Bester Deutscher bei EM Torben Laidig: „Diese Höhe wollte ich unbedingt“

Torben Laidig bei den Europameisterschaften in Berlin. Der gebürtige Haller meistert 5,51 Meter und verpasst damit knapp das Finale am Sonntag.
Torben Laidig bei den Europameisterschaften in Berlin. Der gebürtige Haller meistert 5,51 Meter und verpasst damit knapp das Finale am Sonntag. © Foto: dpa
Berlin / Hartmut Ruffer 11.08.2018
Der Haller Torben Laidig verpasst bei den Europameisterschaften in Berlin nur knapp das Finale. Er wird mit übersprungenen 5,51 Meter 13.

Wenige Stunden nach Ende des Qualifikationswettkampfs ringt der 24-jährige Torben Laidig nach den richtigen Worten. „Puh, ein Fazit zu ziehen fällt mir schwer. Einerseits bin ich glücklich, dass ich Rang 13 bei meinem ersten großen internationalen Wettkampf belegt habe. Andererseits: Wenn man höhengleich mit dem Zwölften ist und nur aufgrund der Fehlversuche nicht das Finale erreicht, könnte man weinen.“

Viel knapper geht es nicht. Weil der Russe Timor Morgunov in seinem dritten Versuch 5,61 Meter schafft, rutscht Torben Laidig im Gesamtklassement noch auf Rang 13 – die besten zwölf sind für das Finale an diesem Sonntag qualifiziert. Torben Laidig wäre der einzige deutsche Vertreter gewesen.

Sowohl der deutsche Meister Bo Kanda Lita Baehre als auch Raphael Holzdeppe verpassten ebenfalls das Finale. Holzdeppe verabschiedete sich mit einem „salto nullo“, schaffte also dreimal seine selbst gewählte Anfangshöhe von 5,51 Meter nicht. Viel hätte nicht gefehlt, dass Torben Laidig Ähnliches widerfahren wäre. Der gebürtige Haller, der mittlerweile für den LAV Stadtwerke Tübingen springt, ist bereits sehr früh im Olympiastadion, um sich mit den Begebenheiten vor Ort vertraut zu machen. „Das Wetter war besser als erwartet, aber der Wind war schwierig.“ Der pfiff ins große, weite Rund hinein und drehte dort seine Runden – und wurde so für die Stabhochspringer unberechenbar. „Einige hat es deshalb erwischt“, meint Laidig. Neben Holzdeppe blieb auch der Schwede Melker Svärd Jacobsson ohne gültigen Versuch.

Stab ist zu weich

Das Einspringen verlief für Laidig nicht optimal. Deshalb entschied er sich dazu, bereits bei 5,16 Meter in den Wettbewerb einzusteigen. Das sollte ihn den Finalplatz kosten. „Ich wollte mit einem weichen Stab beginnen, doch der war schon beim ersten Sprung zu weich“, erklärt Laidig. Er reißt die 5,16 im ersten Versuch.

Doch auch der zweite Versuch misslingt mit neuem Stab. „Einen salto nullo wollte ich unbedingt vermeiden.“ Nervös sei er vor dem dritten Versuch nicht gewesen, „ich war relativ selbstbewusst“. Laidig schafft die Höhe, von diesem Moment an sollte es wesentlich besser laufen. Mit den 5,36 Meter hat er im ersten Versuch keine Probleme. Auch die 5,51 Meter schafft er im ersten, ballt die Fäuste. „Diese Höhe wollte ich unbedingt schaffen, da ich damit meine bisherigen Saisonleistungen bestätigt habe.“ Zumal bei einer EM in Deutschland. Die Kulisse sei „richtig gut“ gewesen, dafür, dass es am Vormittag nur Qualifika­tionswettkämpfe gegeben hat. Ein „bisschen Glück“ sei bei den 5,51 Metern dabei gewesen. Laidigs Shirt touchiert die Latte, diese bleibt aber oben liegen.

5,61 sind die nächste Höhe. Die Springer, die noch im Wettbewerb sind, wissen, dass sie im Finale sind, wenn sie diese Höhe schaffen. Offiziell sind 5,66 Meter gefordert, doch aufgrund des Windes haben sich bereits viele aus dem Wettbewerb verabschiedet. Vor dem dritten Versuch wechselt Torben Laidig nochmals auf einen höheren Stab. So war es mit seinem Trainer Stephan Munz abgesprochen. Laidig stand bereit und blickte zur Windfahne. „Beim zweiten Versuch hatte ich gute Verhältnisse, diesmal ordentlich Gegenwind.“ So erwies sich der Stab als zu hart, Laidig brach den Versuch ab. Mit den übersprungenen 5,51 Meter war er aber noch im Rennen – bis Timor Morgunov kam. Laidig ist sofort im Bilde. „Der Stadionsprecher hat regelmäßig den Zwischenstand durchgesagt und wir Athleten konnten auf einem Monitor die Platzierungen ablesen.“ Der Traum vom Finale erfüllt sich nicht.

Als Torben Laidig nach dem Wettkampf sein Smartphone wieder anstellt, findet er dort eine E-Mail der Universität Tübingen. Darin steht, dass er einen Studien­platz für Medizin erhält. Laidig hatte sich dort beworben. „So war an diesem Tag doch nicht alles schlecht.“

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