Die Harmonie muss beim Dressurreiten stimmen. Das weiß Kathleen Brucker ganz genau. Die 28-Jährige hat ihre elfjährige Stute Mausi selbst ausgebildet. Im Interview beschreibt Brucker, wie viel Zeit sie in ihr Hobby investiert und bei welcher Lektion sie die Luft anhält.

Frau Brucker, können Sie sich noch an die erste Begegnung mit ihrem Pferd Mausi erinnern?

Kathleen Brucker: Ja, das war hier auf der Reit­anlage in Hall im Jahr 2009. Sie ist dreieinhalbjährig von der Fohlenkoppel gekommen. Sie ist aus dem Hänger ausgestiegen, hatte die Vorderfüße noch auf der Rampe und hat mich angeschaut. In diesem Moment wusste ich: Das ist mein Pferd (lacht).

Quasi Liebe auf den ersten Blick …

Ja, sozusagen (lächelt).

Und was ist die allererste Erinnerung mit Pferden generell?

In der Kindheit hat meine Familie im Teurershof gewohnt und von dort war es nur ein Katzensprung zur Haller Reitanlage. Im Urlaub und überall, wo sich die Möglichkeit geboten hat, war ich als Kind beim Ponyreiten dabei. Für mich war relativ schnell klar, dass ich weiter reiten will.

In welchem Alter haben Sie mit dem Pferdesport angefangen?

Früher war es im Reitverein noch so, dass man erst ab 10 Jahren mit dem Reitsport anfangen durfte. Kurz vor meinem zehnten Geburtstag habe ich dann einen Ferienreitkurs machen dürfen.

Und anschließend mit Dressurreiten weitergemacht …

Ja, das ist generell so, dass man mit dem dressurmäßigen Reiten beginnt, bis man fest im Sattel sitzt. Wenn die Grundlagen gesichert sind, kann man mit dem Springen beginnen. Irgendwann entscheidet man sich, welche Disziplin einem besser liegt. Manche verfolgen weiterhin beides, Dressur und Springen. Ich habe mich nur für die Dressur entschieden, weil es mir einfach mehr Spaß macht.

Was macht für Sie bei der Dressur mehr Spaß?

Die Bewegungen des Pferdes haben einen ganz anderen Stellenwert als beim Springen. Es ist eine andere Feinabstimmung nötig. Das Ziel ist, dass die Hilfen immer feiner werden, sodass sie kaum sichtbar sind. Bei der Dressur ist man eher eins mit seinem Pferd und dies hat mich schon immer beeindruckt.

Warum ist das Heimturnier etwas Besonderes?

Es ist etwas anderes, weil vor allem viele Bekannte da sind. Viele vom Verein schauen zu, Familie, Freunde, teilweise auch meine Schüler (lächelt).  Für die Pferde ist die Atmosphäre auch eine andere. Im gewohnten Umfeld ändert sich was. In der Reithalle sitzen Richter, wo sonst nie jemand sitzt. Das eine oder andere Pferd sagt sich dann: nö, da geh’ ich jetzt erstmal nicht vorbei.

Dann ist es eher ein Heimnachteil?

Unter Umständen. Aber andererseits stehen die Tiere in ihrer Box und müssen nicht, wie bei der Fahrt auf ein anderes Turnier, lange im Hänger stehen. Insofern hat es auch Vorteile, auf der eigenen Anlage ein Turnier zu reiten. Besonders bei diesen heißen Temperaturen.

Wie viel Zeit verbringen Sie mit dem Dressurreiten?

Pro Tag bin ich drei bis vier Stunden beim Pferd.

Wie laufen diese Stunden ab?

Ich putze sie erstmal gemütlich und dann reite oder longiere ich.  Das Reiten und Longieren wechsele ich immer ab. In der Regel reite ich eine Stunde, manchmal ist es ein bisschen mehr und manchmal ein bisschen weniger. Das kommt darauf an, wie gut die Übungen klappen. Nach dem Ritt putze ich Mausi nochmal und miste ihre Box aus. Und das möchte ich nicht einfach zack, zack machen, sondern ich nehme mir bewusst Zeit dafür. Ein Pferd ist kein Sportgerät, das man einfach in die Ecke der Garage stellt.

Wie müssen Reiter und Pferd charakterlich zusammenpassen? Ist es besser, wenn beide denselben Charakter haben?

(überlegt) Also, in der Regel finden schon Reiter und Pferd mit ähnlichen Charakterzügen zusammen.

Ist das bei Ihnen und Ihrem Pferd Mausi auch so?

Ja, wir sind uns sehr ähnlich.

Sind Sie zusammen eher die forschen Typen?

Nein, normalerweise gehören wir beide zu den Ruhigeren, aber wir können auch mal explodieren (lacht).

Pferde welchen Geschlechts eignen sich am besten zum Dressurreiten – Stute, Wallach oder Hengst?

Das ist im Prinzip egal, weil es dabei mehr auf den Charakter und die Leistungsbereitschaft des Tieres ankommt. Früher hat man noch eher gesagt: Stuten eignen sich nicht so zum Dressurreiten, weil sie so zickig sein können. Aber wenn man das Vertrauen einer Stute gewinnt, ist man ein echt starkes Team.

Gibt es ein Prüfungselement, vor dem Sie Bammel haben?

Ja, das ist der Schritt. Das ist nicht die Lieblingsgangart von Mausi. Ich halte dann oft die Luft an und sie hält sich im Rücken fest. Wenn die Übung gut gelingt, dann  bin ich immer schon glücklich (lächelt).

Und welche Prüfung ist Ihr Sahnestück?

Das ist der Trab, der klappt so gut wie immer.

Welches Ziel haben Sie sich für das Heimturnier gesetzt?

Ich möchte zufrieden aus den Prüfungen herausgehen und Spaß haben. Auch das Pferd soll nach dem Turnier zufrieden sein, das ist mir das Wichtigste. Natürlich freue ich mich über jede Platzierung. Da ich mein Pferd selbst ausgebildet habe, hat jede Schleife eine besondere Bedeutung für mich. Aber wenn wir keine Schleife bekommen, dann bin ich trotzdem nicht enttäuscht.

Steckbrief Kathleen Brucker


Geburtstag: 22. Juni 1989
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Bibersfeld
Familienstand: ledig
Beruf: Grundschullehrerin in Michelbach
Hobbys: Reiten
Bisherige Stationen: seit 18 Jahren Reit- und Fahrverein Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: L-Dressur-Sieg (Trense) 2016 in Schwäbisch Hall, Bronzenes Reitabzeichen 2004