Schwäbisch Hall „Die Anspannung war größer“

Dilara (links) und Ilayda Acikgöz beim Training der Sportfreunde Schwäbisch Hall.
Dilara (links) und Ilayda Acikgöz beim Training der Sportfreunde Schwäbisch Hall. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 10.11.2018
Es ist der vorläufige Höhepunkt der noch jungen Karriere: Die Fußballerinnen Dilara und Ilayda Acikgöz trugen das deutsche Nationaltrikot.

Es war der vorläufige Höhepunkt für Dilara und Ilayda Acikgöz: Die 14-jährigen Zwillinge spielen bei der männlichen C-Jugend der Sportfreunde Schwäbisch Hall und gaben nun ihr Debüt im DFB-Dress. Sie liefen für die weibliche U 15 in zwei Länderspielen gegen die Schweiz auf. Der 15 Minuten älteren Dilara gelang dabei auch ein Tor. Damit sind sie nach Ereleta Memeti die nächsten Jugendnationalspielerinnen der Sportfreunde. Und für sie ist klar: Diese ersten Länderspiele sollen nicht die letzten gewesen sein.

Wie war das Gefühl, zum ersten Mal das deutsche Nationaltrikot zu tragen?

Ilayda Acikgöz: (lacht) Ein sehr gutes!

Dilara Acikgöz: Wir waren beide zuvor auf einem Sichtungslehrgang des DFB. Diesmal wollten wir es unbedingt schaffen, da wir im vergangenen Jahr schon bei der Sichtung dabei waren, aber letztlich nicht in den U 15-Kader berufen worden sind.

Habt ihr direkt nach dem Lehrgang von eurer Nominierung erfahren?

Ilayda Acikgöz: Nein, es hieß, dass wir innerhalb der nächsten zwei Wochen nach dem Lehrgang per E-Mail informiert werden.

Ihr habt also die ganze Zeit auf euer Smartphone geschaut?

Beide: (lachen) So ungefähr! Dann kam die Mail gleichzeitig an uns und unsere Mutter. Wir haben uns riesig gefreut, dass wir es beide geschafft hatten.

Wusstet ihr, dass ihr beide zum Einsatz kommen werdet?

Beide: Nein, Bundestrainerin Bettina Wiegmann hat am Abend vor dem ersten Spiel gegen die Schweiz uns allen mitgeteilt, dass sie nach ihren Trainingsein­drücken aufstellen wird. Letztlich sind im ersten Spiel aber alle zum Einsatz gekommen, weil es so gut gelaufen ist.

Ihr habt mit 6:0 gegen die Schweiz gewonnen. Dabei lief es vor allem nach der Pause gut …

Ilayda Acikgöz: Ja, die Schweizerinnen hatten dann konditionelle Probleme und sind nicht mehr hinterhergekommen.

Dilara, du hast in deinem ersten Länderspiel gleich ein Tor erzielt, das 4:0. Auf dem Video sieht es so aus, als ob du sofort drauf spekuliert hast, dass die Torhüterin den Schuss zur Seite abklatscht, und du den Abpraller verwerten kannst. War das so?

Dilara Acikgöz: Zunächst dachte ich, dass meine Mitspielerin den Ball direkt zu mir weiterleitet. Aber sie hat dann geschossen, und da habe ich in der Tat auf den Abpraller spekuliert.

Auch das zweite Länderspiel gegen die Schweiz gewann Deutschland, diesmal mit 1:0. Ihr wart beide wieder im Einsatz. Was war der Unterschied zur ersten Partie?

Ilayda Acikgöz: Die Schweizerinnen haben im Prinzip nur hinten dringestanden, die Abwehrkette war wesentlich tiefer positioniert.

Gab es nach den Partien bereits eine Analyse von der Bundestrainerin?

Beide: Sie hat allgemein mit uns gesprochen und gesagt, dass sie sehr zufrieden sei. Wir erhalten noch die einzelnen Rückmeldungen von ihr per E-Mail.

Unterscheidet sich ein Länderspiel deutlich von anderen Partien?

Ilayda Acikgöz: Das war eine große Erfahrung. Schon das Einlaufen ins Stadion fühlte sich anders an. Während des Spiels gab es aber keine Unterschiede.

Dilara Acikgöz: Die Anspannung war natürlich größer vor dem Anpfiff. Uns war wichtig, dass wir beide gute Spiele zeigen, und das ist uns gelungen.

Betrachtet man eure Langzeitentwicklung, dann habt ihr euch sukzessive verbessert. Ab wann habt ihr gemerkt, dass es „ernsthafter“ wird?

Dilara Acikgöz: Anfangs hatten wir einfach Spaß am Fußball. Dann kam die Einladung des württembergischen Verbands, schließlich der Sichtungslehrgang des DFB vor einem Jahr. Ab da wollten wir unbedingt Länderspiele machen.

Dabei lief es zunächst gar nicht so wie erwünscht …

Ilayda Acikgöz: Ja, im vergangenen Jahr dachten wir, dass wir beide in der C1-Jugend der Sportfreunde mitspielen werden, doch zunächst waren wir in der C2. Wir waren etwas geknickt. Doch unsere Trainer, Uwe Filbry und Ahmed Vural, haben uns wieder aufgebaut, und wir haben den Sprung in die C1 geschafft.

Dilara Acikgöz: Letztlich war das eine gute Erfahrung für uns. Es geht eben nicht ständig nach oben, es gibt auch Rückschläge.

Durch die Länderspiele gibt es nun vermehrt Anfragen für euch. Wie seht ihr selbst eure nähere Zukunft?

Beide: So lange wie es nur geht, wollen wir weiter mit den Jungs spielen. Das haben wir uns fest vorgenommen.

Gibt es noch einen Traum für die weitere Zukunft?

Ilayda Acikgöz: Ich kann mir später auch vorstellen, im Ausland zu spielen, beispielsweise beim FC Barcelona. Aber jetzt wollen wir beide erstmal wieder zu Länderspielen eingeladen werden. Die nächsten sind im Dezember. Da wollen wir unbedingt dabei sein.

Steckbrief Ilayda Acikgöz

Geburtstag: 2. Juni 2004
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: ledig
Beruf: Schülerin
Hobbys: Fußball, Basketball, Trampolinspringen
Bisherige Stationen: TSG Schwäbisch Hall, Sportfreunde Hall, FC Union Heilbronn, seit 2014 wieder Sportfreunde Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: zwei Länderspiele für Deutschland (U 15), Sieg beim Länderpokal 2017 mit Württemberg

Steckbrief Dilara Acikgöz

Geburtstag: 2. Juni 2004
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: ledig
Beruf: Schülerin
Hobbys: Fußball, Basketball, Trampolinspringen
Bisherige Stationen: TSG Schwäbisch Hall, Sportfreunde Hall, FC Union Heilbronn, seit 2014 wieder Sportfreunde Schwäbisch Hall
Größte sportliche Erfolge: zwei Länderspiele für Deutschland (U 15), Sieg beim Länderpokal 2017 mit Württemberg

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