Moment mal, bitte! „Die beste Entscheidung“

Zwei Geißelhardter, die für Friedrichshafen spielen: Mario Schmidgall (links) und Marian Epple.  Foto: ars
Zwei Geißelhardter, die für Friedrichshafen spielen: Mario Schmidgall (links) und Marian Epple. Foto: ars © Foto: Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 07.01.2017

Ihr Ziel ist klar: Marian Epple und Mario Schmidgall wollen Volleyball-Profis werden. Begonnen hat alles beim SSV Geißelhardt, mittlerweile spielen sie beim Bundesstützpunkt Nachwuchs in Friedrichshafen, der Top-Adresse im deutschen Volleyball. Der 17-jährige Marian Epple und der 18-jährige Mario Schmidgall, beide in Schwäbisch Hall geboren, treten mit den „Young Stars“ in der 2. Bundesliga Süd an. Dort hat die Mannschaft ein Sonderspielrecht, das einen Auf- oder Abstieg ausschließt.

Beim Blick auf die Tabelle wundert man sich: Die „Young Stars“ zieren das Ende mit 0 Punkten nach 11 Spielen. Wie wichtig ist die Tabelle?

MARIAN EPPLE: Keiner verliert gern, aber wir machen uns auf keinen Fall von der Tabelle abhängig. Für uns ist es wichtig, uns als Einzelspieler und Team weiterzuentwickeln in der Zeit, in der wir in Friedrichshafen sein dürfen. Von der Spielstärke her sind wir nicht weit von unseren Gegnern weg.

MARIO SCHMIDGALL: Wir sind alle junge Spieler. Manchmal fehlt uns schlicht ein Spieler mit Erfahrung.

Ihr habt beide in Geißelhardt mit dem Volleyball begonnen, zudem in Waldenburg gespielt. Du, Marian, warst auch noch in Kleiningersheim. Wie aber kommt man zum Bundesstützpunkt nach Friedrichshafen?

MARIAN EPPLE: Es gibt im Volleyball wie in anderen Sportarten auch ein Fördersystem: Man spielt zwei Jahre im Bezirkskader, dann zwei Jahre im Landeskader. Wir sind im Anschluss von Adrian Pfleghar (Leiter der „Young Stars“, Anm. d. Red.) gefragt worden, ob wir nach Friedrichshafen kommen. Bei Mario war es sogar ein Jahr früher als bei mir.

Wer ja sagt, sollte wissen, worauf er sich einlässt …

MARIO SCHMIDGALL: Es geht darum, Profi zu werden. Doch die schulische Seite ist genauso wichtig. Wer bei den „Young Stars“ ist, geht ganz normal zur Schule. Meist ist man bei Gastfamilien untergebracht. Ich allerdings lebe alleine in einer Wohnung. Neben der Schule haben wir jeden Tag drei Stunden Training, in den Ferien sind es gerne auch mal fünf Stunden.

Macht der Sport bei dieser Intensität dann noch Spaß?

MARIO SCHMIDGALL: Je höherklassig man spielt, desto mehr macht es Spaß. Der steigt sozusagen exponentiell an. Natürlich gibt es auch Übungen, die mir nicht so gefallen. Aber wir wollen professionelle Volleyballer werden. Da zieht man beispielsweise schon mal zwei Unterhosen an, wenn man Durchfall hat, um das Training nicht zu verpassen.

MARIAN EPPLE: Man darf nicht vergessen: Es wird ziemlich viel Geld in unsere Ausbildung investiert. Da haben wir auch eine gewisse Pflicht zu trainieren.

MARIO SCHMIDGALL: Ich habe einen Vertrag unterschrieben, in dem steht, dass ich während der Trainingszyklen auf Alkohol verzichte.

Ihr seid beide mitten in der Pubertät nach Friedrichshafen gegangen. Habt ihr diese Entscheidung irgendwann mal angezweifelt?

(beide synchron) Nein!

