Handball Wenn die Eulen heulen

Pfullingen / Wolfgang Gattiker 20.08.2018

Die 550 Fans konnten es kaum fassen: Drittligist VfL Pfullingen schaltete im Halbfinale des DHB-Pokal-Viererturniers am Samstag den Bundesligisten Eulen Ludwigshafen völlig verdient mit 29:28 aus und stand im Finale. Dort traf man auf den Bergischen HC, der den Zweitliga-Absteiger HG Saarlouis mit 36:11 (17:3) besiegte.

Der VfL begann mutig mit seiner 5:1-Abwehr, lag 3:5 und 7:9 zurück. Florian Möck zeigte gute Anspiele, man blieb dran, die favorisierten Gäste kamen nicht weg. Dazu kam Niklas Roth, der sicher traf. Da Jabot (Wadenzerrung) und Goller (EM U18) fehlten, spielte Felix Stahl auf Rechtsaußen, machte seine Sache gut. Von links kam Marc Breckel, der oft einlochte. In der 21. Minute ging der VfL zum ersten Mal beim 12:11 in Führung, doch dann legte man einen 1:5-Lauf hin, lag bei der Pause 14:16 zurück.

Konsequente Krokodile

Im zweiten Spielabschnitt leisteten sich die Eulen viele Fehler, scheiterte an VfL-Keeper Schlipphak, der sogar ein Tor erzielte. Die Echaz-Krokodile nützten diese Schwächephase konsequent aus, als Wittlinger kam und gleich voll da war. Später kamen auch Haug und Hertwig – der VfL hat eine gut besetzte Bank. Vom 15:18 ging es zum Ausgleich (18:18) – dann führte der Gast noch einmal 19:18, aber der VfL war gut im Spiel, erzielte vier Tore in Folge zum 22:19.

Die Eulen hatten in 20 Minuten gerade einmal fünf Tore erzielt, der VfL führte 25:21 (50.) – die Gäste glichen zum 26:26 aus. Roth traf wie Schmid zum 28:26 – noch zwei Minuten zu spielen. Bührer traf, Thiemann scheiterte mit Siebenmeter an Lenz, Müller glich aus. Doch Marc Breckel lochte 14 Sekunden vor Schluss ein. Der Jubel war grenzenlos, die Sensation perfekt. Das war ein Prestigeerfolg der Pfullinger, gibt auch Mumm für den Punktspielauftakt am Samstag gegen den TSV Neuhausen/Filder.

Abteilungsleiter Armin Geffke war stolz: „Das war eine gigantische Leistung, die Jungs sind topfit. Als die Eulen mit sieben Feldspielern agierten, gerieten wir kurz durcheinander.” Trainer Frederick Griesbach meinte: „Das Team hat sich belohnt für eine knallharte Vorbereitung, da gingen sie an und über Grenzen wie am Samstag. Der Wille, die Überraschung zu schaffen, war mehr als groß. Man hat immer eine Chance, muss nur daran glauben. Es hat alles gepasst, es macht Spaß. die Jungs zu trainieren.”

Benjamin Matschke, vor 14 Jahren Spieler beim VfL unter Ecki Nothdurft, bilanzierte: „Das war ein verdienter Sieg, wir begingen 15 technische Fehler – das waren zu viele. Die kämpferische Einstellung  des VfL war großartig. Ich bin sehr enttäuscht.”

Marc Breckel strahlte: „Wir kamen gut rein, fanden immer Lösungen, auch mit dem 5:1, das wir seit sechs Wochen einüben, ließen die Gäste nie weit wegziehen. Wir blieben dran und  hatten gute Phasen. Mit unserer Aggressivität zogen wir denen den Zahn.”

So spielten sie

VfL Pfullingen: Becker, Schlipphak (1) – Wittlinger (3), Schmid (2), Breckel (6), Stahl (4), Roth (5), Thiemann (5/4), Prinz, Möck (1), Haug (1), F. Nothdurft,Hertwig, List (1)

Eulen Ludwigshafen: Lenz – Stüber (2), Dietrich, Scholz (4), Halder (2), Feld (3), Falk (4), Hofmann (3), Durak (4), Bührer (5/5), Müller (1)

Gut verkauft – aber trotzdem verloren

Bergischer HC gegen
VfL Pfullingen 35:22

Vor 330 Zuschauern qualifizierte sich der Favorit Bergischer HC durch einen 35:22 (18:12)-Finalsieg  gegen den VfL Pfullingen für das DHB-Pokal-Achtelfinale. Beim VfL fehlten Jabot, Keupp und der verletzte Micha Thiemann. Der meinte: „Wir spielten besser als gegen die Eulen, aber der Gegner war ein anderer, wir waren auch platt.”
Der Gast führte 12:4 (18.), es sah nach Debakel aus. Dann traf der VfL vier Mal in drei Minuten zum 8:12, er blieb dran, hatte fünf Aluminium-Treffer, aber der Bundesligaaufsteiger wirkte konzentriert, ließ nie nach, führte mit sechs in der Pause.
Nach der Pause blieb es lange bei den sechs Toren, ehe sich der VfL Fehler leistete, die gnadenlos effektiv vom BHC ausgenutzt wurden. Schlipphak hielt einen Siebenmeter; List musste nach dritter Zeitstrafe in der 36. Minute raus und Frieder Nothdurft von der A-Jugend erzielte ein Tor, wie auch Keeper Becker.
VfL-Handball-Chef Armin Geffke: „Das war Werbung für den Handball, wir schreiben auch keine roten sondern Dank der Verpflegung und den vielen Zuschauern leicht schwatze Zahlen. Der Aufwand hat sich gelohnt.” Trainer Frederick Griesbach bilanzierte: „Wir waren praktisch chancenlos, aber wir haben sie genervt, erarbeitet, dass sie meckerten. Wir hatten auch Pech mit Verletzten und Pfostentreffern. Doch die waren klar das beste Team,  kamen verdient weiter, für uns gibt es Lernphasen, wir sind für den Punktspielauftakt gerüstet.” Niklas Roth gab zu: „Wir waren nach dem Samstagspiel etwas platt, betrieben großen Aufwand. Die sind stark, wir gaben unser Bestes. Die Fans waren dennoch zufrieden, wir hielten einigermaßen mit.”

VfL Pfullingen: Becker (1), Schlipphak – Wittlinger (2), Schmid (2), Breckel (2), Stahl, Roth (3), Prinz (3), Möck (4), Haug, Nothdurft (1), Hertwig (2), List  (2/2)
Bergischer HC: Rudeck, Rutschmann – Darj (5), Gunnarsson (5/2), Nippes (1), Majdzinski (1), Kotrc (1), Gonzales (3), Fontaine (1), Fraatz (3), Babak, Szücs, Gutbrod (5), Arnesson (3), Boomhouwer (7/4)

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