Moment mal, bitte! „Das hat für Unruhe gesorgt“

Erciment Blumer coacht das Volleyball-Damenteam der TSG Hall. Am Sonntag treten die Hallerinnen um 12 Uhr in der Mainhardter Steinbühlhalle zum Derby gegen den SSV Geißelhardt an.
Erciment Blumer coacht das Volleyball-Damenteam der TSG Hall. Am Sonntag treten die Hallerinnen um 12 Uhr in der Mainhardter Steinbühlhalle zum Derby gegen den SSV Geißelhardt an. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 03.11.2018

Nach dem Abrutschen aus der Oberliga in die Bezirksliga müssen sich die Volleyball-Damen der TSG Hall neu orientieren. Trainer Erciment Blumer erklärt, wie es zu den Abstiegen kam, worauf es jetzt ankommt und den Unterschied zwischen Frauen- und Männertraining.

Herr Blumer, das Team hat zwei Abstiege innerhalb von zwei Jahren hinter sich. Was waren dafür die Gründe?

Erciment Blumer: Das hatte mehrere Gründe. Einer der Hauptgründe war, dass wir sehr viele Abgänge hatten, auch schon zu der Zeit in der Oberliga. Cindy Henning hat zum Beispiel aufgehört, auch Corah Hodrus. Danach gab es Unruhen in der Mannschaft und die Harmonie war nicht mehr so da. Und zum anderen kam aus dem Nachwuchsbereich nichts nach.

Nach dem Abstieg aus der Oberliga haben ja noch mehr Spielerinnen den Verein verlassen ...

Ja, Anja Rumez, Caroline Schwiertz, Anne Pötzl. Es war ein großer Aderlass. Trainer in dieser Saison war Felix Kraft, den ich als Spieler und Trainer sehr schätze. Er hat die Mannschaft ein Jahr lang in der Oberliga trainiert, aber es war klar, dass er nach einem Jahr wieder aufhört. Danach gab es zunächst keinen neuen Trainer. Man hat lange gesucht. Mein Kollege Thomas Schultes, der das Team vor Felix Kraft trainiert hat, hat sich dann wieder bereit erklärt. Ich habe die Jugendmannschaft übernommen. Zudem haben wir ausgemacht, dass ich den Thomas bei den Damen unterstütze.

Wie ging es in der Landesliga weiter?

Wir haben die Mannschaft, die eigentlich keine Mannschaft mehr war, mit Jugendspielerinnen aufgefüllt, um die Klasse zu halten. Es war ein Versuch. Es hat dann aus unterschiedlichen Gründen nicht so funktioniert.

Aus welchen Gründen?

(überlegt lange) Die Rahmenbedingungen waren nicht gut. Ich selbst konnte aus beruflichen Gründen nicht immer präsent sein. Und bei den Jugendspielerinnen haben für die Landesliga noch technische Grundlagen und Spielverständnis gefehlt. Das hat wiederum bei den Etablierten für Unruhe gesorgt. Es war überhaupt kein Mannschaftsgeist mehr da. Diese Unruhe war dann der Grund, dass wir vor dieser Saison in der Bezirksliga gesagt haben: Unser primäres Ziel ist die Mannschaftsbildung. Aus der Oberliga-Zeit ist nun gar keine Spielerin mehr dabei.

Wie ist das Team jetzt zusammengestellt?

Ich habe ja die letzten Jahre auch die Jugendmannschaft gecoacht, weil mir die Jugend ans Herz gewachsen ist und meine Tochter Corinne in der Mannschaft war.  Aus dieser U 20 sind jetzt viele in der Damenmannschaft. Sie haben alle gesagt, dass ich als Trainer weitermachen soll, weil sie ohne Coach nicht spielen können. Die Mannschaft besteht jetzt zur Hälfte aus Akteurinnen, die schon letztes Jahr dabei waren, und zur anderen Hälfte aus Jugendspielerinnen. Aber einige machen gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder machen nächstes Jahr ihr Abi. Die sind dann wahrscheinlich danach weg. Dann muss man wieder sehen, ob was von unten nachkommt. Der Thomas baut gerade wieder eine neue U 20 auf.