MARIO SCHMIDGALL: Natürlich gibt es auch mal harte Zeiten, aber es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

MARIAN EPPLE: Das sehe ich genauso. Ich will Profi werden. Aber selbst, wenn ich es nicht schaffen sollte: Ich bin mit 15 auf mich alleine gestellt, meistere Schule und Sport. Schon so kann ich als Sieger ins zukünftige Leben gehen. Für diesen Weg braucht man nicht nur Talent, sondern auch Eier. Das macht nicht jeder.

Mario, du machst 2017 Abitur, Marian ein Jahr später. Das bedeutet, dass deine Zeit in Friedrichshafen voraussichtlich zu Ende geht. Wie sind die Aussichten?

MARIO SCHMIDGALL: Ich werde viel Geduld brauchen und lange warten müssen, denn als 18-Jähriger steht man bei den Vereinen abhängig von der Spielposition meist nicht ganz oben auf der Wunschliste. Man braucht ein bisschen Glück. Die Option, ins Ausland zu gehen, gibt es natürlich auch.

Habt ihr noch Kontakt zum SSV Geißelhardt?

MARIAN EPPLE: Natürlich. Ich war erst vor kurzem mit meinem Vater bei einem Spiel.

MARIO SCHMIDGALL: Dort sind unsere Volleyball-Wurzeln. Die Grundlagen haben wir beim SSV gelernt. Ich war überrascht, als Adrian Pfleghar nicht nur Geißelhardt kannte, sondern gleich noch ein paar Orte drum herum aufzählte. Er hat sich definitiv damit beschäftigt (lacht).

Mit Felix Kraft hat ein weiterer gebürtiger Haller in Friedrichshafen gespielt. Hattet ihr Kontakt zu ihm?

MARIO SCHMIDGALL: Als ich nach Friedrichshafen ging, habe ich ihn angeschrieben. Ein paar Tipps habe ich bekommen. Ich weiß, dass er jetzt die Oberliga-Frauen der TSG Schwäbisch Hall trainiert.

Momentan trainiert ihr gemeinsam, werdet in diesem Jahr auch gemeinsam Beachvolleyball spielen. Doch für die Zukunft gehen eure Pläne etwas auseinander, oder?

MARIAN EPPLE: Ich bin 1,90 Meter groß. Da ist die Perspektive für den Hallenvolleyball nicht ganz so rosig. Mario hat mit seinen 2,06 Meter bessere Aussichten. Deshalb möchte ich später mit Beachvolleyball mein Geld verdienen. Dort ist die Größe nicht so entscheidend und man muss noch präziser spielen als in der Halle.

MARIO SCHMIDGALL: Das stimmt. Ich bin nicht der feinste Techniker (lächelt), deshalb möchte ich später vor allem mit Hallenvolleyball meinen Lebensunterhalt verdienen. Jetzt konzentrieren wir uns aber auf unser nächstes Zweitligaspiel am 21. Januar in Mainz-Gonsenheim.

Steckbrief Marian Epple

Geburtstag: 10. November 1999
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Friedrichshafen
Familienstand: ledig
Beruf: Schüler
Hobbys: Darts, Poker
Bisherige Stationen: SSV Geißelhardt, SG Waldenburg, TSV Kleiningersheim, seit 2015 VfB Friedrichshafen Young Stars
Größte sportliche Erfolge: württembergischer und süddeutscher Meister, 6. Platz DM (Beach und Halle)

Steckbrief Mario Schmidgall

Geburtstag: 2. Mai 1998
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Friedrichshafen
Familienstand: ledig
Beruf: Schüler
Hobbys: Basketball, Joggen
Bisherige Stationen: SSV Geißelhardt, SG Waldenburg, seit 2013 VfB Friedrichshafen Young Stars
Größte sportliche Erfolge: 2x Bundespokalsieger mit der Württemberg- und Baden-Württemberg-Auswahl, deutscher Meister, 6. Platz Beach-DM

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