Moment mal, bitte! „Dann wäre es kritisch geworden“

Werner Belschner steht mit seinen Laufschuhen auf der Treppe vor St. Michael. In genau einer Woche steht dort unten auf dem Marktplatz der Start-Ziel-Bereich des Dreikönigslaufs. Belschner leitet das Organisationsteam der Haller Großveranstaltung.
Werner Belschner steht mit seinen Laufschuhen auf der Treppe vor St. Michael. In genau einer Woche steht dort unten auf dem Marktplatz der Start-Ziel-Bereich des Dreikönigslaufs. Belschner leitet das Organisationsteam der Haller Großveranstaltung. © Foto: Achim Köpf
Schwäbisch Hall / Viktor Taschner 31.12.2017
Werner Belschner, Organisationschef des Haller Dreikönigslaufs (DKL) spricht über die Suche nach freiwilligen Helfern und den Grenzen der Veranstaltung.

Seit fünf Jahren steht der Michelbacher Werner Belschner dem Orga-Team des DKL vor. Für ihn und seine Crew beginnt nun die heiße Phase der Vorbereitung.

Herr Belschner, die Weihnachtsfeiertage sind vorüber. Kommt man da auch als Organisationschef des DKL zur Ruhe?

Werner Belschner: Wir haben in den letzten Jahren die Vorbereitung und Abläufe schon soweit durchstrukturiert, dass an Weihnachten nicht mehr die ganz großen Aufgabenpakete anfallen. Deswegen kommt man auch dazu, in Ruhe Weihnachten zu feiern. Die großen Aufgaben fallen dann erst wieder in der Woche direkt vor dem Lauf an.

Welche sind das?

An Neujahr findet das sogenannte Eintüten statt. Wir treffen uns, um die ganzen Startunterlagen und Startnummern zu verpacken.  Dazu kommt am 4. Januar die Startnummernausgabe bei Intersport Petermann, für die Leute, die im Vorfeld schon ihre Nummer abholen oder nachmelden wollen. Am 5. Januar beginnen die Aufbauarbeiten. Auch die Hagenbachhalle muss vorbereitet werden. Zudem müssen wir zusammen mit unserem Zeitnahmepartner Mika Timing die Zeitmessung aufbauen. In den letzten Tagen vor dem Lauf intensiviert sich auch noch die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Stress nimmt dann sehr zu ...

Ja, dann wird´s richtig spannend (nickt). Von da an ist es ein Fulltime-Job. Jeder im Orga-Team ist dann jeden Tag sehr beschäftigt.

Wie bekommt man das unter einen Hut mit der regulären Arbeit?

Viele nehmen Urlaub, ich auch. Anders geht es bei mir nicht. Der ein oder andere im Orga-Team schafft es auch noch nebenher. Aber die, die beispielsweise die Nachmeldungen bearbeiten oder Aufbauten sowie die Bewirtung organisieren, stehen schon unter hohem zeitlichem Druck.

Wie viele Arbeitsstunden stecken in der Vorbereitung?

Wir haben im zwölfköpfigen Orga-Team acht Termine. Das fängt mit der Nachbesprechung nach dem letzten Lauf an: Nach dem Lauf ist vor dem Lauf! Im März/April führen wir die ersten Sponsorengespräche. Man bereitet dann die Ausschreibung vor und überlegt sich Aktionen für die Öffentlichkeitsarbeit. Je nachdem, welche Position man im Orga-Team hat, kommen übers Jahr verteilt 50 bis 100 Arbeitsstunden pro Person zusammen. Insgesamt werden beim Dreikönigslauf mehr als 2000 Helferstunden geleistet.  Und tendenziell wird´s eher mehr.

Muss man als Chef oft die Leute animieren?

Wir sind ein gutes und eingespieltes Team. Zudem haben wir daran gearbeitet, die Organisation auf eine breite Basis zu stellen. Und die Leute sind in ihrem Bereich mit Herzblut bei der Sache. Ihre Eigenmotivation ist per se schon hoch. Wenn´s mal klemmt, bringe ich standardmäßig den Spruch von Eckart von Hirschhausen: Wer sich ehrenamtlich engagiert, lebt länger (lacht).

Woraus ziehen Sie selbst die Motivation?

Der DKL hat eine große Historie. Wenn man selbst mal mitgelaufen ist, dann ist das Event immer noch faszinierend. Wir sind deutschlandweit in den Top 5 was die Laufveranstaltungen im Zeitraum um Silvester/Neujahr betrifft. Dieses Jahr für Jahr auf die Beine zu stellen, ist schon klasse. Wir unterstützen mit dem Lauf auch die Nachwuchsarbeit der TSG Hall. Meine Tochter Julia läuft selbst und ich weiß um die Bedeutung guter Trainingsbedingungen. Und es gibt immer interessante Initiativen, wie zum Beispiel mit dem Krebsverein, bei denen man interessante Leute kennenlernt. Und es ist genial zu sehen, wenn 2000 Leute auf dem Marktplatz über die Ziellinie gehen. Die meisten sind zwar platt, aber glücklich. Und dieses Gefühl, das zu ermöglichen, hält bei mir und im Orga-Team lange an.

