mohr meinte, dass mein Amt als FDP-Fraktionsvorsitzender im Haller Gemeinderat kein Hinderungsgrund wäre, dachte ich, dass ich eigentlich nicht mehr nein sagen kann.

Wie hat Ihre Frau reagiert?

Ich habe gesagt, dass ich kandidieren werde. Auch meine Söhne und einige Freunde habe ich vorab informiert. Alle haben mir abgeraten. Aber ich habe gemerkt, dass sich der Stadtverband in einer Notlage befindet, wenn sie schon mich fragen. Vielleicht findet sich ja während meiner Amtszeit jemand, der dann das Ganze weiterführen kann. Aber bei der Anzahl meiner ehrenamtlichen Engagements ist jetzt das absolute Ende der Fahnenstange erreicht.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Vorsitzender des Stadtverbands?

Der Vorsitzende soll, so wie ich es verstehe, zwischen den Vereinen moderieren und zwischen der Stadt und den Vereinen. Zudem kommen die repräsentativen Aufgaben dazu, beispielsweise Grußworte bei Vereinsjubiläen zu sprechen. Das letztere ist, glaube ich, eine meiner Stärken. Das bin ich von meinen anderen Funktionen gewohnt.

Welche Leitlinien haben Sie auf Ihrem Weg als Vorsitzender des Sport-Stadtverbands?

Ich bin völlig neu drin. Bisher kenne ich als Stadtrat ja nur den Blickwinkel von der Gemeinde auf den Sport. Jetzt muss ich auch die Sichtweise der Vereine aufnehmen. Da habe ich mir ein Jahr Zeit gegeben, um mir ein Bild von ihrer Situation zu machen. Aber es gibt drei Dinge, die ich schon jetzt für notwendig erachte.

Welche?

Neben der bereits angesprochenen Task Force zum Nachwuchs in Führungsämtern ist es die Idee, weiter für Kooperationen bei den Vereinen wie zum Beispiel beim Fußball oder der Leichtathletik zu werben. Das geschieht aus meiner Sicht bislang mit Erfolg und es ist sinnvoll.

Und was ist die dritte Komponente?

Das ist etwas Materielles, nämlich der Bau der Kalthalle im Osten der Stadt, also an den Sportanlagen im Schenkensee. Die Verhandlungen sind schon sehr weit gediehen. Es sollten keine übergroßen Widerstände mehr zu überwinden sein. Daher hoffe ich, dass in den nächsten Haushaltsberatungen für den Gemeindeetat 2020/21 ein ordentlicher Betrag eingestellt wird (Der Bau einer Kalthalle kostet rund 500 000 Euro, Anmerk. d. Redaktion). Vor allem sind an diesem Standort sanitäre Anlagen notwendig, die im Zuge der Kalthalle entstehen würden.

Des Öfteren wird der Vorwurf laut, dass von der Sportförderung der Stadt immer nur die große TSG und die Sportfreunde profitieren. Wie sehen Sie das?

Ehrlich gesagt, ich halte es für völlig aus der Luft gegriffen. Dass der mit Abstand größte Verein der Stadt, nämlich die TSG, häufiger genannt wird, wenn es um bestimmte Förderungen geht, ist doch klar, da sie viele Abteilungen hat. Wenn ich zum Beispiel an Sulzdorf denke, dann ist die Stadt dem Verein bei der Übernahme der alten, sanierungsbedürftigen Ballspielhalle sehr entgegengekommen. Hessental, soweit ich es mitbekommen habe, kann sich in den letzten Jahren auch nicht beklagen, wenn sie etwas wollten. Das gilt meines Erachtens auch für den SC Steinbach, der zu denen gehört, die sich vielleicht benachteiligt fühlen.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Es gibt den Verein für gemeinnützige Aktivitäten. Für ihn stellt die Bausparkasse jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag zur Verfügung. Auch Sportvereine können dort Anträge stellen. Alle Fraktionsvorsitzenden und der OB bilden den Vorstand und da sehe ich, welche Anträge gestellt werden. Da sind alle Vereine dabei. Auch der Stadtverband für Sport hat ja ein ganz gutes finanzielles Polster. Da und auch bei der Bürgerstiftung, deren Vorsitzender ich auch bin, kommen relativ wenige Anträge der Vereine. Insofern kann die Not nicht so groß sein. Aber wie erwähnt, in meinem ersten Amtsjahr lerne ich vielleicht alles ganz neu.

Von dem Bau der Kalthalle im Schenkensee profitieren aber Vereine in den auswärtigen Teilorten nicht direkt …

Ja, das stimmt. Wir müssen aber die Stadt als etwas Ganzes sehen. Ich achte und schätze jeden Teilort. Sie sind sehr wichtig und positiv für die Stadt. Das soll so bleiben. Aber zentrale Einrichtungen können wir nicht in alle Teilorte bringen. Wir müssen innerhalb des Stadtverbands regeln, wie alle, die die Kalthalle nutzen möchten, auch in ihren Genuss kommen.

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Steckbrief Thomas Preisendanz


Geburtstag: 11. Februar 1950
Geburtsort: Pforzheim
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: verheiratet, zwei Söhne (30 und 34 Jahre alt)
Beruf: Schuldirektor im Ruhestand
Hobbys: Lesen, Filme schauen