Bühlerzell / Hartmut Ruffer

Es wird kaum einen Bühlerzeller geben, der Peter Riek nicht kennt. Vielleicht nicht unter seinem bürgerlichen Namen, denn alle nennen ihn „Busche“. Seit fast fünf Jahrzehnten engagiert er sich ehrenamtlich beim Fußball, beim Volleyball, bei den Maibaumfreunden in Bühlerzell. Angefangen hat es damit, dass er als Elfjähriger die Fußbälle, die damals noch aus Leder waren, mit nach Hause genommen und eingefettet hat. An diesem Samstag bekommt er in Niederstetten den DFB-Ehrenamtspreis verliehen.

Herr Riek, werden Sie an diesem Samstag die rote Sportfreunde-Jacke oder einen Anzug tragen?

Peter Riek: (schmunzelt) Einen Anzug mit Sicherheit nicht. Das passt nicht zu mir. Also wird es wohl das Sportfreunde-Rot werden.

Haben Sie gewusst, dass Sie von Ihren Vereinskollegen für den DFB-Ehrenamtspreis vorgeschlagen wurden?

Nein. Irgendwann kam Joe Kohnle (Vorstand Josef Kohnle, Anm. d. Red.) zu mir und fragte mich, was ich alles bei den Sportfreunden gemacht habe. Ich habe mich gewundert und mich gefragt: Was will der denn jetzt von mir? (lacht) Später habe ich drüber nachgedacht und zumindest etwas geahnt.

Wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?

Eines Tages, spät im November, hatte ich Briefe vom WFV und vom DFB in der Post. Ich habe sie mehrmals lesen müssen, bis ich sie verstanden habe. Ich habe die Nachricht einige Tage sacken lassen und erst dann mit ein paar Leuten darüber gesprochen.

Bei den Sportfreunden „regiert“ der 1959er-Jahrgang. Sie, Ede Fischer, Josef Kohnle haben gemeinsam die Schulbank gedrückt. Fragt man die beiden, sagen sie: „Der hat’s verdient!“

Ach, ich weiß nicht. Mir ist das fast ein bisschen peinlich. Ja, ich bin so eine Art Helfertyp und ich habe lange gebraucht, um auch mal Nein zu sagen. Mir hat es damals einfach Spaß gemacht und das macht es mir noch heute.

Seit 20 Jahren sind Sie Betreuer der ersten Mannschaft. Wann waren Sie das zum ersten Mal?

Da war ich 14. Ich war der, der den Aktenkoffer dabei hatte und sich um die Aufstellungsbögen gekümmert hat. Bereits mit 16 durfte ich deshalb bei den Aktiven mittrainieren. Ich war besessen vom Fußball (schmunzelt). Ich bin öfter spät nachts heimgekommen. Meine Eltern waren aber nicht besorgt. Die wussten, dass ich gut aufgehoben bin.

Was ist aus der Fußballkarriere geworden?

Mit 19 hatte ich eine schwere Verletzung. Kreuzband, Meniskus, Innenband – alles kaputt. Damals waren die Operationsmethoden noch nicht so fortschrittlich. Ich hatte sogar sechs Wochen einen Gips und danach ein steifes Knie. Ich habe dann zu schnell wieder angefangen. Nichts ging mehr. Mein Bruder ist dann beruflich für eineinhalb Jahre nach Saudi-Arabien. Da habe ich gesagt: Ich komme mit.

Einfach so?

Ja, ich konnte nicht mehr spielen und dachte mir: Irgendwas musst du anders machen, um vom Fußball wegzukommen. Und was war das erste, was sie uns dort gefragt haben: Spielt ihr Fußball? (lacht) Es gab dort eine Betriebsmannschaft. Komischerweise habe ich dort die Zeit beschwerdefrei spielen können. Kaum war ich wieder hier, war das Knie erneut kaputt. Das war’s dann endgültig.

Fußball ist nicht Ihre einzige Leidenschaft. Sie führen seit 35 Jahren die Volleyballabteilung. Wie kam es dazu?

Wir Fußballer haben uns damals in der Halle umgezogen. Die Volleyballer spielten dort. Ich habe zugeschaut und irgendwann hieß es: „Bua, komm rein!“ Und als sie einen Abteilungsleiter suchten, hieß es: „Du machst es!“

Bei den Fußballern haben Sie viele Talente gesehen. Wer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ralph Schön! Schon als C-Jugendlicher ist er mir, aber auch allen anderen aufgefallen. Mit was für einem Willen der sich entwickelt hat! Das hat mich geprägt.

Momentan haben die Sportfreunde Bühlerzell außergewöhnlich starke E-Junioren...

Wahnsinn, wie die spielen! Da geht mir das Herz auf. Vor allem: Die können weit mehr, als wir damals konnten. In dem Alter haben wir uns über Taktik noch nicht unterhalten. Bei denen ist alles da: Talent, Wille, Begeisterung. Die treffen sich in der Fußballhalle oder in irgendeinem Garten und sind jeden Tag am Bolzen.

Hatten Sie nie den Wunsch, mal etwas anderes als die Sportfreunde Bühlerzell zu erleben?

Nie, warum auch? Die Sportfreunde, nein, der ganze Ort ist etwas Besonderes. Die Menschen hier sind ein besonderer Schlag. Das sage nicht nur ich, sondern vor allem die, die von außerhalb hierherkommen. Man hilft sich, man hält zusammen. Und die Sportfreunde sind für manche die Familie, für andere mindestens die Zweitfamilie.

In wenigen Wochen werden Sie 60 Jahre alt. Denken Sie ans Aufhören?

So langsam ja, denn sonst hätte meine Frau gar nichts mehr von mir.

Aber Sie haben doch ein Problem mit dem Neinsagen...

(lacht) Schon klar, aber mit zunehmendem Alter ist mir das das eine oder andere Mal schon gelungen.

Steckbrief Peter Riek

Geburtstag: 7. März 1959
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Bühlerzell
Familienstand: verheiratet
Beruf: Teamleiter Qualitätssicherung
Hobbys: Fußball, Volleyball, Angeln, Garten
Bisherige Stationen: seit 1970 Sportfreunde Bühlerzell
Wichtigste sportliche Erfolge: Bezirkspokalsieg 2008, Meisterschaft mit der vierten Mannschaft der Sportfreunde in der Bezirksliga-Reserverunde, Meister mit der dritten Mannschaft in der Kreisliga-B-Reserverunde