Moment mal, bitte! „Es ist total emotional“

Nadja Liebig mit ihrer Quarter-Horse-Stute Enjoy My Motion.
Nadja Liebig mit ihrer Quarter-Horse-Stute Enjoy My Motion. © Foto: Ufuk Arslan
Rosengarten / Hartmut Ruffer 06.10.2018

Schon von klein auf ist Nadja Liebig mit dem Westernreiten vertraut. Die 18-Jährige betreibt ihr Hobby intensiv und erfolgreich: Vor Kurzem gewann sie in zwei Disziplinen den deutschen Meistertitel mit ihrer fünfjährigen Quarter-Horse-Stute Enjoy My Motion. Im Interview spricht sie über den Lernerfolg bei ihren Tieren und das angespannte Warten auf die Ergebnisse.

Frau Liebig, die deutschen Meisterschaften finden immer auf dem Gut Matheshof im bayerischen Kreuth statt. Das ist eine riesige Anlage. Einige Pferde haben Schwierigkeiten mit einer neuen Umgebung. Wie kommt Ihr Pferd Enjoy My Motion damit klar?

Nadja Liebig: Sie ist tiefenentspannt (lacht). Tatsächlich präsentiert sie sich sehr gerne, hat also damit keinerlei Probleme.

Während der Prüfung sind Reiter und Pferd hochkonzentriert, doch danach konnte sich Ihr Pferd entspannen, während Sie gebannt warten mussten. Warum?

Bei den deutschen Meisterschaften sind so viele Teilnehmer, dass wir Reiter nicht direkt nach der Prüfung unsere Bewertung erfahren. Es hängt nach dem Wettbewerb lediglich eine Liste aus, in der die besten 20 aufgeführt werden und sich zwei Tage später für die Siegerehrung bereit halten sollen.

Sie wissen also zwei Tage lang nicht, welchen Platz Sie belegt haben?

Ja, so ist es. Es kommen dann die besten 20 zusammen und dann wird von Platz 20 aufwärts prämiert. Am Schluss heißt es dann: Die besten drei nach vorne. Da stehen wir dann und warten. Als ich dann erfahren habe, dass ich Erste bin, dachte ich: Scheiße, ich habe Gold! (lacht) Es ist total emotional. Und auch wenn ich das schon einmal mitgemacht habe – man kann sich daran nicht gewöhnen.

Ist dieses Prozedere immer so?

Nein, nur bei den deutschen Meisterschaften. Bei den Qualifikationsturnieren nehmen auch keine 50, sondern vielleicht 15 teil. Dort erfahre ich direkt nach meiner Prüfung mein Ergebnis.

Da Sie schon im vergangenen Jahr den Titel geholt hatten, wie stark haben Sie sich diesmal unter Druck gesetzt?

Mein Titel 2017 hat mir etwas Sicherheit gegeben. Aber natürlich war der Druck da. Ich wollte beweisen, dass ich mich weiter verbessert habe. Zudem sind die Richterposten fast immer neu zusammengesetzt. Man muss also jedes Mal aufs Neue überzeugen. Diesmal habe ich gegen viele Trainer und Erwachsene gewonnen. Darauf bin ich stolz, da ich es alles selbst geschafft habe.

Einen Ihrer Titel haben Sie in der Kategorie Pleasure gewonnen. Dabei geht es darum, dass Sie und Ihr Pferd die Vorgaben der Richter ausführen sollen und es locker und leicht, also wie ein „Vergnügen“ aussieht. Wie bringt man einem Pferd die Befehle bei, die man im Wettkampf als Richter und Zuschauer kaum wahrnehmen soll?

Es gibt Stimm-, Schenkel-, Gewichts- und auch Zügelhilfen, auf die das Pferd reagiert.

Wie lange dauert es, bis ein Pferd versteht, was gemeint ist?

Das ist unterschiedlich. Quarter-Horse-Pferde gelten als intelligente Rasse. Früher hatte ich einen Haflinger, da musste ich wesentlich länger trainieren, bis es das Pferd wusste.

Enjoy My Motion ist fünf Jahre alt. Wann haben Sie angefangen, mit ihr Wettbewerbe zu bestreiten?

Als sie vier Jahre alt war. Da hatte ich sie ein halbes Jahr. Ich habe es einfach versucht und sofort gewonnen. Ein bisschen Glück gehört natürlich dazu. Ich habe mich total gefreut, die Züchterin von Enjoy My Motion ebenso. Sie war extra zu diesem Wettbewerb angereist.

Hatten Sie sofort eine gute Verbindung zu Ihrem Pferd?

Ja, sie ist noch etwas kindlich in ihrem Verhalten, aber ein lieber Quatschkopf. Sie möchte auch lernen. Das gilt auch für das Training. Sie vermittelt mir den Eindruck, als ob sie sagen will: Ich weiß nicht, ob ich es kann. Aber wenn du es sagst, dann probiere ich es aus.

Als Westernreiterin betreiben Sie eine Sportart, die nicht besonders im öffentlichen Fokus steht. Gibt es Sponsoren?

Diese sind schwer zu finden. Meistens wird ein Verband unterstützt, aber für einen einzelnen gibt es das so gut wie nie.

Mit den deutschen Meisterschaften haben Sie die Wettkampf-Saison beendet. Warum?

Mein Pferd ist kein Sportgerät, sondern ein Familienmitglied. Und es soll sich auch erholen können. Es gibt Westernreiter, die reisen von Wettbewerb zu Wettbewerb. Das würde ich nie machen. Mein Pferd soll sich erholen können und auf der Koppel herumlaufen. Eine Boxenhaltung kommt für mich definitiv nicht in Frage.

Sie werden im Januar erst wieder mit dem Training beginnen. Verlernt ein Pferd in dieser Zeit etwas?

Nein, was einmal drin ist, kann das Pferd immer wieder abrufen. Das kann man vergleichen mit dem Fahrradfahren. Das verlernen wir Menschen ja auch nicht.

Steckbrief Nadja Liebig

Geburtstag: 17. Februar 2000
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Westheim
Familienstand: ledig
Beruf: Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement
Hobbys: Westernreiten, Fitness
Bisherige Stationen: seit 2008 Reit- und Fahrverein Gaildorf
Größte sportliche Erfolge: Deutsche Meisterin 2018 (Pleasure Jugend), Jungpferdechampion 2017 & 2018 (bestes Jungpferd von Deutschland 2017/2018), Landesmeisterin, zahlreiche erste Plätze bei regionalen und überregionalen Turnieren

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