Moment mal, bitte! „Es ist toll, dass es das noch gibt“

Jens Blanck mit seinen Schützlingen im Hintergrund.
Jens Blanck mit seinen Schützlingen im Hintergrund. © Foto: Ufuk Arslan
Hartmut Ruffer 13.01.2018

Seit Jahrzehnten ist Jens Blanck dem Fußball im Allgemeinen und der SSV Schwäbisch Hall im Speziellen verbunden. Mit der SSV hat er in der Bezirksliga gespielt. Seit sein Sohn selbst gegen den Ball tritt, ist Blanck wieder in einer offiziellen Funktion. Er koordiniert die F-Junioren und Bambini der SSV. Diese sind natürlich auch beim Haller-Tagblatt-Cup dabei, den die SSV Hall organisiert und der an diesem Wochenende beginnt.

Herr Blanck, was ist Ihre Aufgabe als Koordinator und warum gibt es diese Funktion?

Jens Blanck: Wir haben viele Kinder bei uns. Momentan sind es knapp 50. Davon spielen 30 in der F-Jugend, 20 bei den Bambini. In der Regel sind die Zahlen genau andersherum. Um die Kinder zu betreuen und zu trainieren, haben wir fünf Trainer, alle mit Lizenz. Meine Aufgabe ist es, alles „Drumherum“ zu koordinieren. Weil alle berufstätig sind, können die Trainer nicht immer anwesend sein. Das muss dann abgesprochen sein.

Um das in den Griff zu bekommen, benutzen Sie auch neue Medien ...

(lacht) Ja, wir haben einige Whatsapp-Gruppen. Im Fußball hat sich für die Trainer vieles verändert. Früher waren sie schlicht für alles verantwortlich. Heutzutage geht das kaum noch wegen der ebenfalls veränderten Arbeitswelt. Also habe ich gesagt: Ich bin für euch die Schnittstelle. Ich halte den Kontakt mit Trainern und Eltern und organisiere, dass die Fahrten zu Turnieren geregelt sind, dass es Helfer und Kuchen gibt und so weiter.

Die SSV hat aufgrund der Lage ihres Vereinsgeländes ein großes Einzugsgebiet. Kommen durch die Neubaugebiete jetzt noch mehr Kinder?

Bei uns ist alles vertreten. Natürlich bemerken wir auch, dass viele von den Neubaugebieten kommen. Es ist ein großer Mix. Wir haben sieben unterschiedliche Nationen im Team und es funktioniert einfach prima, es gab noch nie Ärger. Klar ist aber auch: Das ist kein Selbstläufer, es bedeutet viel Arbeit. Die SSV steht seit Jahren für Integration. Es ist schön, dass Neue kommen. Unser Ziel aber ist, dass sie auch bleiben, möglichst als ganze Familie. Dies ist die Arbeit des gesamten Teams. Das verdient Respekt, ein großes Dankeschön an meine Trainerkollegen!

Nun steht das erste Wochenende des HT-Cups an. Was verbinden Sie damit?

Ich habe schon als C-Jugendlicher daran teilgenommen. Es ist toll, dass es dieses Turnier immer noch gibt.

Sehen denn die jungen Kicker der SSV dieses Turnier als ihr „Heimturnier“ an?

Für einen Teil mag es eines von vielen Turnieren sein. Für andere nicht, denn nicht selten ist die ganze Familie involviert. Der Nachwuchs kickt, die Eltern helfen. Da sind wir wieder beim Thema „ganze Familie“. Anders geht es auch gar nicht angesichts von mehr als 240 teilnehmenden Mannschaften. Mein Sohn sagt: Das ist unser SSV-Turnier. Für ihn ist es sehr wichtig, denn es gibt nicht nur Medaillen, sondern auch Pokale, was eine Besonderheit ist. „Ich will endlich wieder einen Pokal gewinnen“, sagt er (schmunzelt).

Auch der HT-Cup hat einige Regeländerungen mitgemacht. Eine der letzten ist die Bambinispielform „drei gegen drei“. Wie stehen Sie dazu?

Früher war es bei den Bambini oft so, dass ein paar schon ganz gut spielen konnten, die anderen aber noch nicht so weit waren. Deshalb finde ich das „drei gegen drei“ prinzipiell sehr gut, weil so jeder nach seiner Leistungsstärke spielen kann und keiner zu kurz kommt. Andererseits: Für den Jahrgang, der in der kommenden Saison in die F-Jugend kommt, ist es manchmal langweilig. Die Kinder sind einfach schon weiter.

Geht es nach dem Verband, soll einheitlich nach Futsal-Regeln gespielt werden. Auch darüber gehen die Meinungen auseinander ...

Wie immer gibt es zwei Seiten. Der sprungreduzierte Ball ist ganz sicher sinnig. Andererseits gibt es beim Futsal bei den F-Junioren keine Schiedsrichter mehr. Diese Aufgabe sollen die Trainer und Betreuer mit übernehmen. Mal abgesehen davon, dass selbst innerhalb eines Teams Trainer und Betreuer nicht immer der gleichen Meinung sein können, bin ich der festen Überzeugung, dass Schiedsrichter zu den F-Junioren gehören. Die Kinder nehmen so jemanden anders wahr.

Da Sie selbst als Jugendlicher beim HT-Cup dabei waren. Hat sich abgesehen von den Regeln etwas verändert?

Die Stimmung ist nach wie vor toll, weil so viel los ist. Was anders ist, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl: Für uns gab es früher drei Tage lang nichts anderes. Wir haben beim Aufbau mitgeholfen, waren danach als ganzes Team im Vereinsheim und haben dort Kicker oder Billard gespielt. Heutzutage ist das anders. Wir Trainer und Betreuer erzählen den Kindern ganz bewusst von früher und organisieren auch Ausflüge ins Stadion, damit wieder ein solches Gefühl entstehen kann.

Haben Sie den Eindruck, dass sich das lohnt?

Ja, das glaube ich. Ich sehe es bei meinem Sohn. Der nutzt derzeit jede freie Minute, um mit seinen Freunden bei der SSV zu kicken. Hausaufgaben? Kann man auch später machen (lacht). Das ist fast  wie bei mir damals. Das macht mich ein bisschen stolz. Deshalb mache ich auch diesen Job: Ich weiß, dass es später in der Pubertät auch anders sein kann. Aber ich möchte, dass der jetzige Zustand möglichst lange andauert.

Steckbrief Jens Blanck

Geburtstag: 27. August 1972
Geburtsort: Ludwigsburg
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Leiter Logistik
Hobbys: Fußball, Familie, Freunde, Reisen, Autos
Bisherige Stationen: VfL Mainhardt, seit 1987 SSV Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: Bezirksmeister mit den A- und C-Junioren der SSV, Bezirksliga mit den SSV-Aktiven