Superbowl Moritz Böhringer: „Ich fühle mich sehr wohl“

Moritz Böhringer lächelt in die Kamera. Der 26-jährige Tight End ist aktuell bei den Cincinnati Bengals unter Vertrag.
Moritz Böhringer lächelt in die Kamera. Der 26-jährige Tight End ist aktuell bei den Cincinnati Bengals unter Vertrag. © Foto: Foto: Archiv/Sven Löffler
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 04.02.2019
Ein Ex-Unicorn in den USA: Footballer Moritz Böhringer spricht über seine Erfahrungen in Cincinnati. Er glaubt an ein enges Spiel im Superbowl.

Obwohl er noch kein Spiel in der NFL bestritten hat, hat Moritz Böhringer bereits Geschichte geschrieben. Die Aufregung war groß, als der damals 23-jährige Spieler der Schwäbisch Hall Uni­corns als erster Europäer ohne College-Erfahrung von einem NFL-Team verpflichtet wurde. Seitdem sind fast drei Jahre vergangen. Moritz Böhringer lebt weiterhin in den USA, steht mittlerweile bei den Cincinnati Bengals unter Vertrag. Momentan ist er in Florida und bereitet sich dort auf die neue Saison vor. Kurz vor dem Superbowl hat er sich dazu bereit erklärt, dieser Zeitung ein Exklusiv-Interview zu geben. Wie es typisch für ihn ist, antwortet er kurz und präzise. Dabei wird deutlich: Im Jahr 2019 will er sich seinen Traum von der NFL verwirklichen.

Im Superbowl LIII treffen in der Nacht von Sonntag auf Montag die New England Patriots und die Los Angeles Rams aufeinander. Wo und in welchem Rahmen werden Sie das Spiel verfolgen?

Moritz Böhringer: Ich werde das Spiel in Florida gemeinsam mit meinen Trainingspartnern anschauen.

Jordan Neuman, Headcoach der Unicorns, berichtet, dass der Superbowl ein Fest für die ganze Familie sei, vergleichbar mit Weihnachten. Haben Sie diese Erfahrungen auch gemacht?

Ich hab den Superbowl in Deutschland immer mit meinen Freunden angesehen. Hier in den USA ist es definitiv so, dass viele es mit der Familie, aber auch Freunden schauen.

Sie haben bei den Bengals einen Futures Contract unterschrieben, mit dem sich Cincinnati die Rechte an Ihnen gesichert hat. Der Vertrag gilt erst ab Anfang März zum Saisonbeginn. Dürfen Sie dennoch die Trainingseinrichtungen der Bengals nützen oder trainieren Sie momentan privat?

Offiziell ist die Saison noch nicht vorbei. Ich kann, wann immer ich will, in die Facility. Aber ich trainiere lieber in Florida, weil ich dort mehr draußen auf dem Feld machen kann und mich als Footballspieler verbessern kann.

Wie schnell haben Sie sich für einen Verbleib in Cincinnati entschieden?

Das ging relativ schnell, weil ich mich hier sehr wohlfühle. Außerdem ist es von Vorteil, wenn man die Organisation kennt und umgekehrt die Coaches und Scouts den Spieler kennen.

Bei den Bengals kamen Sie in der Preseason zum Einsatz, waren danach im International Pathway Program im Practice Squad. Fiel Ihnen manchmal die Motivation schwer, gerade angesichts des Verletzungspechs der Bengals, die Sie aber wegen der Regularien nicht in den Kader berufen durften?

Es war schon ärgerlich, weil ich so nah dran war zu spielen, aber wegen der Regeln nicht durfte. Allerdings wusste ich das ja schon, als ich hier unterschrieben habe. Deshalb war ich nicht wirklich frustriert.

In einem früheren Interview sagten Sie, dass Sie sich nach der Umstellung auf die Tight-End-Position vor allem beim Blocken noch verbessern müssten. Ist mittlerweile dieser Prozess abgeschlossen?

Ich muss mich immer verbessern – in allen Bereichen. Aber ich habe auf jeden Fall riesige Fortschritte gemacht.

Während Sie in Minneapolis Indoor-Facilities hatten, trainierten Sie mit den Bengals bei nahezu jedem Wetter im Freien. War das für Sie und für Ihre Teamkollegen, die ebenfalls neu waren, eine große Umstellung?

Es war zum Glück nie extrem kalt, aber ein Indoor-Feld ist schon schön im Winter. Andererseits: Wenn man sich warm genug anzieht und sich bewegt, geht das schon.

Cincinnati ist eine Fabrik- und Handelsstadt. Berühmt ist sie auch für das größte Oktoberfest in den USA. Was war Ihr Eindruck davon?

Ich bin zum Oktoberfest gegangen, aber man kann es nicht mit dem in Deutschland vergleichen. Das Komischste war, dass das Bier in Plastikbechern ausgeschenkt wurde.

Sie leben mittlerweile seit fast drei Jahren in den USA. Damals war das Interesse an Ihrer Person riesig. Gelten Sie als Deutscher immer noch als „Exot“ oder spielt das „ö“ auf Ihrem Trikot keine Rolle mehr?

Es ist zum Glück ein bisschen ruhiger geworden. Aber es ist immer etwas Besonderes, als Nicht-Amerikaner in der NFL zu sein.

Kommen Sie noch dazu, die Spiele Ihres ehemaligen Clubs Schwäbisch Hall Unicorns anzusehen?

Ich hab die Unicorns-Saison verfolgt und auch einen großen Teil des German Bowls im Stream gesehen.

In welchen Zeiten können Sie mit Urlaub in der Heimat planen? Werden Sie eventuell auch wieder ein Spiel der Schwäbisch Hall Unicorns sehen können?

Wahrscheinlich werde ich nicht vor Juni nach Deutschland kommen. Wenn es vom Zeitplan passt, werde ich natürlich ein Unicorns-Spiel anschauen.

Zum Abschluss noch ein kurzer Ausblick auf den Superbowl: Wird Ihrer Meinung nach erneut Tom Brady mit den Patriots triumphieren oder schaffen es die vergleichsweise unerfahrenen Los Angeles Rams?

Ich hoffe darauf, dass es ein enges Spiel wird, so wie die beiden Conference-Championship-Spiele.

Steckbrief Moritz Böhringer

Geburtstag: 16. Oktober 1993
Geburtsort: Stuttgart
Wohnort: USA
Familienstand: ledig
Beruf: Footballprofi
Bisherige Stationen: Crailsheim Ti­tans (2013/14), Schwäbisch Hall Unicorns (2015), Minnesota Vikings (2016/17), seit 1. Mai 2018 Cincinnati Bengals
Größte sportliche Erfolge: Vizemeister mit den Schwäbisch Hall Unicorns. Böhringer ist der erste Spieler, der ohne ein College besucht zu haben, direkt aus Europa in die NFL gedraftet wurde.

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