Moment mal, bitte! „Das müssen alle spüren“

Wolf Gieseke (links) und Peter Kämmer beim Training des Nachwuchses der Schwimmabteilung der TSG Schwäbisch Hall.
Wolf Gieseke (links) und Peter Kämmer beim Training des Nachwuchses der Schwimmabteilung der TSG Schwäbisch Hall. © Foto: Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 14.07.2018

Die Schwimmabteilung der TSG Schwäbisch Hall hat sich neu aufgestellt. Peter Kämmer und Wolf Gieseke haben im Mai die Leitung übernommen. Im Gespräch schildern sie ihre Pläne für die Zukunft der TSG-Schwimmer.

Herr Kämmer, Herr Gieseke, warum ist es zum Wechsel an der Spitze gekommen?

Peter Kämmer: Die letzten Jahre standen Alexander und Claudia Schuster an der Spitze. Sie hatten zwar angekündigt, aufhören zu wollen, aber das hat uns hart getroffen.

Wolf Gieseke: Sie waren der Kopf der Organisation, haben wirklich alles gemacht: Leitung, Organisation, Trainer, Camps. Sie haben sich echt aufgeopfert.

Peter Kämmer: So wie die beiden es gemacht haben, können wir es nicht leisten. Wir müssen die Aufgaben auf viele Schultern verteilen.

Wer in einem Verein ein Ehrenamt übernommen hat, der weiß, dass so etwas nicht einfach zu managen ist...

Wolf Gieseke: Vielleicht ist es Fügung, vielleicht glück­licher Zufall. Bei uns Masters-Schwimmern (als Masters werden die Seniorenschwimmer bezeichnet, Anm. d. Red.) sind zuletzt immer wieder Neue von außerhalb dazugekommen. Beispielsweise Janine Sauerteig. Sie hat die Trainer B-Lizenz und möchte nach den Sommerferien bei uns einsteigen. Tom Peikert und ich bleiben. Zudem haben wir Stefan Krause dazu bekommen. Den wollte ich schon immer für uns gewinnen (lächelt). Er hat die A-Lizenz und leitet bei uns nun die Leistungsgruppe 1.

Peter Kämmer: Wir sind weiter auf der Suche nach Trainern. Unser Ziel ist, dass jede Gruppe mit zwei Trainern besetzt ist. Die müssen aber nicht gleichzeitig da sein. So wird auch der Aufwand der Trainer etwas entzerrt. Das Wichtigste aber ist die Wertschätzung. Das müssen alle spüren können. Dann übernehmen auch Eltern gerne Aufgaben wie Zeitnahme oder Zielgericht.

Was soll die Schwimmabteilung der TSG darstellen?

Wolf Gieseke: Wir wünschen uns Wettkampfsport und Wettkampfleistungssport. Bei Letzterem müssen wir abwarten, ob wir das so wie gewünscht darstellen können. Dafür benötigen wir mehr Trainingszeiten.

Peter Kämmer: Da haben wir von der Stadt und den Stadtwerken bereits Unterstützung erfahren. Wenn das Hallenbad früher schließt, dürfen wir das Freibad nutzen. Aber prinzipiell gilt: Erst die Trainer, dann die Bahnen. Schließlich haben unsere Coaches dann die Verantwortung für den Betrieb.

Gibt es Überlegungen, das Christel-Justhen-Gedächtnisschwimmen wiederzubeleben?

Wolf Gieseke: Ja, die gibt es. Ob es so oder anders heißen wird, werden wir sehen. Momentan spukt in meinem Kopf auch eine andere Idee herum: In Leonberg ist das Freibad im kommenden Jahr wegen Renovierung geschlossen. Dort findet immer ein stark besetzter Wettkampf statt. Vielleicht können wir so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, an einem Tag der internationale Sprint-Cup, am anderen das Gedächtnisschwimmen.

Wie hat sich das Schwimmen in den vergangenen Jahren verändert?

Wolf Gieseke: Es ist eine andere Zeit. Die Masse schwimmt heute schneller als früher. Das, was früher die Klasse war, ist heute die Masse. Aber an der absoluten Spitze war es früher dünn und ist es auch heute noch. Der Aufwand dafür ist enorm. Ich habe beispielsweise früher jeden Tag trainiert, war genau einmal im Schullandheim. Sonst sagte ich immer: Ich muss trainieren. Heute muss man zweimal pro Tag trainieren, um auf nationaler Ebene Erfolg haben zu können.

Wird also weiterhin „stumpf“ auf Zeit und Meter geschwommen?

Wolf Gieseke: Natürlich nicht, die Zeiten des „Kachelnzählens“ sind längst vorbei. Das Techniktraining hat sich stark weiterentwickelt. Und etwas Spaß soll auch dabei sein.

Peter Kämmer: Ich habe vor kurzem eine Übung mitbekommen, bei der die Schwimmer mit einem Seil um den Bauch sozusagen gegen Widerstand geschwommen sind. Sie hätten die Freude und das Lachen sehen sollen! Wenn man das beobachtet, geht einem das Herz auf! (lacht).

Bei welchen Wettbewerben sollen die Leistungsschwimmer der TSG Schwäbisch Hall zu finden sein?

Wolf Gieseke: Eine deutsche Meisterschaft muss nicht sein. Wenn es passiert, ist es schön, aber darauf werden wir uns nicht ausrichten. Regelmäßig Staffeln zu stellen ist für uns ein Ziel, um auch den Teamgedanken zu fördern. Entscheidend ist, dass wir ständig für Nachschub sorgen können und Talente dann auch systematisch fördern.

Peter Kämmer: Innerhalb der kommenden zwei Jahre wollen wir die Basis geschaffen haben, dass es läuft.

Steckbrief Wolf Gieseke

Geburtstag: 19. April 1968
Geburtsort: Stuttgart
Wohnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Beruf: Bau- und Wirtschaftsingenieur
Hobbys: Schwimmen, Motorradfahren, Wandern, Lesen
Bisherige Stationen: SG Glems, SV Cannstatt, seit 2010 TSG Hall
Größte sportliche Erfolge: Deutscher Meister mit der 4x100-Meter-Brust-Staffel 1990, zweimal Dritter bei den Masters-Europameisterschaften 2001 und 2004

Steckbrief Peter Kämmer

Geburtstag: 2. Februar 1966
Geburtsort: Ludwigsburg
Wohnnort: Schwäbisch Hall
Familienstand: liiert
Beruf: Versicherungsfachmann (Allianz)
Hobbys: Schwimmen, Skifahren, VfB Stuttgart, Politik
Bisherige Stationen: seit 1972 (mit 30-jähriger Pause wegen Umzug) TSG Schwäbisch Hall (Schwimmen)
Größte sportliche Erfolge: 3. Platz bei den württembergischen Meisterschaften über 100 Meter Rücken (1975)

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