Aber dennoch wird es schwierige Momente geben …

Ja, es gibt immer Überraschungen. Dieses Jahr haben zum Beispiel die Cheerleader der Unicorns kurzfristig abgesagt. Sie waren in den letzten Jahren immer dabei und haben tolle Stimmung auf dem Marktplatz gemacht. Jetzt müssen wir für die Absage eine Lösung finden. Ansonsten läuft es aber gut. Die Zusammenarbeit mit der Stadt klappt reibungslos. Kleinere Überraschungen bieten gerade die Baumaßnahmen in der Stadt. Wir müssen immer schauen, ob die vorgesehene Strecke frei ist. Die größte Frage ist aber: Bekomme ich für so eine Großveranstaltung, die auch eine logistische Herausforderung ist, genügend Helfer zusammen?

Im vergangenen Jahr war es kompliziert, genügend Helfer zu finden. War es dieses Jahr auch so?

Uns war schon vor zwei, drei Jahren klar, dass wir was tun müssen. Wir wollen ja die Qualität auch bei steigenden Teilnehmerzahlen halten, also brauchen wir mehr Helfer. Aber die Bereitschaft zu helfen, stagniert oder geht eher zurück. Wir haben das Problem von verschiedenen Seiten angepackt. Zum einen haben wir die Kooperation mit der Sportschule Waldenburg ausgebaut. Sie stellen 20 bis 30 Leute, was richtig viel ist. Auch mit der Tricon, der Triathlon-Abteilung der TSG, arbeiten wir immer enger zusammen. Sie übernehmen große Bereiche. Ich hoffe, dass diese Zusammenarbeit längerfristig besteht. Die Tricon profitiert dann hoffentlich durch den DKL im Bereich der Jugendarbeit. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal Kontakte zum THW geknüpft. Es wird uns beim Ab- und Aufbau helfen. Das ist immer ein Knochenjob. Wir versuchen, unser Netzwerk an Vereinen und Organisation zu erweitern, um das zurückgehende Engagement aus dem privaten Bereich zu kompensieren.

Wie viele Helfer werden für den DKL benötigt?

Circa 150.

Die Gefahr einer Absage des DKL ist so gebannt …

Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren gut an diesem Thema gearbeitet. Die Leichtathletik-Abteilung der TSG stellt immer noch das Gros der Helfer. Wenn sie aber wie zuvor die Veranstaltung zum Großteil alleine hätte stemmen wollen, dann wäre es wirklich kritisch geworden. Es sind ja mittlerweile mehr als 2000 Starter. Man muss daher mehr eintüten, mehr Startnummern ausgeben, mehr Leute von der Halle nach unten bringen und verköstigen als zuvor. Der Bedarf an Helfern steigt jetzt nicht proportional zu den Teilnehmerzahlen, aber man braucht schon mehr helfende Hände und vor allem gut eingespielte Hände. Mittel- und langfristig sollte aufgrund der Grenzen der Arbeitsbelastung im Ehrenamt in bestimmten Bereichen sowie im Orga-Team über eine gewisse Professionalisierung nachgedacht werden.

Werden noch Helfer gebraucht für die kommende Austragung?

Es sieht gut. Es gibt noch leichte Engpässe bei der Küche und der Bewirtung. In den nächsten Tagen schauen wir dann nochmal genau drauf. Wer Interesse hat, kann sich über die Homepage des DKL ans Orga-Team wenden.

Im letzten Jahr herrschte arktische Kälte beim DKL. Welches Wetter wünscht man sich als Veranstalter?

Es war mega kalt, aber trocken. Wenn noch Eis und Schnee gekommen wäre, dann wäre es ganz kompliziert geworden.  Es war ja bei den eisigen Temperaturen ohnehin grenzwertig, nicht nur für die Läufer, sondern auch für die Helfer. Die musste vorher aufbauen, dann drei, vier Stunden in der Kälte stehen und dann abbauen. Das war heftig. Deswegen würde ich mir für die Läufer und die Helfer wärmere Temperaturen wünschen.

Sie leiten nun seit fünf Jahren das Orga-Team. Wie hat sich der Lauf aus Ihrer Sicht entwickelt?

Die steigenden Teilnehmerzahlen sind sehr erfreulich. In fünf Jahren stieg die Zahl von etwa 1300 auf mehr als 2000 Anmelder. Aber jetzt stoßen wir schon an Grenzen. Der 5-Kilometer-Gesundheitslauf hat sich gut etabliert, auch weil er aus dem 10-Kilometer-Hauptlauf ausgegliedert wurde und schon vorher gestartet wird. Bei diesem Lauf sehe ich noch Potenzial. Beim Schülerlauf stagnieren die Zahlen leider. Der Kinderlauf und vor allem der Hauptlauf sind aber ziemlich am Limit. Die Strecke ist teilweise eng und verwinkelt, deswegen können wir beim Hauptlauf nicht noch mehr Läufer starten lassen. Es gibt aktuell keine Ambitionen, den Lauf noch größer aufzusetzen. Wir sind zufrieden und froh, wenn wir es weiterhin so hinbekommen und den Leuten ein Fünf-Sterne-Event bieten.

Steckbrief Werner Belschner

Geburtstag: 10. Oktober 1966
Geburtsort: Michelbach
Wohnort: Michelbach
Familienstand: verheiratet, drei
Kinder
Beruf: Diplom-Ingenieur
Hobbys: Triathlon
Bisherige Stationen: Seit fünf Jahren Organisationschef des Haller Dreikönigslaufs

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