Wie viele Spielerinnen haben Sie zur Verfügung und wie alt sind sie?

Die älteste ist erst 26, die jüngste sogar erst 16. Insgesamt besteht der Kader aus elf Spielerinnen. Das klingt zunächst gut, aber das Leistungsniveau innerhalb des Kaders ist sehr unterschiedlich. Und ich habe beispielsweise viele Diagonalangreiferinnen, aber Zuspielerinnen habe ich nur eine, die sich auch noch verletzt hat.

Wie gestaltet man als Coach das Training, wenn die Leistungsdichte so verschieden ist?

Ich muss schauen, dass die Übungsgruppen entweder gleichmäßig aufgeteilt sind, damit die Schwächeren von den Stärkeren getragen werden und somit Fortschritte machen. Das ist aber mit Vorsicht zu genießen, weil leichte Übungen für die Stärkeren oft keine Herausforderung sind. Deswegen gibt es auch Einheiten, bei denen die Gleichstarken zusammen trainieren. Alle machen die gleichen Übungen, nur mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Aber generell haben wir wirklich sehr talentierte Jugendspielerinnen, die auch motiviert sind.

Muss man als Trainer Frauen anders behandeln als Männer?

Also, die Frauen haben Sprüche drauf, da wird ein Mann rot (lacht). Da war ich am Anfang auch überrascht. Im Frauen-Training muss man die Übungen exakter erklären. Sie legen viel Wert darauf, alle Rahmenbedingungen der Übung zu wissen. Bei den Herren zum Beispiel sagt man: Wir schlagen über die Position 4 ein. Dann machen die das. Bei den Damen kommt gleich die Frage: mit Fremdzuspiel oder Eigenzuspiel? Sie wollen gleich wissen, wie sie es ausführen sollen. Wenn man das nicht macht, dann entstehen Diskussionen und man redet ewig.

Am Sonntag spielen Sie im Derby gegen den SSV Geißelhardt, der in die Bezirksliga aufgestiegen ist. Vor zwei Jahren war die TSG Hall noch drei Spielklassen besser. Im Männerbereich hat Geißelhardt schon die Vorreiterrolle im Haller Gebiet übernommen. Kann das auch im Frauenbereich passieren?

Damit habe ich mich ehrlich gesagt nicht beschäftigt. Und wenn es so kommen sollte, dann wäre es in Ordnung, weil Geißelhardt nicht so weit weg liegt. Ich kenne Spieler bei den Männern, die eigentlich Haller sind und bei Geißelhardt spielen. Ich finde es generell wichtig, dass wir in der Umgebung attraktives Volleyball bieten können. Ich kann den Gegner am Sonntag nicht einschätzen, weil ich sie lange nicht gesehen habe. Aber ich freue mich auf das Spiel.

Zum Abschluss noch die klassische Frage im Vorstellungsgespräch: Wo sehen Sie Ihre Mannschaft in fünf Jahren?

Die eine in Hamburg, die andere in Stuttgart und die nächste in Köln (lacht laut). Nein, ernsthaft gesprochen ist es wichtig, das Bezirksliga-Niveau zu halten und nicht noch weiter abzurutschen. Ich bin mit dem Volleyball bei der TSG Hall großgeworden. Das Herren-Team gibt es mittlerweile nicht mehr. Es wäre wirklich schade, wenn das auch bei den Frauen passieren würde.

Steckbrief Erciment Blumer

Geburtstag: 23. Januar 1971
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Schwäbisch Hall
Beruf: Diplom-Ingenieur Elektrotechnik
Hobbys: Kajakfahren, Squash, Klettern, Wandern
Bisherige Stationen:
Als Spieler: TSG Hall (1983-91), Villingen-Schwenningen (95-99), TSG Hall (99-2001); Als Trainer: TSG Hall (seit 2007)
Größte sportliche Erfolge: Als Spieler: Verbandsliga mit Villingen-Schwenningen; Als Trainer: Aufstieg in die Oberliga als Co-Trainer, drei Jahre Oberliga, Vize-Bezirksmeister U 20

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