Moment mal, bitte! „Der Ausreißer fehlt noch“

Hoch hinaus: Torben Laidig in der „i-Position“, kurz bevor er die Latte überquert.
Hoch hinaus: Torben Laidig in der „i-Position“, kurz bevor er die Latte überquert. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 21.07.2018

Seit einem Monat ist Torben Laidig wieder aus den USA zurück. Viereinhalb Jahre hat der heute 24-jährige Stabhochspringer in Blacksburg an der Virgina Tech University studiert. Seine Bachelorstudiengänge in Biochemie und Biomedizin hat er mit dem Prädikat „summa cum laude“ abgeschlossen – und gleichzeitig ist der gebürtige Haller zu einem nationalen Spitzenathleten avanciert. An diesem Samstag wird er im Trikot der LAV Stadtwerke Tübingen bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg antreten. Sein Ziel ist die Qualifikation für die Europameisterschaften in Berlin.

Herr Laidig, sind Sie schon einmal in Nürnberg gesprungen?

Torben Laidig: Nein. Zwar wurden die deutschen Meisterschaften schon vor ein paar Jahren dort ausgetragen, aber da war ich nicht dabei. Diesmal wird ein Steg auf dem Rasen aufgebaut. Es wird also anders sein als auf einer herkömmlichen Anlage.

Haben Sie mit einem solchen Steg Erfahrungen?

Ja, in den USA hatten wir in unserer Trainingshalle genau so einen, wie er jetzt in Nürnberg aufgebaut werden soll. Auch beim Wettbewerb in Rottach-Egern gab es einen solchen Steg. Der signifikanteste Unterschied ist, dass der Boden etwas mehr federt.

2016 gewannen Sie bei der DM in Kassel Bronze mit 5,45 Meter. Was haben Sie sich diesmal vorgenommen?

Das primäre Ziel für mich ist es, mich für die EM zu qualifizieren. Dafür kann Platz 3 reichen. Das liegt daran, dass der deutsche Leichtathletikverband DLV Raphael Holzdeppe bereits vornominiert hat. Es werden in Nürnberg noch zwei weitere Startplätze vergeben.

Die Konkurrenz ist groß. Neben Holzdeppe und Ihnen haben vier weitere Springer die vom DLV geforderte Norm von 5,60 Meter geschafft. Erhöht das den Druck?

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der DLV die Norm auf 5,65 Meter gesetzt hätte. Aber das ist müßig, darüber zu spekulieren. Ich mache mir selbst nicht zu großen Druck. Damit bin ich in der Vergangenheit immer gut gefahren. Ich weiß, dass ich die Höhen, die für Berlin notwendig sind, springen kann. Aber wenn es nicht reichen sollte, ist das eben so.

Am vergangenen Dienstag sind Sie den letzten Wettkampf vor der DM in Jockgrim gesprungen. Wie haben Sie sich in den vergangenen Wochen vorbereitet?

Hartes Training gibt es kurz vor so einem wichtigen Wettbewerb nicht mehr. Es geht darum, die Form zu halten und fit zu bleiben. Die vergangenen Wochen nach meiner Rückkehr verliefen also etwas ruhiger für mich. Ich hatte Zeit für meine Familie und Freunde – und das war auch sehr schön.

Wie beurteilen Sie Ihre Form?

Ich bin bei den vergangenen Wettkämpfen konstant gesprungen, zwischen 5,50 und 5,60 Meter. Das ist schon mal gut. Was noch fehlt, ist der Ausreißer nach oben. Ich hoffe, dass er in Nürnberg kommt (lächelt). Ich weiß dank meines Trainings, dass ich auch höher springen kann.

Wie blicken Sie auf die vergangenen viereinhalb Jahre in den USA zurück?

Von den Verletzungen abgesehen war es eine sehr schöne Zeit. Ich habe mich sportlich enorm verbessert und mich hoffentlich auch menschlich weiterentwickelt (lächelt).

Nach einem Jahr Aufenthalt hatten Sie berichtet, dass der größte Unterschied das Krafttraining gewesen sei.

Ja, das stimmt. In den USA wird viel mehr Wert darauf gelegt. Ich habe auch deutlich mehr Muskelmasse aufgebaut. Eventuell ging das anfangs zu schnell, denn ich hatte eine hartnäckige Schambein­entzündung. Dennoch habe ich von diesem Training profitiert, da ich dann auch mit anderen, härteren Stäben springen konnte.

Momentan wohnen Sie wieder in Hall, doch Sie werden im Herbst nach Tübingen ziehen…

Das ist mein Plan. Zwar habe ich dort für mein Medizinstudium noch nicht die Zusage für den Platz, aber ich bin zuversichtlich, dass das klappt.

Den Verein haben Sie schon gewechselt. Sie starten nicht mehr für die WGL Hall, sondern für die LAV Stadtwerke Tübingen. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Weil ich eine Bindung zu dem Ort haben möchte, an dem ich auch lebe. Und das wird sehr wahrscheinlich Tübingen sein. Ich bin der WGL Schwäbisch Hall und dem TSV Sulzdorf dankbar dafür, was sie für mich getan haben. Unter Jochen Eberhart (Trainer der WGL-Stabhochspringer, Anm. d. Red.) habe ich mich sehr gut entwickelt. Er hat den Grundstein für das gelegt, was ich jetzt bin.

Wer ist nun Ihr Trainer?

Stephan Munz, der ab September auch der Landestrainer Stabhochsprung sein wird. Er hat mir damals auch den Kontakt in die USA vermittelt und wird mich auch in Nürnberg bei der DM betreuen. An der Virginia Tech war Stephan während seiner Promotion bereits Assistenztrainer für den Stabhochsprung. Seine Trainingsprogramme haben mir dort schon sehr gut gefallen und wesentlich zu meiner sportlichen Weiterentwicklung beigetragen.

Stimmt es, dass in Nürnberg auch Freunde aus den USA dabei sein werden?

(lächelt) Ja, momentan sind drei meiner Studienkollegen aus Blacksburg zu Besuch. Sie werden dabei sein. Außerdem ist auch mein Trainer der Virginia Tech University Bob Phillips momentan in Deutschland. Er wollte auch kommen.

Steckbrief Torben Laidig

Geburtstag: 13. März 1994
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Sulzdorf, bald Tübingen
Familienstand: ledig
Beruf: Student
Hobbys: Leichtathletik, Fotografie
Bisherige Stationen: 2000 bis 2017 WGL Hall/TSV Sulzdorf, seit 2018 LAV Stadtwerke Tübingen
Größte sportliche Erfolge: Bronze bei der DM in Kassel 2016, Silber bei den NCAA-Championships 2016, Deutscher U-23-Meister 2015, Atlantic-Coast-Conference-Champion 2014 und 2016, Silber bei der europäischen Jugendolympiade 2011

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel