Reutlingen TSG-Asse brauchen keinen Neuschnee

Reutlingen / Von Alexander Mareis 23.01.2019

Die einen sprechen von einem Jahrhundertwinter, die anderen von den heftigsten Schneefällen sind 20 Jahren. Als Laie mag man nun denken, dass gegenwärtig in den alpinen Skigebieten Verhältnisse herrschen, die bei den Skifahrern der TSG Reutlingen  eine besondere Euphorie auslösen.

„Natürlich genießen wir es, eine weiße Winterlandschaft zu sehen“, macht der stellvertretende TSG-Sportwart Markus Hermelink klar. Der in Metzingen-Glems ansässige Rechtsanwalt betont aber auch, dass zur Abwicklung des Rennsports in den Alpen – mal die Lawinengefahr, blockierte Anfahrtswege und von der Außenwelt abgeschnittene Ortschaften komplett außer Acht gelassen – solche Schneemassen keineswegs erforderlich sind.

Denn vor Ort würden Schneekanonen mit ihrem Kunstschnee für optimale Pistenverhältnisse sorgen. Kunstschnee lässt sich wegen seiner kristallinen Eigenschaften leichter präparieren als natürlicher Schnee, was das Skifahren einfacher macht. Neuschnee ist als Untergrund viel weniger willkommen. Und Schnee, auf dem es sich gut fahren lässt, ist für viele ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Skigebiets.

Auch Pistenbully-Fahrer lassen sich gezielter einsetzen, wenn die Beschneiung besser geplant werden kann. Vor allem aber schmilzt Kunstschnee langsamer als Naturschnee, wenn die Temperaturen über null Grad Celsius steigen.

Das wiederum bedeutet: Künstlicher Schnee kann die Saison erheblich verlängern. Und die Länge der Saison ist von immenser Bedeutung.

Die Reutlinger haben sich schon frühzeitig von den Schneeverhältnissen auf der Schwäbischen Alb unabhängig gemacht. Seit 1969 besitzt der größte Sportverein der Achalmstadt das TSG-Berghaus, ein Selbstversorgerhaus oberhalb von Oberstaufen im Ortsteil Buchenegg gelegen.  Dessen Lage im Oberallgäu ermöglicht das schnelle Erreichen von Skigebieten im Dreiländereck Schweiz/Österreich/Deutschland. Etwa 60 Schlafplätze, aufgeteilt in Drei- bis Vier-Bettzimmer und mehrere Matratzenlager, sowie eine Großraumküche stehen im Berghaus zur Verfügung.

„Unsere Saison dauert vom 1. Oktober bis zum 1. Juni. Uns werden etwa 80 Skitage im Jahr geboten“, lässt Markus Hermelink wissen.

TSG ist Vorzeigeadresse

Die TSG Reutlingen ist eine absolute Vorzeigeadresse in Baden-Württemberg und auch darüberhinaus. Im Deutschen Skiverband (DSV) nimmt der Verein sogar eine Sonderstellung ein.  „Wir sind einer der fünf DSV-Stützpunkte in unserem Bundesland neben Ulm, Isny, Karlsruhe und Freiburg“, sagt Hermelink nicht ohne Stolz.

Der Rennkader der Achalmstädter umfasst rund 50 aktive Rennläufer von Bambini bis Jugend – eine solche Anzahl können nur wenige Klubs bieten. Unter den Nachwuchscracks befinden sich viele Talente aus dem Ermstal, alleine sieben sind im Metzinger Stadtteil Glems heimisch.

Auffallend ist die Altersstruktur. „Die Gruppe der 30- bis 40-Jährigen ist bei uns regelrecht weggebrochen“, verrät der Stellvertretende TSG-Sportwart.

Junges Team mit viel Talent

Die Rennfahrer der TSG Reutlingen sind somit praktisch durch die Bank blutjunge Leute. Markus Hermelink ist dreifacher Vater und alle seine Sprösslinge haben ihr Herz an den alpinen Skisport verloren. Horatio Hermelink ist ein hoffnungsvolles Talent in der Altersklasse U14, Alexander Hermelink sorgt bei der U10 für Aufsehen und Nesthäkchen Aurelia fährt bei der U8 mit viel Freude mit.

„Alle meine Kinder haben mich inzwischen abgehängt und fahren schneller als ich“, gibt der 45-jährige Markus Hermelink zu.

