Vellberg / Hartmut Ruffer  Uhr
An zehn aufeinanderfolgenden Tagen will der 63-Jährige die Läufe absolvieren.

Die Vorbereitung auf dieses außergewöhnliche Projekt begann mit einer Absage. „Eigentlich wollte ich an einem 24-Stunden-­Lauf teilnehmen, doch der wurde abgesagt. Also brauchte ich eine neue Herausforderung. Da habe ich im Internet ein bisschen gestöbert und bin dabei auf diesen Wettbewerb gestoßen“, berichtet Karl Perchthaler, als wäre es das Normalste auf der Welt, so als ob er gerade ein paar Bücher im Netz bestellt hätte.

Zehn Marathonläufe, also jeweils 42,195 Kilometer. In zehn Tagen im österreichischen Bad Blumau. Start ist am kommenden Freitag. 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann hat einmal erklärt, das Gesündeste bei einem Marathonlauf sei, sich darauf vorzubereiten – und diesen dann nicht zu laufen. Auf Karl Perchthalers Gesicht bildet sich daraufhin ein Lächeln. „Meine Familie hat mir auch erklärt, dass ich jetzt verrückt sei.“ Aber der 63-Jährige erweckt diesen Eindruck ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Er scheint zu wissen, worauf er sich da einlässt.

Er bemerkte, dass es Spaß macht, an die Grenzen zu gehen

Aufgewachsen im österreichischen Zeltweg hatte Perchthaler zunächst nichts mit dem Laufen zu tun. Wildwasserfahren war seine Domäne. Was er schon immer hatte, war Ehrgeiz. „Ich war nicht mit Talent gesegnet, musste mir immer alles erarbeiten. Aber mir hat es Spaß gemacht, Grenzen auszuloten.“ Vor rund 40 Jahren kommt er der Arbeit wegen nach Hohenlohe. Kanu- und Radfahren kamen für ihn nicht mehr in Betracht, „dann gehe ich halt laufen“, dachte er sich damals. Er ist einer von vielen Hobbyläufern in der Region, schließt sich dem Lauftreff Sulzdorf an. Bis zum Jahr 2000 läuft er im Schnitt zweimal pro Woche zehn Kilometer. Dann läuft er gemeinsam mit Herbert Weidner und Hans Kurz seinen ersten Marathon. „Ich kam ins Ziel, dachte aber sofort: Das mache ich nie wieder! Ich hatte mich auf eine Bank gesetzt, musste mir aber von Freunden aufhelfen lassen, weil ich so einen starken Muskelkater hatte“, berichtet er mit einem Lächeln. Doch wenige Tage später sieht die Welt anders aus. „Ich merkte, dass es mir Spaß gemacht hat, an meine Grenzen zu gehen.

Trotz vieler Wetterkapriolen trainieren trainieren die Teilnehmer von Lauf geht’s jeden Mittwoch im Schenkenseestadion. Sie berichten von Erfolgen und Wünschen.

Karl Perchthaler und seine Freunde suchen sich neue He­rausforderungen, bestreiten Bergmarathons. „Es ist ein Erlebnis, Pässe zu bezwingen“, berichtet Karl Perchthaler. Ist die Aussicht besonders gut, gönnt er sich schon mal zwei Minuten Pause und genießt das Panorama. „Einmal habe ich das während des Laufens machen wollen und mich prompt auf die Nase gelegt.“

Doch ein Bergmarathon mit seinen vielen Höhenmetern sei eine ganz andere Sache als nun die zehn „normalen“ Marathonläufe. „Ich habe schon Bauchweh, ob der Körper das aushält.“ Um sich vorzubereiten, lief Karl Perchthaler zuerst den Marathon in Heilbronn und danach täglich zwischen 30 und 35 Kilometer. „Die Tage zwei bis vier waren sehr hart. Danach aber hatte sich der Körper an die Belastung gewöhnt“, blickt Perchthaler zurück, „aber Training ist Training und Wettkampf ist Wettkampf. Das kann geistig ganz schön zermürbend sein.“

Um sich nicht einseitig zu belasten, schwamm Perchthaler noch 1000 Meter im Schwimmbad und ging einmal in der Woche ins Fitnessstudio. Zudem stellte er die Ernährung um. „Es geht um Fettverbrennung, aber um gesunde Fette.“ Ein Effekt sei schon zu spüren. „Ja, ich merkte etwas, die Ausdauer hat sich verbessert.“

In Bad Blumau mietet sich Karl Perchthaler zusammen mit seiner Frau in einer Pension ein. „Meine Frau ist mein Coach“, meint er mit einem Schmunzeln. In dem kleinen Ort (rund 1600 Einwohner) in der Oststeiermark warten auf die Läufer zwei Kurse von jeweils fünf Kilometern. Diese Rundstrecken sind Perchthaler durchaus recht. „Wir Läufer kommen häufiger an den Verpflegungsständen vorbei. Zudem ist es besser, wenn man immer wieder Läufer sieht. Läuft man über zehn Kilometer völlig alleine, ist das für die Leistung nicht gerade förderlich.“ 22 Läufer haben sich angemeldet, „es gibt also noch mehr Verrückte“, stellt Perchthaler schmunzelnd fest.

Im Vorfeld hat er viel organisiert, um Spender zu finden. Schließlich will er für einen guten Zweck laufen. „Deshalb bin ich jetzt auch froh, dass es losgeht.“ Ob er durchhalten wird, wisse er nicht. „Aber meine Frau hat gesagt: Aufgegeben wird nicht – und das habe ich auch nicht vor.“

Info Karl Perchthaler wird während der zehn Tage an uns berichten.

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Laufen für den guten Zweck

Karl Perchthaler möchte mit seiner Teilnahme den Verein M.U.T. (Mitmachen und Teilen) und das Frauen- und Kinderhaus unterstützen. „Auslöser war ein Bekannter aus Österreich. Er hat nach einer überstandenen Krebs-Operation einen 100-Kilometer-Lauf auf dem Laufband absolviert.“ Die Motivation sei höher, wenn es für karitative Zwecke geht. „Dieser Gedanke gefiel mir.“

Im November des vergangenen Jahres hatte Karl Perchthaler viele Firmen angeschrieben. „Einige unterstützen mich für alle zehn Läufe“, freut er sich. Als Unterstützer dabei sind die Optima, Intersport Schoell, die Raiffeisenbank Bühlertal, Invivo Physiotherapie und Startpunkt – Zeit für Veränderung. Perchthaler bittet um Spenden auf das Konto IBAN DE11 6006 9075 0064 1420 00 bei der Raiffeisenbank Bühlertal. Das komplette Spendengeld wird je zur Hälfte an M.U.T. und das Frauenhaus übergeben. ruf