Spitzensport und Schule unter einen Hut zu bekommen, stellt viele junge Athleten vor große Herausforderungen. Säbelfechterin Julika Funke erzählt, wie sie den Spagat zwischen Schulbank und Fechthalle bewältigt.

Julika, diese Woche waren Faschingsferien. Hast du mal etwas durchschnaufen können?

Julika Funke: Nicht wirklich. Diese Woche stand meine praktische Fahrprüfung an. Ich muss natürlich auch schon aufs Abi lernen. Dazu kommt diese Woche noch ein Lehrgang, der Freitag bis Sonntag dauert.

Wie verläuft bei dir im Moment ein normaler Tag?

Ich habe morgens und mittags Unterricht in der Schule. In der letzten Zeit hatte ich oft direkt danach Fahrstunden. Zu Hause habe ich dann etwas gegessen und noch für die Schule gelernt, aber gleich anschließend geht es schon wieder ins Training. Abends komme ich dann relativ spät heim. Nach dem Abendessen geht´s oft gleich ins Bett. Dieser Ablauf wiederholt sich dann fast jeden Tag.

Hast du manchmal das Gefühl, dass es zu viel ist?

Manchmal habe ich schon das Gefühl, dass es stressig ist. Manchmal denke ich: jetzt einfach mal zu Hause liegen bleiben, nach der Schule heimkommen, erst später lernen … Aber es ist nicht so, dass ich keine Lust aufs Training hätte. Immer wenn ich ins Training gehe, freue ich mich darauf, weil es jedes Mal viel Spaß macht.

Hast du dir die Vorbereitungszeit aufs Abi so vorgestellt?

Ja, im Grunde schon. Was mich am meisten stresst, ist das Gefühl, dass das Abi sehr wichtig ist und alle anderen sich nur darauf fokussieren können. Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass ich extrem hinterher bin mit dem Lernen, aber ich habe immer den Druck im Hinterkopf: Ich bin gerade auf einem Turnier und alle anderen machen was für die Schule. Aber arg viel stressiger habe ich es mir nicht vorgestellt und der Unterschied zu den früheren Klassen ist doch nicht so groß. Es ist alles machbar.

Leiden deine sportlichen Leistungen unter dem Lernstress?

Bis jetzt kann ich nicht wirklich einen Unterschied feststellen. Man wird bei den Höhepunkten dieses Jahr, der Junioren-EM und -WM, sehen, inwieweit der Lernstress mich beeinflusst. Aber mir bleiben danach noch zwei Jahre bei den Junioren, ab nächstem Jahr kann ich mich dann darauf voll konzentrieren. Zurzeit nehme ich meine Schulbücher oft mit. Im Flugzeug kann ich am besten lernen, aber bei den Turnieren vor Ort ist man  oft abgelenkt.

Weißt du schon, was du nach dem Abi machen willst?

Ich bin ja erst 17 nach dem Abitur. Mein Plan ist, reisen und fechten zu kombinieren. Ich möchte auf alle Fälle in die USA, um dort eine Weile zu trainieren. Vielleicht gehe ich noch in ein paar andere Länder, wo Fechten sehr populär ist, Ukraine, Italien oder Frankreich zum Beispiel. Natürlich möchte ich auch ein Studium absolvieren, damit ich später was in der Tasche habe. Allein vom Fechten zu leben und genug Geld damit zu verdienen, ist eigentlich nicht möglich. Internationales Eventmanagement als Studienfach würde mich reizen, aber da muss ich mich noch informieren, wo man es studieren kann und wie man es am besten mit dem Fechten verbinden kann.

Anfang März beginnt die Junioren-EM im russischen Sotschi. Was hast du dir da vorgenommen?

Aufgrund des Termins werde ich in erster Linie schauen, dass ich alles gut mit der Abi-Vorbereitung kombinieren kann. Ich werde auch dort einiges lernen müssen. Ich stecke mir jetzt keine bestimmte Platzierung als Ziel, sondern möchte einfach mein Bestes geben und dann schauen, was rauskommt.

Du kommst viel in der Welt herum. Wie viel sieht man von den Orten, wo die Fechtturniere stattfinden?

Das ist unterschiedlich. Vergangenes Wochenende waren wir mit meinem Verein, dem FC Würth Künzelsau, bei einem Junioren-Weltcup-Turnier in Algeriens Hauptstadt Algier. Das war schon besonders. Dort war es schwierig, mal auf die Straße rauszugehen, weil man als Frau innerhalb von zehn Minuten sechsmal von Autofahrern angehupt wurde. Wir haben aber relativ viel von Algerien gesehen, weil wir eine lange Busfahrt zur Fechthalle hatten. Am letzten Abend wurden wir zum Beispiel in ein typisches algerisches Restaurant eingeladen. Das war sehr schön. Ansonsten hat man schon oft die Gelegenheit, nach den Einzelwettbewerben in die Stadt zu gehen und sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Wir versuchen auch, wie in Algier in heimische Restaurants zu gehen, um auch davon etwas mitzubekommen.

Welche Stadt hat dir bislang am meisten gefallen?

(überlegt lange)  In Udine in Italien war es sehr schön. Und der Aktiven-Weltcup in Baltimore. Da war es auch sehr cool. Und Segovia in Spanien war ebenso eine sehr sehenswerte Stadt.

Fühlst du dich privilegiert, weil du durch den Sport schon in jungen Jahren so viel von der Welt sehen kannst?

Es hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits muss ich auf extrem viel verzichten. Ich kriege immer nur mit, wenn meine Freunde auf die Abi-Partys gehen. Es gab schon drei und ich war noch auf keiner, weil ich immer im Ausland war. Aber andererseits sehe ich Orte, die sehen die anderen nicht. Die Sachen, die ich dort erlebe, und wie ich alles organisiere, helfen mir dann fürs weitere Leben.

Steckbrief Julika Funke


Geburtstag: 18. Oktober 2000
Geburtsort: Buffalo (USA)
Wohnort: Rosengarten
Familienstand: ledig
Beruf: Schülerin, 12. Klasse Erasmus-Widmann-Gymnasium
Hobbys: Fechten, Gitarre
Bisherige Stationen: Fußball SV Westheim (ab 9 J.), Fechten Florett (ab 10 J.), Fechten Säbel FC Würth Künzelsau (seit dem 11. Lebensjahr)
Größte sportliche Erfolge: Deutsche Meisterin A-Jugend (2014), deutsche Vizemeisterin Aktive (2017), Hauptrunde bei Aktiven-Weltcupturnieren, Top 8 Junioren-Weltcup, Platz 3 mit der Mannschaft Junioren-EM (2017)