„Unsere Rennläufer trainieren bis zu fünf Mal die Woche. Das fängt bereits im Sommer an, wenn der Muskelaufbau gefördert wird. Die Physis ist enorm wichtig für einen alpinen Rennsportler. Wegen ihres guten Trainingszustands verletzen  sich unsere Youngsters auch nur selten. Natürlich kann es mal einen Armbruch, eine ausgerenkte Schulter oder einen Meniskusanriss geben. Insgesamt aber verzeichnen wir weniger Verletzungen als es beispielsweise im Fußball der Fall ist“, meint Markus Hermelink.

Das Aushängeschild der Achalmstädter ist derzeit Max Haußmann, der in der Jugend-Klasse für Furore sorgt. Der gebürtige Reutlinger strebt eine Profikarriere an und versucht die Basis dafür gegenwärtig im Skiinternat in Oberstdorf zu legen. Haußmann kann in seiner Vita bereits den Gewinn der Deutschen Schülermeisterschaft aufweisen, außerdem gewann er mit seinem Internat die School Winter Games, eine Art inoffizielle Schüler-Weltmeisterschaft.

Jeden Tag Training

„Weil ich die elfte und zwölfte Klasse auf drei Jahre verteilt absolviere, habe ich nur vier Tage pro Woche Schule, wobei jeweils lediglich fünf Stunden Unterricht anfallen. Danach trainiere ich jeden Tag. Alternativ fahren wir gleich nach dem Unterricht in ein Skigebiet und zu Rennen“, erzählt Max Haußmann, der dem deutschen C-/D-Nationalkader angehört und somit die TSG auch international vertritt.

Weitere Topathleten der TSG sind die ursprünglich aus Metzingen stammende Eningerin Jana Fritz (U14), Cedric Heusel (U16) und Mette Beuter (U16), die allesamt im Landeskader Baden-Württembergs stehen. In den Kader des Schwäbischen Skiverbands (SSV) haben es zudem Anton Seidemann und Benni Haußmann (U16) geschafft.

„Sie bestreiten nicht mehr als 25 Rennen pro Saison, nur Max Haußmann bringt es auf eine größere Anzahl“, verrät Markus Hermelink.

Praktisch alle Youngsters eint die Tatsache, dass schon ihre Eltern einen Bezug zum Wintersport hatten und sie über diese Schiene früh mit der technisch anspruchsvollen Sportart in Kontakt kamen. „Wenn wir zu Rennen fahren, sind das meist Familienausflüge. Die Eltern schauen ihren Kindern auf der Piste im Kampf um die schnellsten Zeiten zu, verbinden aber die gemeinsame Fahrt ins Skigebiet oft mit späterem privaten Skispaß auf der Piste abseits der Wettkampfhektik“, weiß Hermelink.

Daten und Termine – Angebot für Schüler

Die Skiabteilung der TSG Reutlingen wurde 1952 gegründet, hat also schon 67 Jahre auf dem Buckel.  Bis auf ein halbes Dutzend Senioren zwischen 40 und 60 Jahren (die freilich kaum noch an Rennen teilnehmen, sondern beispielsweise eher Skitouren durchführen) stellen die Achalmstädter aber nur blutjunge Rennläufer – 50 aktive von den Bambini bis zur Jugend.  Nachfolgend einige Termine von Skiveranstaltungen in der Region, die für Interessenten auch ohne Vereinsbindung offen sind:
18. Januar: Spaßrennen am Skilift Salzwinkel in Römerstein. Interessierte können sich anmelden bei Markus Hermelink unter der E-Mail-Adresse markus.hermelink@outlook.de
25. Januar: Spaßrennen in Lichtenstein-Holzelfingen mit Talentsichtung im Rahmen der VR-Talentiade.
31. Januar/1. Februar:  Schneesportfestival in Hindelang-Oberjoch (Oberallgäu), online unter www.schneesportfestival.de. Die TSG Reutlingen unterstützt dort die Aktion „Jugend trainiert für Olympia“ in Kooperation mit der Uhlandschule und Schönbeinschule Metzingen. Kurzentschlossene können sich bei Markus Hermelink noch anmelden.
24. Februar: Bezirkscup in Balderschwang (Oberallgäu).

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