Moment mal, bitte! „Die Vorbehalte waren schnell weg“

Alexander van Oijen betreut als Spielertrainer die Volleyballer des SSV Geißelhardt. Bislang läuft es für den Neuling in der Landesliga sehr gut. Die Mannschaft hat alle Spiele gewonnen.
Alexander van Oijen betreut als Spielertrainer die Volleyballer des SSV Geißelhardt. Bislang läuft es für den Neuling in der Landesliga sehr gut. Die Mannschaft hat alle Spiele gewonnen. © Foto: Alexander van Oijen
Mainhardt / Hartmut Ruffer 01.12.2018

Mit Alexander van Oijen haben die Volleyballer des SSV Geißelhardt seit dieser Saison einen neuen Trainer. Der 28-Jährige folgt auf Michael Kurz, der gut zehn Jahre lang die Mannschaft trainiert hat. Dass der SSV Geißelhardt ein spezieller Verein ist, hat van Oijen schnell bemerkt. Sportlich läuft es hervorragend. Der Aufsteiger führt nach fünf Spieltagen die Landesliga­­­­tabelle an.

Herr van Oijen, Sie sind mit dem SSV an diesem Samstag beim Vierten, dem TSV Schmiden, zu Gast. Tabellarisch betrachtet ein Spitzenspiel. Fühlt es sich im Vorfeld auch so an?

Alexander van Oijen: Ja. Ich habe Schmiden in dieser Saison schon gesehen. Sie haben ein sehr erfahrenes Team, in dem auch einige Spieler dabei sind, die schon höherklassig gespielt haben. Das wird eine harte Aufgabe für uns.

Geißelhardt steht als Aufsteiger auf Rang 1. War das für Sie so abzusehen?

Dass es so gut läuft, bestimmt nicht. Zu Beginn der Saison war der Wunsch der Mannschaft, sich wieder zu etablieren.

Von außen betrachtet ist der bisherige Saisonverlauf überraschend, schließlich hat der SSV Marian Epple verloren und keinen Spieler dazubekommen.

Marian ist ein sehr guter Spieler, aber es war jetzt nicht so, dass er die einzige tragende Säule war. Die anderen Jungs sind ebenfalls sehr gut. Wir haben an der einen oder anderen Schraube etwas gedreht.

Den SSV zeichnet aus, dass die Mannschaft seit der B-Jugend nahezu unverändert zusammenspielt. Haben Sie die Eigenarten des Vereins bei Ihrem Wechsel von Tübingen zum SSV gekannt?

Ich bin in Ellwangen aufgewachsen, da war mir Geißelhardt als Name in der regionalen Volleyballszene ein Begriff. Aber ehrlich gesagt wusste ich nicht, was mich erwartet. Als ich die ersten Spiele des SSV beobachtet habe, dachte ich: Was ist denn das für ein verrückter Haufen? (lacht)

Wie kam der Kontakt zustande?

Ich habe relativ früh gewusst, dass ich als Lehrer nach Michelbach ans ESZM kommen werde. Ich habe mich im Prinzip ins Blaue rein beworben, hatte mir aber Chancen ausgerechnet, denn Volleyballtrainer sind rar gesät.

War Geißelhardt der einzige Verein, den Sie angeschrieben haben?

Ja, ein Frauenteam kam nicht in Frage, da ich nicht ausschließen wollte, auch selbst zu spielen. Als mich dann Wolfgang Feuchter kontaktierte und mitteilte, dass Michael Kurz kürzertreten wolle, war die Sache schnell klar.

Wie war das erste Kennenlernen?

Ich saß bei ein paar Trainingseinheiten, die Michael noch führte, in der Halle. Das hatte was von „ein fremdes Tier ansehen“ (lacht). Anfangs hat es wohl ein paar Vorbehalte gegeben, wegen meines Alters und weil ich von außerhalb kam.

Waren diese schnell aus der Welt geräumt?

Ja, sehr schnell. Ich war bei jedem Wanderausflug, bei jedem gemeinsamen Essen dabei. Die Jungs haben mir sogar beim Umzug geholfen.

Was für einen Eindruck hatten sie sportlich?

Alle sind sehr athletisch. Individualtaktisch hat der eine oder andere noch Luft nach oben.

Sie haben auch ein neues Spielsystem implementiert. Bei einem Profiverein hätten Sie jeden Tag dafür Zeit, das einzuüben. Wie schwer ist das bei Amateuren?

Das funktioniert sehr gut bei uns. Bis auf einen Studenten sind alle bei jedem Training dabei. Und die Jungs saugen die Dinge auch auf wie ein Schwamm. Man spürt diesen unbedingten Willen, sich weiter zu verbessern.

Vor zwei Wochen gewann Geißelhardt mit 3:1 bei der SG Waldenburg. Hat dieses Spiel einen zusätzlichen Push gegeben?

Definitiv. Vor diesem Derby waren alle heiß. Die Jungs haben mir erzählt, dass es das Spiel ist, auf das sie seit Jahren gewartet haben. Man spürte die Brisanz. Ganz ohne Kommentar ging es im Vorfeld nicht (lächelt), aber das gehört dazu.

Die erste Mannschaft ist erfolgreich, die zweite ebenso, zudem schickt Geißelhardt auch noch eine dritte in den Ligenwettbewerb. Ist der SSV Ihrer Ansicht nach gut aufgestellt für die Zukunft?

Es ist das große Ziel, die Teams klarer zu strukturieren und die Durchlässigkeit zwischen der ersten und zweiten Mannschaft zu erhöhen. Wenn ich mir unsere zweite anschaue, dann sehe ich, dass da viele talentierte Spieler dabei sind, die fast alle noch unter 20 sind.

Zu der bisher so erfolgreichen Saison kommt noch hinzu, dass Sie in der 3. Runde des Verbandspokals auf den TV Rottenburg II aus der 3. Bundesliga treffen.

Das ist ein Traum! Ich kenne noch ein paar Spieler aus Rottenburg. Das wird ein ganz großes Spiel für den SSV.

Worin unterscheidet sich ein Landesliga- von einem Drittligaspieler?

Der Abstand beträgt ungefähr zehn Zentimeter (lacht). Tatsächlich sind höherklassige Spieler auch meist deutlich größer. Und es nimmt natürlich die Eigenfehlerquote deutlich ab. Wir wollen bei diesem Pokalspiel mit viel Herzblut dagegenhalten.

Steckbrief Alexander van Oijen

Geburtstag: 18. Mai 1990
Geburtsort: Kaufbeuren
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: verheiratet
Beruf: Gymnasiallehrer
Hobbys: Volleyball, Sport allgemein, Lesen, Reisen
Bisherige Stationen: TSV Ellwangen, SSC Tübingen, PSV Reutlingen, TSG Tübingen, seit Juli 2018 SSV Geißelhardt
Größte sportliche Erfolge: verletzungsfreies Sportstudium, Landesligaaufstieg mit der TSG Tübingen 2018, Oberliga als Spieler beim PSV Reutlingen

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