Moment mal, bitte! „Eine homogene Einheit“

Dorothee Berreth visiert den Ball an und holt zum Schlag mit der Vorhand aus.
Dorothee Berreth visiert den Ball an und holt zum Schlag mit der Vorhand aus. © Foto: Archiv/Hartmut Ruffer
Holger Ströbel 07.07.2018

Sie gehört quasi zum Inventar der Tennisdamen des STC Hall. Dorothee Berreth spricht über den bisher schlechten Saisonverlauf in der Oberliga und warum sie für ihr Team weite Wege in Kauf nimmt.

Die ersten drei Saisonspiele hat der STC verloren. Woran lag es aus Ihrer Sicht?

Dorothee Berreth: Wir entscheiden die engen Matches nicht für uns. Schon gegen Reutlingen und Sindelfingen waren verlorene Match-Tiebreaks entscheidend. Auch im letzten Spiel gegen Waldau war es ähnlich. Im Match-Tiebreak liegen die Nerven eben oft blank. Wenn der Gegner eine Serie startet, dann ist es sehr schwer, noch aufzuholen, weil der Match-Tiebreak nur bis zehn Punkte geht.

Sie sind vor zehn Jahren zum STC gewechselt. Im gleichen Jahr wurde der Match-Tiebreak eingeführt. Ihnen gefiel er damals nicht. Hat sich an dieser Meinung seitdem etwas geändert?

Wenn man unsere heutige Quote im Match-Tiebreak sieht, dann natürlich nicht (lacht).

Kann man sich im Training auf den Match-Tiebreak vorbereiten?

Ja, mit mentalem Training kann man da schon was machen. Man muss aber auch sehen, dass viele Spielerinnen in unserer Mannschaft nicht mehr an Einzelturnieren teilnehmen. Dort hat man aber öfter die Situation eines Match-Tiebreaks und hat daher auch mehr Erfahrung darin. Das ist bei uns schon ein Nachteil gegenüber jüngeren Spielerinnen beim Gegner.

Am Sonntag um 10 Uhr spielt der STC Schwäbisch Hall daheim gegen die ebenfalls sieglose TSG Backnang. Wie richtungsweisend ist dieses Duell?

Sehr. Wir müssen dieses Spiel gewinnen. Von den Einstufungen der Spielerinnen ist Backnang das schwächste Team in der Liga. Weil nur eine Mannschaft absteigt und es danach nur noch einen Spieltag gibt, wäre ein Sieg gegen Backnang fast gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt. Aber wir müssen auf Julia Junker verzichten, die aus beruflichen Gründen im Ausland weilt.

Julia Junker aus Bühlertann hat sie damals aus Ellwangen zum STC Schwäbisch Hall gelotst. Ist sie immer noch die wichtigste Bezugsperson für Sie?

Ich bin ja mittlerweile auch zehn Jahre da. Natürlich ist Julia wichtig für mich, aber ich habe jetzt auch viele Verknüpfungen zu den anderen geschlossen und wir kennen uns alle sehr gut. Wir sind eine homogene Einheit, obwohl manche bei uns verstreut sind. Ruslana Gladcenko kommt aus Dinkelsbühl, Monika Keller aus Aalen und Laura Rupp studiert in Stuttgart.

Sie selbst haben fünf Jahre lang in Heidelberg studiert und wohnen seit zweieinhalb Jahren in Darmstadt. Dennoch haben Sie den STC nicht verlassen …

Ja, ich fühle mich eben verbunden mit der Heimat. Und es ist schwer, woanders ein gutes Team zu finden. Und wenn man einen gewissen Anspruch hat, dann muss man eben mit den Umständen klar kommen.

Wie wirkt sich die Pendelei aus?

Es sind dann schon 300 bis 400 Kilometer, die ich für die Spieltage des STC Schwäbisch Hall fahren muss. Da geht viel Zeit im Auto drauf. Seit dieser Saison schaffe ich es nicht mehr Freitagabends ins Training nach Hall. Deswegen trainiere ich dann in Darmstadt, hier ist der Platz nur fünf Minuten entfernt. Wenn es geht, fahre ich dann samstags zu meinen Eltern nach Ellwangen und übernachte dort, um am Sonntag für Hall zu spielen. Manchmal reise ich aber erst sonntags an, dann muss ich um 6 Uhr losfahren. Aber ich bin es gewohnt, für den Sport unterwegs zu sein. Das war früher in der Jugend mit den ganzen Turnieren, auch im Beach-Tennis, schon so.

Diese Woche hat das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon begonnen. Haben Sie auch schon einmal auf Rasen gespielt?

Nein, leider noch nicht. Ich würde das aber gerne mal machen, weil ich gerne Serve-and-Volley und Slice spiele. Das kommt ja beim Rasentennis häufiger vor. Weil der Untergrund dann Unebenheiten hat, sind die Bälle nicht so berechenbar wie auf Sand oder Hardcourt.

Und wer gewinnt das berühmteste Turnier der Welt?

Ich drücke Roger Federer die Daumen. Ich verfolge seine Karriere schon sehr lange, also auch schon als er erst in den Top 500 der Weltrangliste war. Sein Spielstil und seine Technik sind beeindruckend. Bei den Damen ist es mehr eine Lotterie, die Turniersiegerin vorherzusagen. Simona Halep als French-Open-Siegerin gehört sicher zu den Favoritinnen. Die deutschen Damen könnten vielleicht ins Viertelfinale kommen, aber den Sieg traue ich ihnen eher nicht zu.

Aber dennoch hat sich das deutsche Damentennis in den letzten Jahren durch die Erfolge von Angelique Kerber, Julia Görges oder Sabine Lisicki wieder gemausert …

Ja, das stimmt. Es sieht positiver aus als noch vor fünf Jahren. Aber in den ländlichen Gebieten bekommen die Vereine manchmal keine Juniorinnen-Mannschaften mehr zusammen. Tennishallen werden zu Kletter oder Jumping-Hallen umgebaut. Das ist natürlich für einen Tennisspieler schade zu sehen. Aber so ist vielleicht der Zeitgeist der Gesellschaft: weg von den harten Individualsportarten, hin zu eher sozialeren Sportarten.

Steckbrief Dorothee Berreth

Geburtstag: 6. März 1991
Geburtsort: Ellwangen
Wohnort: Darmstadt
Familienstand: verheiratet
Beruf: Lehrerin
Hobbys: Sport allgemein, Freunde treffen
Bisherige Stationen: TC Ellwangen, TC Aalen, TC Lauchheim, seit 2008 STC Hall
Größte sportliche Erfolge: mehrere Jahre Württembergliga und Oberliga mit dem STC

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